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Bahnsinn, oder warum Dieselloks bei Stromausfall nicht mehr fahren können 17. Dezember 2010

Posted by DL2MCD in Pleiten, Pech und Pannen.
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Ich bin ja normalerweise Bahnfan. Heute allerdings bin ich groggy wie nach einer schlechten Weihnachtsfeier: Kopfweh, müde, durchgefroren.

Der Grund: Meine Heimfahrt gestern brauchte mit der Bahn von 17 Uhr bis 22.30. Wenn man morgens um 4.30 wieder raus muß, kann das nicht mehr gutgehen.

Der Grund für das Ganze war eigentlich ein Stromausfall. Tatsächlich aber völlige Desinformation. Bezeichnend schon, wie das Problem begann:

Zuerst einmal kam die S-Bahn verfrüht. (also sprich: die vorherige fast 10 Minuten verspätet). Mit einem Spurt schaffte ich es noch hinein, weil mir aufgefallen war, daß alle vor mir das Rennen begonnen hatten.

Damit war ich dann auch mal wirklich um 17.30 am Hauptbahnhof, nicht erst wie oft in diesen Tagen um 17.35, womit man dann den Zug gerade nicht mehr bekommt. Einmal pünktlich zu Hause? Das wäre schön, bei der Kälte ist man abends ohnehin nur noch alle und will einfach heim.

Doch war zwar ich pünktlich am Zug – nur der Zug leider nicht: Ein ratloser Zugführer mit DB-Rucksack (von der Bahn) und Android-Smartphone (von ihm selbst) versuchte auf bahn.de herauszufinden, wo denn der Zug wohl sei, den er fahren solle. Telefonisch kam er erstmal auch nicht weiter.

Schließlich erfuhr er, der Zug habe 50 Minuten Verspätung und empfahl uns, doch besser den Zug um 17.51 zu nehmen.

Leider erwies sich auch dieser als rein virtuell: Er hatte ebenfalls Verspätung.

Was pünktlich erschien, war der Zug um 18.19, wie ich bemerkte. Besser gut und warm im Zug gesessen als noch länger im Zug (und doch im Freien, nämlich im Schneesturm bei -10°C) gestanden, dachte ich mir. Ich hatte keine Lust, noch länger am kaltenBahnsteig zu stehen.

Kurz darauf entdeckten auch die anderen Fahrgäste der beiden nicht erschienenen Züge den 18.19-Zug. Nun wurde es pappvoll, den Effekt kennt man.

So hatten wir es nun eine Stunde. Leider gab es dabei ein kleines, auf den ersten Blick eher unbedeutendes Problem: Der Zug fuhr gar nicht, stand immer noch im Hauptbahnhof!

Warum? Weil der Strom auf der Strecke ausgefallen war. Sollte zwar einer Diesellok egal sein, doch war ein ICE liegengeblieben. Das allerdings erfuhr man erst heute früh aus der Zeitung.

Man schickte uns also zurück in die S-Bahn. Beziehungsweise Richtung S-Bahn. In die S-Bahn ging gar nicht, weil der ganze S-Bahnhof am Hauptbahnhof überfüllt war und Sicherheitsbeamte versuchten, die Massen davon abzuhalten, einfach die Gleise hinab zu purzeln.

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Denn es kamen erstmal nur Kurzzüge und wer brav lt. Ansage weiter vor gegangen war am Gleis, bekam leider kein Stück vom Zug ab. Es half einem auch niemand in den Zug.

Irgendwann landete ich in einer S4 nach Geltendorf. Wäre also schon mal meine Richtung gewesen. Nur hätte der nächste Zug in Geltendorf nicht gehalten und das Örtchen hat keinen Warteraum. Außerdem sagte man uns, wir sollten in Pasing wieder aussteigen zum Regionalzug.

Mein Fehler: Ich glaubte der Ansage.

Denn natürlich hätte der Regionalzug ab Pasing bestens fahren können. Allein: er tat es nicht. Er tat, was er schon zuvor getan hatte: er ließ sich nicht blicken.

Irgendwann erschien mal ein Regionalzug nach Garmisch über Weilheim zur sofortigen Abfahrt. Der war ebenso sofort überfüllt.

Leider ist die Definition von „sofortiger Abfahrt“ bei der Bahn sehr flexibel. Soll heißen „sofort, wenn das Signal grün wird“. Jedenfalls blieb der Zug nach Garmisch im Pasinger Bahnhof stehen. Und damit fuhr auch sonst nichts mehr aus München hinaus. Nur nach München hinein fuhren die Regionalzüge bald wieder.

Schließlich schickte man uns zurück zur S-Bahn nach Geltendorf. Leider 2 Minuten NACH deren Abfahrt. Danach kam keine S4 mehr.

Die letzte Möglichkeit war es, über Augsburg zu fahren. Doch auch dort sah es aus wie im Loveparade-Tunnel Keine Chance, in den Zug zu kommen.

Erst nach 20 Uhr kamen wir schließlich in den ICE nach Wiesbaden.

Der allerdings brauchte von Pasing nach Augsburg statt der üblichen halben Stunde fast eine.

Die Schaffner waren so nett, den Anschlußzug um 10 vor 9 in Augsburg zu informieren, daß er warten solle.

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Der tat das auch, doch etwas zu gründlich: Er wartete eine geschlagene Dreiviertelstunde, bis er sich im Bahnhof blicken ließ. Achja: Ein Kupplungsschaden war es diesmal.

Der eine Stunde später fällige Zug wäre dagegen pünktlich gewesen. Der war schon um 21.10 da. Doch der fuhr eben erst 10 vor 10. Ordnung muß sein!

Um 22.30 war ich schließlich zuhause, mein Anschlußauto war allerdings längst abgefahren stand mittlerweile unter dicken Schneemassen versteckt am Parkplatz und war mindestens so durchgefroren wie ich.

Eigentlich kannte ich solche Katastrophen bisher nur von der Auto-Bahn. Daß etwas kaputt geht, kann vorkommen, klar. Aber daß nie irgendwer Bescheid weiß, selbst die Zugführer ratlos am Bahnsteig stehen und ihren Zug suchen, das kann ja wohl nicht sein! Und daß kein einziger Regionalzug erscheint, obwohl die Strecke frei ist, ja wohl auch nicht!!!

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Kommentare

1. Die WC-Probefahrt: „Unsere Konkurrenz ALEX hat Totalausfall!“ « Notizen aus der Neidbranche - 20. Dezember 2010

[…] Wenn es davon halt nur einen Zug gibt, kann man leicht von Totalausfall reden. Doch immerhin ist beim Alex (den ich normal gerne fahre) bislang nur ein Zug ausgefallen. Bei der DB dagegen nur zwei Tage vorher gleich zwei, bevor dann alles zusammenbrach. […]

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