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Rundy.de: Leser mit Minutentakt-Verbindung online zwingen ist notwendig zur Finanzierung. 22. Februar 2011

Posted by DL2MCD in Nervensägen.
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Rundy.de ist ein einstmals relativ bekannter Mediendienst, so wie Kress.de. Ich habe ihn seit Jahren nicht mehr angesehen, er gilt als rechts orientiert, aber das war nicht der Grund, warum ich die Seite nach 1998 nie mehr angeschaut hat. Es war vielmehr meine überhöhte Telefonrechnung, die den Dienst finanzieren sollte!

Wir hatten damals das Übliche: Online im Minutentakt. Gegen datenabhängige Tarife und Flatrate hat sich die Telekom ja vor der DSL-Einführung nach Leibeskräften gewehrt. Damit ging man vor 18 Uhr tunlichst gar nicht online – und öffnete nachher auch zunächst einmal alle möglichen Programme gleichzeitig – E-Mail-Client, Newsreader, Compuserve-Foren-Offline-Reader, Browser, … – um möglichst zügig alle Daten zu senden und zu empfangen und so zackig wie möglich wieder offline zu gehen – „fasse Dich kurz“.

Dazu hatten wir schließlich sogar einen sekundengenauen ISDN-Tarif (nicht von der Telekom) und einen Router, der nach 10 Sekunden ohne Datenbedarf sofort offline ging. Bei ISDN war die Verbindung ja nach einer Sekunde wieder hergestellt. Das half auch gegen die Unsitte meiner Parterin, mehr und mehr in Webforen zu lesen und schreiben statt in mit Offline-Readern handhabbaren Medien, was uns bereits zwei Telefonrechnungen über je 400 DM für Ortsverbindungen eingebracht hatte und sie fürchten ließ, ich würde sie zurück schicken in das Land der Flatrates, aus dem sie gekommen war.

Wenn man eine neue Seite anklickte, ging der Router online, nach 10 Sekunden ging er wieder offline, und man konnte entspannt lesen, ohne dauernden tickenden Gebührenzähler im Hintergrund.

Doch die Werbetreibenden fanden leider einen HTML-Befehl, mit dem man dies sabotieren und den Router dazu zwingen konnte, dauerhaft online zu bleiben. Dieser heißt „Meta refresh“. Denn statische Werbebanner nerven nicht genug, auch wenn sie animiert sind, man muß sie auch noch alle 10 Sekunden zyklisch austauschen. Das spiegelt den Werbekunden laufend neue Aufrufe vor, steigert so fast betrügerisch die Einnahmen – und führt beim Leser unerwartet zu einer schweineteuren Dauer-Online-Verbindung.

Dummerweise bemerkte ich das Malheur erst nach einigen Stunden, weil der Monitor abgeschaltet war, etwas im Haus zu tun war, doch der Rechner und Router liefen und luden brav eins nach dem anderen der verdammten Scheißbanner. Es war eine erkleckliche Summe Gebühren aufgelaufen, teils leider sogar in der Geschäftszeit. Die ja der Grund war, warum ich den Monitor abgeschaltet hatte – Internet gab es normal erst nach 18 Uhr. Solange können Werbebanner aber natürlich nicht warten, Rundy-Werbung wirkt erst mit einer Premium-Primetime-Super-Teuer-Verbindung so richtig gut, besonders bei abgeschaltetem Monitor…

So richtig heftig wurde es jedoch, als ich mich über diese leserunfreundliche Programmierung bei Rundy.de beschwerte. Da wurde man voll pampig und schimpfte, d aß das halt der Preis sei, wenn man etwas nicht zahlen müsse zum Lesen.

Also ehrlich, wenn ich die Wahl habe, für eine einzige Seite Text mal eben 40 DM ablatzen zu müssen, weil sie für ein paar Werbepennies meinen Router sabotiert, oder eine Zeitschrift für 3 DM zu kaufen, da habe ich’s deutlich lieber nicht „kostenlos“.

Einige Wochen später gab es denselben GAU noch einmal über mehrere Tage, weil meine Partnerin, um Gebühren zu sparen, nun extra ICQ für kurze Mitteilungen installiert hatte. Doch die Entwickler von ICQ sitzen in Israel, hatten offensichtlich noch nie was vom deutschen Minutentakt gehört, und fanden es sehr wichtig, daß stets angezeigt wird, ob jemand online ist – und zwangen daher den offline gehenden Router per „Ping“ umgehend sofort wieder online.

Diesmal kamen nicht nur gleich einige 100 DM zusammen, sondern auch eine als Päckchen gelieferte Telefonrechnung, in der eine 10-Sekunden-Online-Verbindung nach der anderen aufgelistet war mit jeweils zwei Sekunden Offline-Zeit dazwischen.

Und wer denkt, das Problem bestünde heute nicht mehr: Mobilfunk-Verbindungen haben immer noch Zeittakt oder Datenabrechnung. Solche nutzlosen Werbebanner oder Ping-Pakete können da nach wie vor erhebliche Kostenexplosionen auslösen. Nachrichtenseiten nutzen solche Refresh-Befehle gerne, um aktuell zu bleiben – und den Werbetreibenden viele Hits vorzugaukeln. Das hat sich leider nicht geändert.

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