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Telepolis ist nicht links. 8. Dezember 2010

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Es gibt so einige Mythen im deutschen Journalismus. Beispielsweise, daß das Online-Magazin Telepolis „links“ sei.

Die Taz ist sicher links und die Junge Freiheit rechts.

Mit Telepolis verhält es sich jedoch anders:

Zwar schreiben dort wirklich viele eher links orientierte Autoren – aber auch des Öfteren rechts orientierte. Israel- und USA-Ablehnung deutet ebensowenig auf das eine oder das andere „Lager“ hin. Lediglich neutrale oder zu ökologische Ansichten sind unerwünscht – einer Einladung der Grünen (die Partei, nicht die Behörde) zu folgen, darf sich ein Telepolis-Redakteur beispielsweise nicht erlauben.

Der Chefredakteur Florian Rötzer gilt für viele als Alt-68er, ob vom Aussehen oder seinem Umfeld her – hat die 3 P’s (Psychologie, Philosophie und Pädagogik) studiert und dann nicht mal in diesen Bereichen was zustandegebracht, sondern bekommt sein Gnadenbrot nun mit Telepolis.

Zugegeben ein interessantes Projekt. Mit vielen guten Autoren.

Der Chef ist jedoch wirklich in der Vergangenheit geblieben. Sein Idol ist der „Una-Bomber“ Theodore Kaczynski, der Wissenschaftlern Briefbomben schickte. Jetzt weint Rötzer, daß sich keiner mehr für seinen Liebling interessiert, wo der doch damals, Anno Dunnemal, sich erst im Wald verkrochen und dann so ein dolles Manifest geschrieben hat. Das aber erst veröffentlicht wurde, weil Kaczynski sonst mit weiteren Toten drohte. Da können wir ja froh sein, daß Rötzer nicht erst Bomben werfen muß, sondern auch so publizieren darf. Obwohl er ja keinen einzigen Satz unfallfrei hinbekommt:

Genannt der Unabomber (UNiversity and Airline BOMbing) hatte der konsequente Kulturkritiker sich in ein winzige Hütte im Wald und in ein primitives Leben in der Natur zurückgezogen und ab 1978 18 Jahre lang vor allem Wissenschaftler und Techniker an den Universitäten und hohen Mitarbeiter von Fluggesellschaften zu bedrohen und in Angst und Schrecken zu versetzen

(nein, der Satz ist da noch nicht zuende, kriegt aber die Kurve trotzdem nicht mehr).

Da dürfte selbst Kaczynski fehlerfreier schreiben – Rötzer hat sich mit seinem chronischen Geschludere ja längst das wenig chamante Adjektiv hingerötzert für seinen „Schreibstil“ eingefangen.

Bezeichnend ist allerdings, daß eben jener Theodore Kaczynski in seinem von Rötzer gelobten Manifest fortwährend über die Lefties schimpft, die amerikanischen Linken.

Die sind zugegeben auch kritikabel. Dennoch: Theodore Kaczynski ist damit ganz klar anti-links. Und damit auch Florian Rötzer.

Wer etwas anderes glaubt, hat sich von seiner Dampfplauderei (und Schlechtschreibung) verwirren lassen.

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