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Von München nach Regensburg mit der S-Bahn? Sind nur zwei Stationen… 20. April 2010

Posted by DL2MCD in Mal was Positives.
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WR108121crWer erinnert sich noch an die alte Müchner S-Bahn? Klassisch in blau-weiß gestrichen, im Winter froren die Türen fest, die Fahrgäste auch, weil die Türen dauernd auf gingen, dafür war es im Sommer immer viel zu heiß. Aber wenigstens gab es keine Klimaanlage, die einen im Hochsommer frieren und die Anwohner der Depots nicht schlafen läßt.

Doch die alten S-Bahnen sind schon lange ausgemustert und im Museum. Bis auf einen Kurrzug, den allerersten, den sogenannten Olympia-Zug.

WR108119crDer allerdings ist orange-weiß – die Original-Farbgebung dieses Modells, die später auch in München immer verbreiteter wurde, nachdem Züge aus Stuttgart und anderen Städten hierher verpflanzt wurden.

Am Schluß wurden jedoch alle der alten S-Bahnen verschrottet oder nach Schweden verkauft – ausgerechnet. Doch angeblich gab es dort keine Probleme mit den festgefrorenen Türen im Winter.

Als ich von den Spezialfahrten mit dem einzig übriggebliebenen Triebwagen hörte, war es eigentlich längst zu spät: Dieser Zug war sozusagen bereits abgefahren, die letzte Tour – von München Ostbahnhof nach Regensburg längst ausverkauft. Danach würde es erstmal keine Fahrten mehr geben, denn der TÜV des Zuges ist sozusagen abgelaufen, und eine neue Plakette mit Werkstattservice kostet 400.000 €. Die hat momentan leider niemand.

WR108132crDoch am Abend vor der Fahrt bekam ich plötzlich einen Anruf vom Vorsitzenden des Vereins: Wegen Krankheit waren zwei Plätze frei geworden!

Das Wetter war halbwegs stabil und für Bahnfahrt, Stadtführung und Schiffsfahrt gut geeignet. Ja, all das gehörte mit zur Reise. deshalb war auch ein Kurzstreckenticket nicht gültig, obwohl es ja nur zwei Haltestellen waren: Landshut und Regensburg.

WR108139crLandshut war die P-Pause – schließlich ist es eine S-Bahn und keine P-Bahn: Es gab Brezn und Getränke, doch halt auch eine Stunde keinen Stopp.

Letzteres ist übrigens auch ein Problem für die Heizung: Wie ich immer schon ahnte, die alten S-Bahnen heizten nur beim Bremsen – die elektrische Bremse ging auf Heizwiderstände. Das war die zu jener Zeit maximal mögliche „Energierückgewinnung“ – eine Rückspeisung ins Netz gab es ebensowenig, wie eine Möglichkeit, direkt aus dem Netz zu heizen.

WR108146crDa eine S-Bahn dafür ausgelegt ist, alle 3 Minuten anzuhalten, ist das normal kein Problem. Bei einer 1-Stunden-Fahrt ohne Stopp kann es allerdings dann doch kühl werden. Aber bei uns war es ok, zumal die Bahn einige Male unterwegs rote Signale bekam und dann heizte.

Natürlich hat die alte S-Bahn noch einige andere Schwächen. Die Lampen über den Türen flackerten und pfiffen oft entsetzlich – das war im Museumszug natürlich nicht der Fall – die Heizung war entweder an oder aus – die warme Luft wurde dann nach innen („an“) oder nach außen geblasen („aus“) – und in Kurven, die geneigt waren, damit man in normalen Zügen nicht von der Zentrifugalkraft aus dem Gleichgewicht geworfen wird, hing man in der langsam fahrenden S-Bahn immer schwer „in den Seilen“.

WR108160crAuch einiges andere erinnerte mich an meine Kindheit, die Fahrtgeräusche beispielsweise. Die Sitze sind allerdings nicht original: Die orangen Plastiksitze, die damals üblich waren, sind inzwischen wegen Brandgefahr nicht mehr im Personentransport zugelassen.

