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Die Deutsche Schüler-Akademie – empfiehlt sich eine Teilnahme? 1. Mai 2010

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Die Deutsche Schüler-Akademie ist eine Einrichtung, in der hochbegabte Schüler – vielseitig hochbegabte vorzugsweise, die auch gerne mit anderen kommunizieren – in den Schulferien (vorzugsweise – es ist auch eine Freistellung möglich, wenn die Kurszeit nicht oder nicht komplett in eine Ferienzeit fällt, doch das könnte je nach Schule dennoch Probleme geben) bis zu drei Wochen mit anderen hochbegabten Schülern Kurse besuchen.

Diese Kurse sind aus allen bekannten Gebieten von Wissenschaft, Technik und Sozialwesen. Dabei werden die Schüler auch Vorträge halten und Arbeiten ausarbeiten (igitt, was ein Deutsch…).

Teilnehmen können Schüler, die dafür empfohlen werden und deren Bewerbung dann angenommen wird. Jeder Schüler kann nur einmal eine Akademie mitmachen.

Die Schüler müssen dabei, da das Ganze bezuschußt wird, normalerweise nicht die ganzen 1700 € zahlen, die das kostet, sondern nur 550 € – bei Bedürftigkeit auch weniger.

Soll man als Schüler da teilnehmen? Aber klar! Es mögen drei Wochen Sommerferien weg sein, doch so interessante Leute lernt man vielleicht nie wieder kennen.

Doch hier möchte ich erörtern, ob man als „Lehrer“, also als Kursleiter teilnehmen sollte. Auch hier wird man eine interessante Zeit erleben, doch es gelten auch noch andere Gesichtspunkte:

Auch als Kursleiter wird man normalerweise empfohlen, kann sich nicht einfach selbst bewerben. Es gibt dann ein Honorar von 800 bis 1000 € für 2 Wochen Kurs mit 3 Wochenenden und einige Vorbereitungswochenenden. Zur Vorbereitung sind etwa 3 Wochen Vollzeit einzuplanen. Und danach braucht man erstmal Urlaub. Man wird es also sicher nicht des Geldes wegen machen, und das wäre auch nicht gut.

Natürlich sollte man pädagogische Talente, Interesse am Arbeiten mit Kindern und entsprechend breitgefächertes und hochwertiges Wissen mitbringen – die Veranstaltungen sind ja für hochbegabte Kinder, die wollen keinen gefrusteten, abgekämpften Kursleiter, sondern einen, der ihnen noch was vermitteln kann.

Dieses ist aber bei Interessenten für diese Tätigkeit sicher gegeben. Für viele Lehrer ist es ein Traum, einmal (oder auch mehrmals – im Gegensatz zu den Schülern ist dies bei Kursleitern möglich, wenn ihre Kurse gut ankommen!) Kursleiter zu sein.

Man muß allerdings nicht Lehrer sein. Buchautoren und Journalisten sind durchaus ebenso gefragt, da sie ja Wissen vermitteln, Trainer ebenso. Wer sich einen Namen gemacht hat, ist auch immer gefragt, da er sicher aus seinem Gebiet den Kindern viel erzählen kann. Und umgekehrt wird die DSA-Kursleitertätigkeit im gesamten akademischen Umfeld positiv aufgenommen.

Allerdings sollte man sich als Nicht-Lehrer (und nicht mehr im akademischen Umfeld Tätiger) einiger Probleme bewußt sein. So eine Kursleitung macht Spaß und ist sicher ein guter Punkt im Lebenslauf. Doch nur bei Lehrern und Professoren, Uni-Mitarbeitern etc. wird dies seitens des Arbeitgebers aktiv befürwortet und unterstützt. Lehrer werden für eine Kursleitertätigkeit bei Bedarf (Kurs während der Schulzeit) freigestellt und kassieren auf jeden Fall „Fleißpünktchen“ – ihre Vorgesetzten werden ein solches Engangement unzweifelhaft positiv bewerten.

