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Die vielgehaßte Sperrfrist 11. November 2010

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Sperrfristen sind komischerweise etwas, über das die meisten Kollegen moppern. Ich kann es nicht nachvollziehen: Es ist doch eine verdammte Wohltat, mal einen Artikel in Ruhe schreiben zu können, ohne die Hektik, wer mit der halbgaren News zuerst am Netz ist!

Ich unterschreibe Sperrfristen sehr gerne, wenn sie fair und sinnvoll sind. Denn dann kann ich in Ruhe zu dem betreffenden Thema recherchieren und Fragen stellen. Und bin mit Print nicht „hintendran“ oder habe mit Online das Nachsehen, weil ein Kollege vor Ort war und ich mir eine Fahrt von München nach Berlin auf eigene Kasse nicht leisten konnte.

Ich habe sogar schon von mir aus Sperrfristen vorgeschlagen, wenn man mir über ein Thema noch nichts sagen wollte. Eben, um die Information vorab zu bekommen. Der Artikel erschien selbstverständlich erst nach der Pressekonferenz, doch ich war gleichauf mit den Kollegen, die nach Hangover gefahren waren, was mir mein Arbeitgeber nie gezahlt hätte, obwohl er dort residierte.

Eine Sperrfirst ist eine freiwillige Vereinbarung darüber, über ein Thema nicht vor einem festgelegten Zeitpunkt zu berichten. Wer es dennoch tut, bekommt solche Informationen nicht mehr vorab und mitunter auch noch eine Vertragsstrafe. Was natürlich problematisch sein kann, wenn der Autor des Textes gar nichts dafür kann, daß irgendein Dödel in der Redaktion ihn zu früh veröffentlicht, aber die Strafe zahlen muß – denn er persönlich, privat, hat ja die Vereinbarung unterschrieben, der Redakteur dagegen nicht. Der kann den Autor sogar mit voller Absicht reinreiten, und ist juristisch nicht belangbar, da er nichts unterschrieben hat. Man kann also nur mit Sperrfristen arbeiten, wenn man selbst der Chef ist oder den Leuten, mit denen man zusammenarbeitet, vertrauen kann.

Spannend war dies letztes Jahr z.B. mit dem Film „The Boat that rocked“ („Radio Rock Revolution“ auf deutsch), den ich bereits zu einem Zeitpunkt in Deutschland sehen konnte (wenn auch in englisch – aber ich muß zugeben, ich habe ihn nun 4x gesehen und nie in deutsch!), an dem er noch nicht einmal in England Premiere hatte. Und so zum offiziellen Zeitpunkt bereits den Film fundiert besprechen konnte, als andere noch auf ihe Premierenkarte warteten.

Unglaubwürdig wird eine Sperrfrist aleldings, wenn sie für eine totale Null-Nachricht verhängt wird („Agentur Popelmaier glaubt an Social Media als Marketing-Tool“), die so irgendwie interessanter aussehen soll. Oder natürlich, wenn sich dann die entscheidenden Medien wie Spiegel online nicht daran halten. Wobei ich gerade bei Büchern auch schon so extreme Vorlauffristen erlebt habe von 2 Monaten und mehr, daß ich beinah die Sperrfrist mißachtet hätte, weil ich nur von 3 Wochen ausgegangen war. Oder als Spreeblick seine Verlagsgründung mit Sperrfrist evrschickte – doch an alle und jeden, auch an pseudonyme Blogger, die sich dann nicht an die Sperrfrist gebunden fühlten, weil sie ja gar keine Presse sein wollten.

Aber generell möchte ich an dieser Stelle mal ein Plädoyer für Sperrfristen aussprechen. Sie können, wenn alle mitspielen, einem die sonst fehlende Zeit für Recherche und damit Qualität geben.

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