Nicht naturgetreu war allerdings die Abfuhr der S-Bahn mit Kelle und Trillerpfeife statt dem notorischen „ZURÜCKBLEIBEN BITTE“! Das ertönte nur einmal auf der Fahrt. Die heutigen S-Bahnen piepen stattdessen bei der Abfahrt wie ein indisches Taxi beim Rückwärtsfahren…

Auch Regensburg brachte Erinnerungen, allerdings nicht aus der Kindheit: Ich hatte dort mal eine Nacht erlebt – sehr romantisch in den Gassen. Bei Tage war nicht alles so romantisch – es gibt auch ein paar häßliche Gebäude dort. Doch auf jeden Fall die Reise wert.

WR108364crDas Mittagessen nahmen wir allerdings in einem Lokal ein, dessen Name mir noch vor ein paar Monaten den Appetit total verdorben hätte. Das wäre schade gewesen, denn es war gut, günstig und nett: man bewirtete uns noch um 14.30 Uhr, obwohl man eigentlich eine geschlossene Gesellschaft hatte.

Auch interessant, wie viele „Trainspotter“ es gibt. Zugegeben, eine Fahrt in einer 40 Jahren alten S-Bahn ist noch ungewöhnlicher als eine mit einer Dampflok. Aber daß auch mitten auf freiem Feld plötzlich Leute mit Stativ und Kamera auf diesen zug gewartet hatten, war dann doch erstaunlich.

Insgesamt eine Fahrt, die ich nur empfehlen kann, so es sie denn nochmal geben sollte.

Noch ein paar Bilder – beim Anklicken sieht man mehr. Klauen selbstverstänlich nicht erlaubt- Originalfotos auf Wunsch.

 

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Kommentare

1. limone - 25. April 2010

In Frankfurt sind immer noch so „antike“ S-Bahnen regulär unterwegs – habe letztes Jahr nicht schlecht gestaunt, als eine einfuhr. Und das war im Hochsommer – da merkte man die nicht vorhandene Klimaanlage deutlich. War aber froh, so eine „alte Bekannte“ mal wiederzutreffen.

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2. limone - 25. April 2010

(Korrektur: vorletztes Jahr – die Zeit vergeht so schnell. 😉 )

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3. DL2MCD - 25. April 2010

Also ich „vermisse“ Klimaanlagen eigentlich nie – ich bin froh, daß in unseren Dieselzügen hier noch keine sind, während mir der Kollege aus Landshut immer Horrorstories davon erzählt, wie die erst von München bis Freising nicht anspringen (weil Wärmeaustauscher vereist) und alle so richtig schön naßschwitzen und dann auf einen Schlag ab Freising, wenn der aufgetaut ist, alle Naßgeschwitzten intensivkühlt – Haaaa-Tschi!!!

Im ICE ist es mir auch oft zu kalt, vor allem, weil ich nunmal gern am Fenster sitze und da dann immer die kalte Luft runter kommt.

USA-Urlaub war da der Horror und auf einer Kreuzfahrt hatte ich auch meine liebe Mühe, dem Personal klarzumachen, daß ich kein Amerikaner bin und deshalb in der Südsee wirklich nicht 15°C in der Kabine haben will! (Die einheimische Band, die sie aufs Schiff in den Essensraum eingeladen hatten, fror jämmerlich!). Von den Malediven ganz zu schweigen, wo wir glücklicherweise einen Raum ohne Klimaanlage hatten, aber man halb durchgefroren war, wenn man auch nur schnell einen Film im Kiosk der Insel kaufen wollte…

Aber Frankfurt, stimmt, als ich das letzte Mal meinen Bruder mit der Bahn besucht habe, fuhr da auch noch eine alte S-Bahn. Ist aber auch schon eine Weile her, da fuhren vielleicht auch in München noch welche.

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4. Regensburg - 19. Juli 2010

Also um Regensburg rum sind öffentliche Verkehrsmittel immer ein Abenteuer….

Sven

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