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Die Zukunft hat schon begonnen aufgehört: ORF Futurezone ist bald Vergangenheit 21. Juni 2010

Posted by DL2MCD in Wie bitte?.
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In Deutschland sind die Webseiten der öffentlich-rechtlichen Sender nicht gerade das, wo sich Netiziens drauf stürzen. Die Gründe sind hinlänglich bekannt: Die öffentlich-rechtlichen Sender sehen das Internet und seine Nutzer zunächst einmal als zu bekämpfenden Gegner, der ihnen ihre Zuschauer abspenstig macht und in dem selbst Privatleute nun direkt miteinander chatten und Mails austauschen wollen, statt wie früher für Grüße an die Verwandtschaft gefälligst beim Radio-Wunschkonzert anzurufen.

Die Netiziens hassen wiederum die öffentlich-rechtlichen Sender, die nun für den Internet-Zugang Rundfunkgebühren kassieren. Und die Verlage sehen die öffentlich-rechtlichen Sender als Konkurrenz, die dank Gebührenfinanzierung unfairerweise ohne Finanzierungsproblem da stehen.

In Österreich war dies nicht so, orf.at ist dort die beliebteste Nachtrichtenwebsite, an die die Zeitungswebseiten nicht rankommen und die auch bei deutschen Netiziens akzeptiert war. Doch nun ereilt auch den ORF das Schicksal der deutschen gebührenfinanzierten Sender:

Der österreichische Nationalrat hatte vergangenen Donnerstag das neue Mediengesetz beschlossen. Das von SPÖ, ÖVP und FPÖ abgesegnete ORF-Gesetz sichert dem staatlichen Rundfunk über die nächsten Jahre zusätzlich zu den Rundfunkgebühren und Werbeeinnahmen satte 160 Mio. Euro an Steuergeldern. Dafür mußte der ORF einige Zugeständnisse machen. Vor allem im Online-Bereich müssen Einschränkungen hingenommen werden. So muss der Sender mit 1. Oktober u.a. die „Futurezone“ einstellen.

so schreibt „presstext.at“ und preist sich selbst als Nachfolger des öffentlich-rechtlichen Angebots an:

Einladung an Futurezone-Leser

Wir laden alle Futurezone-Leser ein, das qualitativ hochwertige und frei zugängliche Nachrichtenangebot von pressetext, das zur Gänze privat und nicht über Gebühren oder Mitteln aus der Presseförderung finanziert wird, zu nutzen, um sich auch in Zukunft rasch und aktuell über IT-relevante Ereignisse zu informieren. Pressetext deckt in seiner redaktionellen Ausrichtung alle wichtigen IT- und Web-Themen ab und liefert seinen Lesern in Echtzeit relevante Informationen und Hintergrundberichte.

Ich finde es schon bescheuert genug, ein anerkanntes und eingeführtes Angebot zu schließen. Und wieso benötigt der ORF neben Gebühren jetzt auch noch Steuergelder?

Aber Pressetext Austria als Ersatz?!?! Das ist ja, als ob morgen das Feinschmeckerrestaurant „Tantris“ in München zumacht und der McDonalds drei Straßen weiter verkündet, er würde gerne die bisherigen Tantris-Gäste „versorgen“, und dabei schneller und preiswerter sein…

Ernsthaft: Pressetext.at hat sich zwar von der Abschreibe-Agentur, die es noch vor 10 Jahren war, deutlich weiterentwickelt. Damals kopierte man dort meinen allerersten Online-Artikel bei Heise nach nur wenigen Stunden 1:1 (nein, nicht ganz: Meinen Namen löschte der Pressetext-Redakteur penibel aus dem geklauten Text!) und verschickte ihn als „Pressemeldung“ an die Kollegen, sodaß meine Leser mich beschimpften, diese Exklusivstory sei gar keine, sondern umgekehrt von Pressetext.at geklaut.

Heise erklärte mir wiederum, dagegen gehe man nicht vor – wohl aber, wenn ich einen Pressetext übernehmen würde.

Eigentlich ist es aber andersrum gedacht: Nachrichtenagenturen liefern Texte für Journalisten. Aber nicht für „Endverbraucher“. dpa würde nie eine Nachrichtensite aufmachen, die mit ARD und ZDF oder Spiegel online in Konkurrenz treten soll. dpa beliefert vielmehr diese.

Insofern ist mir ein Rätsel, wo pressetext.at nun eigentlich hin will, wenn es nun erneut mit Journalisten beim Leser konkurrieren will.

Kommentare»

1. Linksammlung: ORF-Novelle, Futurezone – und wie geht es weiter? » Futurezone, Standard, ORF-Gesetz, Retten, Zukunft, Online » wienerpost - 22. Juni 2010

[…] aus der Neidbranche (21.6.2010): Die Zukunft hat schon begonnen aufgehört: ORF Futurezone ist bald Vergangenheit. (Screenshot by Sonja Bettel) Share this var a2a_config = a2a_config || {}; a2a_localize = { […]

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2. Bayrischer Rundfunk Online-Auftritte – 3-Stufen-Test – Angebote mit längeren Archivzeiten genehmigt « Notizen aus der Neidbranche - 19. Juli 2010

[…] Rundfunksender im WWW sind leider ein problematisches Thema – inzwischen hat es ja auch den ORF erwischt, der lange besser dastand als die ARD, weil er nie so unverschämt war wie die Sender der letzteren […]

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