Ein „Normalbürger“, der nicht verbeamteter Lehrer ist (angestellte Lehrer, die sich ihre Stelle jedes Jahr neu erkämpfen müssen, könnten von einer DSA-Kursleitertätigkeit profitieren, aber auch Nachteile erleiden, das ist schwer pauschal zu sagen), wird diese Vorteile dagege nicht haben: Im Lebenslauf mag sich auch hier die Kursleitertätigkeit gut machen – im nächsten Job. Im aktuellen gibt es dagegen Ärger:

  • Wer selbst Kinder im Schulalter hat, wird bei der Familie eher auf wenig Verständnis stoßen, daß er sich in seinem knappen Urlaub komplett anderen Kindern widmet.
  • Wer selbst keine Kinder hat, bekommt mit Sicherheit Ärger, wenn er in der für Familien mit Kindern reservierten Ferienzeit Urlaub will.
  • Wer gar Single ist, hat je nach Firma und Chef gefälligst im November Urlaub zu nehmen und im dann ziemlich verlassenen Fischerdorf dennoch am Katzentisch zu sitzen, wenn er abends einmal schön essen gehen will. Im November läuft aber kein Kurs.
  • Wer Single ist, macht sich zudem eventuell verdächtig, wenn er „was mit Kindern“ machen will in den Tagen von Kirchenskandalen, Odenwaldschule und Kurt Demmler-Prozeß. Blogger, Online-Journalisten etc. können sich da fast drauf verlassen, daß ihnen die Trolle Ärger machen, auch wenn jedem vom Fach klar ist, daß die DSA kein Ort für sowas ist: Alle Schüler sind über 16, die meisten über 18.
  • Der Chef wird sich auch nicht freuen über ein solches Engagement seines Mitarbeiters. Der will nicht, daß der im Urlaub solche Extravaganzen pflegt, denn:
  • Ein normaler Angestellter darf im Urlaub überhaupt nicht arbeiten. Er soll sich erholen. Und eine DSA-Kursleitung ist Arbeit: Man ist von morgens 7 bis abends 23 Uhr durchgehend eingespannt
  • Es gibt Einschränkungen, wie kein Alkohol – ist für Interessierte sicher kein Problem, aber wer da „pennt“, könnte mittendrin rausfliegen…

Bei Journalisten akzeptiert der Chef ja beispielsweise gar nicht, daß jemand drei Wochen komplett weg, also unerreichbar ist. Da muß man auch im Urlaub arbeiten. Wenn man sich dazu nicht täglich wenigstens mal eine Stunde ungestört zurückziehen kann, und das ist nun wirklich nicht drin, darüber muß man sich im Klaren sein, hat man nach der DSA einen Job gehabt.

Auch andere mögen ihre Probleme haben, wenn sie kein Privatleben haben, der Lebenspartnerin/dem Lebenspartner nicht Mails schreiben oder anrufen können.

Und: Dieselben werden auch nicht glücklich sein, außer sie machen den Kurs mit einem zusammen. Denn es ist üblich, daß die DSA-Kurse mit einem Partner des anderen Geschlechts zu zweit gehalten werden. Für die Kinder ist das schön, denn wo sonst sehen sie mal ein gemischtes Pärchen als Lehrer? Aber wer einen eifersüchtigen Partner hat, dürfte Probleme haben, dem zu vermitteln, daß er nun drei Wochen mit einem anderen Partner verbringen wird. Und ja: Es ist den Kursleitern ausdrücklich verboten, ihre Familien während der Akademietage zu sehen, außer am „Besuchstag“. Wie im Kittchen.

Von Vorteil ist das natürlich für jene, die gerne von ihrer Familie wegkommen.

Aufpassen muß, wessen Chef einmal Lehrer war oder werden wollte. Der weiß dann zwar die DSA zu schätzen. Doch gerade, wenn er selbst beispielsweise Lehrer werden wollte, es aber nur zum Redakteur geschafft hat, könnte er auf seinen Mitarbeiter sehr neidisch werden, wenn der eine Kursleitung durchführen soll.

Ich persönlich weiß, ich habe mir massivste Minuspunkte geholt, als ich in meiner Zeit als Redakteur bei Telepolis eine Einladung, DSA-Kursleiter zu werden, nicht sofort ausschlug. Mein Chef war schwer verstimmt, und als der Termin der Akademie näher rückte, hatte ich keinen Job mehr.

Dann hätte ich ja Zeit gehabt für die DSA, sollte man meinen. Doch wenn man freiberuflich – selbstständig – arbeitet, wird das Ganze noch mehr zum Luxus: 800 € für diese Zeit Verdienstausfall sind dann erst recht nicht bezahlbar.

Es ist also wie mit dem Schreiben: Man kann es aus Begeisterung durchaus tun. Aber auf Anerkennung zu hoffen, könnte etwas danebengehen.

In meinem Fall gab es nichts als Ärger mit dem Chef und das Ende der Freundschaft, die eigentlich zu der DSA-Empfehlung geführt hatte. Und das, obwohl ich am Ende gar kein Kursleiter wurde…

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