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VG Wort Jahresversammlung: Altherren-Abend (mit Damen) 23. Mai 2011

Posted by DL2MCD in Nervensägen.
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Dieses Wochenende war Jahreshauptversammlung des BJV. Diesmal bin ich nicht hin, denn ich hatte letzte Woche zwei Messetermine bis abends, war am Wochenende zuvor auf den (wie immer wunderbaren, aber leider wieder mal schrecklich nassen und kalten) Naturfototagen Fürstenfeld gewesen, war komplett alle und hatte außerdem seit Mittwoch abend heftige Halsschmerzen – offensichtlich war mir so viel Natur auf einmal nicht bekommen. Und wußte, ich habe eine weitere solche Woche vor mir: Montag LASER 2011, Mittwoch Abendtermin in Raisting, Freitag Umzug im Büro…

Dementsprechend war ich nicht besonders angetan, Freitag, den einzigen Tag in der Woche, an dem ich vor 19 Uhr heimkomme, auch noch aushäusig zu sein. Wollte lieber meinen dicken Hals auskurieren. Doch die VG Wort hatte auch Jahreshauptversammlung – und Wahl. Wichtig, wichtig, schließlich hat unsereins ja zumindest von dieser Organisation nur Gutes zu befürchten, nämlich Geld. So etwas passiert einem Schreiber nur sehr, sehr selten.

Aber ein netter Kollege bat darum, doch bitte den Feierabend (und die Stunden davor) zu opfern und zu erscheinen, denn man müsse auch für einige Kollegen abstimmen, die selbst verhindert seien und nun schon Vollmachten erteilt hätten. Da die namentlich ausgestellt sind, muß dann der Bevollmächtigte auch erscheinen, denn nochmal weiterbevollmachten geht nicht. Er selbst konnte dies nicht tun, denn er war VG-Wort-Mitglied, und die zahlen dafür eine Mitgliedsgebühr, haben aber (bei Wahlen) nichts mehr zu melden.

Ein anderer netter Kollege verkündete prompt

Jetzt bin ich mal gespannt: Zum ersten Mal auf einer VGwort -Veranstaltung.
Dank für die lebensrettenden alljährlichen Schecks 😉
Ich bin ja so aufgeregt…

Und ja, aufregen konnte man sich wirklich. Auch, wenn es alle sicher nur ganz lieb und nett gemeint haben.

Als ich ankam, herrschte totales Chaos. Offensichtlich hatte der Hilferuf des Kollegen ungeahnte Folgen gehabt – der Veranstaltungsort, den ich gerade noch trocken erreicht hatte, platzte aus allen Nähten, und keiner kannte sich aus.

Ein netter Herr nahm sich meiner an und fragte mich, welcher Berufsgruppe ich denn angehöre. Hm, Schreiber…nein, das ist keine Berufsgruppe. Fachjournalist, das ist III. „Da haben Sie Glück, da ist keine Schlange“.

Ich tauschte meinen Namen also gegen eine orange Karte und wanderte in einen weiteren überfüllten Raum. Dort war am Tisch III natürlich kein Platz mehr frei.

Der Kollege, der mich hinbestellt hatte, drückte mir die Vollmacht einer Kollegin in die Hand.

Leider war der ganze Aufwand umsonst gewesen: Die Kollegin war nämlich in Berufsgruppe II, ich konnte sie gar nicht vertreten. Und damit, daß mein Name ja bereits auf ihrer Vollmacht stand, war diese nun ungültig geworden.

Natürlich hatte mir das niemand gesagt, der Kollege, der mich hinbestellt hatte, fragte mich gar nicht erst, sondern ging davon aus, alle Journalisten seien in Berufsgruppe II, was aber eben keineswegs so ist: Sachautoren sind in II, Fachautoren in III. Was der Unterschied ist? Ich nehme mal an, die in III haben mehr Ahnung…ich hätte mich sicher auch in II eintragen lassen können (und dann noch eine halbe Stunde Schlange stehen).

Also noch nicht richtig da, und schon alles verpatzt. Hätte ich wissen müssen, „ich schreibe immer meine Berufsgruppe unter meine E-Mails, wie kann man die nicht wissen?“, so der Kollege. Na ich wußte sie halt erst seit 10 Minuten.

Nun gut, dann zumindest noch selber wählen und vorher informiert werden. Wollte ja immer schon so eine VG-Wort-Veranstaltung gesehen haben. Und es sollte ja neue Informationen zu METIS geben.

