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Juristin mit Weitsicht… 23. November 2010

Posted by DL2MCD in Mal was Positives.
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Ich bin normal kein Freund von Juristen – natürlich gibt es Ausnahmen. Mein Bruder ist beispielsweise Rechtsanwalt, eine Freundin war Rechtsanwältin (allerdings zugegeben eher ein Grund, an dieser Branche zu zweifeln), und ich bin auch heute noch mit dem einen oder anderen Anwalt befreundet.

Mit Firmenjuristen komme ich dagegen nur selten klar – ob mir nun plötzlich der Hausanwalt des eigenen Verlags „Liebesbriefe“ schickt oder der eines selbsternannten Gegners.

Doch es gab eine Zeit, da zeigte die Juristin meines Arbeitgebers mehr praktische Intelligenz als 99% der heutigen Anwälte:

Damals hatte nur ich ein Modem, um ins Internet zu kommen – der Rest der Mitarbeiter, von der IT abgesehen, war nur an ein hausinternes Mailsystem angeschlossen.

Daher kam die Juristin plötzlich zu mir, um ein delikates Problem zu begutachten, das von höchster Ebene, von der Geschäftsführung, an sie weitergereicht worden war.

Ein Kunde des Unternehmens hatte es längere Zeit versäumt, seine Rechnungen zu bezahlen. Es gibt neben dem Rechtsweg auch viele Tricks, säumige Kunden zum Zahlen zu bewegen oder deren Aufenthaltsort herauszufinden. In diesem Unternehmen verschickte man beispielsweise Schreiben mit der Anschrift „An den Hausmeister des Anwesens [Kundenadresse]“ , in dem man dann den Hausmeister fragte, ob dieser Kunde denn noch dort wohne.

Eigentlich keine blöde Idee. Allerdings hatte man bei diesem Kunden nur eine Postfachadresse. Die Post, die ohne Zweifel der Hausmeister des Postfachs gewesen wäre, fühlte sich nicht angesprochen und warf diesen Brief ihrem Kunden kurzerhand mit ins Postfach.

Dieser hatte nun nichts Besseres zu tun, als sich über die „Deppen“ der Firma XY zu amüsieren, die den Hausmeister seines Postfachs anschreiben. Er scannte den Brief und stellte ihn online. Darüber plazierte er das Firmenlogo des Unternehmens und ein darauf urinierendes Männchen. Klar, damit bekommt man jeden Geschäftsführer auf 180. 🙂

Die Juristin wurde also gefragt, was sie denn in dieser Sache nun zu tun gedenke.

Ihre alle verblüffende Antwort:

Nichts!

Denn: Eine Reaktion hätte die ganze blamable Aktion nur unnötig publik gemacht.

So dagegen störte die Mecker-Website niemand wirklich, und man hörte nie wieder davon…

Heute handeln Juristen dagegen wesentlich dümmer….

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Kommentare

1. tageswahn - 23. November 2010

Manchmal ist ein „kühler Kopf“ doch die beste Waffe. 🙂

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2. Domainbetrug gescheitert: nerdcore.de ist wieder bei René Walter! « Notizen aus der Neidbranche - 23. Januar 2011

[…] Das Internet ist tatsächlich kein rechtsfreier Raum, Euroweb! Das ist nicht (mehr) Wildwest, wo man sich einfach alles nehmen kann, wie einem beliebt. Und manchmal wäre es einfach besser, sich an Herrn Nuhr zu erinnern. Oder an Juristen mit Weitsicht. […]

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