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Kein Name, keine Adresse, keine E-Mail, kein Telefon? 14. Mai 2010

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Mancher wundert sich vielleicht, wieso dieses Blog kein Impressum hat.

Das ist weder Versehen noch Unkenntnis. Es hat eher damit zu tun, daß ich Ärger vermeiden möchte:

Es ist nicht völlig anonym – Kollegen finden mit etwas Recherche leicht raus, wer das hier sein könnte.

Allerdings wird einem sehr schnell („Neidbranche“) unterstellt, man wolle mit einem Blog doch nur für sich Werbung machen, etwas verkaufen, sein Image aufpolieren, und was alles noch. Nicht unbedingt von Kollegen, aber von Nervensägen.

Mit genau diesen Argumenten hat man mir bereits einmal rechtskräftig ein völlig korrektes Impressum auf einer Website eben genau deshalb per einstweiliger Verfügung untersagt: Das sei unlauterer Wettbewerb – da könnten dann ja meine Freunde, Leser, Verlage oder Versicherungsvertreter mit mir Kontakt aufnehmen, wenn sie nach mir suchen. Am Ende würde mir – huch! – noch jemand einen Auftrag geben! Als ob Verlage sich Journalisten per Google suchen…

Ja, es ist ja so unendlich böse, wenn man eine Website oder ein Blog hat, um nette Leute kennenzulernen.

Nachdem man heute aber ohnehin nicht mehr nette Leute kennenlernt, sondern Stalker, Abmahner und andere Nassauer – plus die bereits erwähnten Versicherungsvertreter -, gibt es hier von vornherein keinerlei Möglichkeit, mich zu kontaktieren.

Dann kann man mir nämlich auch nicht vorwerfen, ich würde mit diesem Blog irgendwelche, gar solch böse egoistische, kommerzielle Zwecke verfolgen, wie daß mich beispielsweise mein Bruder über Google findet, wenn er meine Telefonnummer verlegt hat.

Wer mich kennt, weiß, wie er mich erreicht – wer mich nicht kennt, kann mich leider nicht direkt, unter Ausschluß der Öffentlichkeit, erreichen, denn das wäre „böse, kommerziell und unlauterer Wettbewerb“.

Damit wird das Web zwar zu einer Einbahnstraße, die mir wenig gefällt (ok, man kann noch kommentieren, aber das kann dann jeder lesen, nicht nur ich – ich mag das auch nicht), aber so ist halt die perverse Rechtslage: Ist klar, daß ich mit dem Schreiben hier keinerlei persönliche Vorteile erzielen kann (und auch Amazon-Links zählen nicht hierzu, denn die werden noch nicht mal die Stromkosten für meinen PC wieder einspielen, sondern dienen mir als Besucherzähler), ist auch der zu erwartende Ärger wesentlich geringer. Dann ist das hier mein Privatspleen – und für private Blogs ist auch kein Impressum erforderlich.

So entspricht es auch mehr dem Interesse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der ja der Ansicht ist, Internet sei Rundfunk und müsse deshalb stets für jeden und alle gleich offen sein: Hier sind alle gleich, jeder kann lesen, nur ich kann schreiben. Per E-Mail dagegen sind beide Seiten gleichberechtigt und die Öffentlichkeit kann nicht mitlesen – das ist etwas, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk als „Mißbrauch des Internets für persönliche Zwecke“ bezeichnet. (Wie übrigens auch FTP, VOIP oder jede andere Telekommunikationsanwendung). Die wollen ausschließlich WWW und Streaming sehen..

Und nein, wenn mir jetzt jemand damit argumentiert, daß ein Stefan Niggemeier sehr wohl durch sein Blog berühmt geworden sei und ich hier Potential verschenke, wenn ich anonym bleibe: Ok, in Fachkreisen sind Bildblog und Stefan-Niggemeier.de vielleicht bekannt geworden.

Dafür hat Stefan Niggemeier aber auch ständig juristischen Ärger an der Backe, hat sogar Richter gegen sich, die meinen, nur weil er mal einen Grimme-Preis gewonnen hat, habe er viel Geld und müsse sich jede Sauerei (wie wegen eines Samstag nacht/Sonntag morgen um 4 geschriebenen Kommentars, den er „unverschämterweise“ erst Sonntag früh um 8 löschte, statt die ganze Nacht neben seinem Blog zu wachen!, verklagt zu werden) bieten lassen.

Ich weiß es, ich habe bereits solche Prozesse gegen ihn miterlebt, über die dann aber nicht berichtet werden durfte – es soll ja keiner wissen, was da alles für fiese Dinge abgehen – und wo man dann sogar noch versuchte, mich aus meinem damaligen armseligen Mini-Job zu kicken, obwohl ich nicht berichtet hatte!

Das ist dann im Übrigen das nächste Problem: Auftrag- und Arbeitgeber mögen es gar nicht, wenn ein Mitarbeiter sich – egal, über was, ob über Witze, Briefmarken oder Journalismus – privat öffentlich äußert. Sie wollen zwar Mitarbeiter, die online bekannt sind, aber die dürfen keinesfalls privat bloggen oder auch nur eine Homepage haben. Mein letzter Chef verlangte von mir, daß ich ein fast 8 Jahre gelaufenes Blog abschalten mußte, was viele Leute verärgerte, obwohl ich darin weder über ihn, noch über das Unternehmen, noch überhaupt über meine Arbeit geschrieben hatte. Und auch der Chef davor war schon darüber erbost, daß ich überhaupt neben meiner Verlags-E-Mail noch private E-Mail-Adressen besaß und wollte, daß ich die abschalte, weil ich als Angestellter nunmal komplett dem Verlag gehöre. (Der Verlag wollte dies übrigens nicht und auch ich selbst halte sowas stets getrennt).

Und all diesen Mist bin ich nicht bereit zu tragen. Deshalb ist dies hier ein Hobby, das die Funktion der Blogsoftware WordPress in einem technischen Langzeit-Praxistest überprüft, und mehr nicht. Falls jemand dennoch meint, mich juristisch verfolgen zu müssen, werde ich einen Testbericht über die Arbeit von Profikillern in Auftrag geben. Meine Toleranz in Bezug auf juristisch verbrämtes Stalking ist erschöpft. Ich habe mich in der Vergangenheit immer korrekt verhalten, aber genau das bringt einen in dieser Gesellschaft um.

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Kommentare

1. Notizen gegen den Impressumismus - Macrules - 26. Mai 2010

[…] Nachvollziehbar erklärt in den Notizen aus der Neidbranche. […]

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2. Notizen gegen den Impressumism… - Macrules - 31. Mai 2010

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