(Zum Ausgleich hatte eine Kollegin von Verdi, die selbst in II war, eine Vollmacht einer IIIerin bekommen und damit diese ebenfalls wertlos gemacht…)

Zunächst wurde vorgetragen, was an Ausgleich zwischen Pressespiegel und Presserepro so in der Vergangenheit gelaufen war, und was in der Zukunft laufen würde, nämlich: Nichts mehr! Betraf mich nicht, wurde desto ausführlicher durchgekaut.

Dann, daß die Aussichten für 2010 und 2011 gut seien. Das hört man gerne – und selten. Eigentlich sind die Aussichten für Schreiber ja durchwegs durchwachsen miserabel.

Achja, im Google-Vergleich in USA hatte sich nichts ergeben, da dieser vom Gericht abgelehnt worden war und die VG Wort ihn daher nicht mehr selbst ablehnen mußte/konnte.

Dann kam METIS dran, und weil es nun interessant wurde, versprach der Vortragende prompt, sich hier nun ganz kurz zu fassen, als Ausgleich für die ausführliche Erörterung der nicht so interessanten Dinge zuvor. 😦

Und die Schecks der VG Wort sind auch Geschichte.

Achja, METIS: Schön, daß man nun endlich nicht mehr 650 Beiträge in zwei Wochen Urlaub einzeln melden muß bei der Sonderausschüttung. Nicht schön für mich, daß ich die auch nicht mehr melden
kann, weil der Verlag inzwischen verpixelt, aber nur NEUE Texte 😦

Die Mindestzugriffszahl von 1500 Lesern aus Deutschland bleibt dagegen bestehen. Die erreiche ich sowieso nirgends mehr…dafür gibt es mehr bei 3000 und 10.000 Zugriffen. 10.000? Das ist doch etwas exklusiv für Spiegel online und Heise, das erreicht sonst keiner.

In einem der Bücher über Hochbegabte, über Leute mit hohem IQ, steht Schreiber seien eine typische Gruppe von Hochbegabten. Nun, da war wohl der Wunsch des Buchautors Vater des Gedanken. Auf der VG-Wort-Veranstaltung waren jedenfalls etliche Kollegen, die einen eventuellen hohen IQ trefflichst zu verstecken wußten. Und wer auch immer diesen Satz erfunden hat, „es gibt keine blöden Fragen“, der gehört wirklich geohrfeigt.

Ok, natürlich ist es eine Berufsaufgabe von Journalisten, Fragen zu stellen. Aber doch bitte nicht solche, die gerade eine Viertelstunde vorher ausführlich beantwortet wurden, und das auch noch in großer Runde!

Denn nun hatte ein alter Herr seinen großen Auftritt, der unbedingt was über „dieses amerikanische Zeug wissen wollte“. Nach längerem Herumgestoppel dann „Ja, Google, genau, das war das Fremdwort!“. Hatten wir ja gerade erst 15 Minuten vorher durchgehechelt, aber gut, Alter und Gedächtnis…

Dann die Dame mit mindestens fünf Fragen und dem unschlagbaren Argument „Weil wir alle so im großen Kreis zusammensitzen“ (und üüüberhaupt nicht heim wollen…).

Nunja, vielleicht wäre mancher gerne mit ihr im kleinen Kreis zusammengesessen, im großen Kreis jedoch niemand.

Nun wollte eine Dame ihre Rechte zurück, die sie der VG Wort für den Google-Vergleich gegeben hatte, der nicht stattgefunden hatte. Aber sie hatte ja nun keine Rechte mehr, die hatte ja nun die VG Wort. Die hatte sie aber auch nicht mehr, weil ja der Vergleich hinfällig geworden war und diese Rechte nur genau für diesen einen vergleich gültig waren…

Gib mir mein Recht zurück
Du brauchst meine Liebe nicht
Gib mir mein Recht zurück
Bevor es auseinanderbricht
Herbert Grölemeyer

Hoffentlich kommt die Dame, deren Vollmacht ich versenkt hatte, nicht auch auf so eine Idee…

Ein Pudel schmeißt ständig seinen Ball ins Publikum und wartet darauf, daß jemand ihn zurückwirft. Meist hat aber keiner Lust, die Leute sind müüüde. Und der rumhoppelnde Pudel irritiert. Schließlich wirft er den Ball unter den Tisch. Ist empört, daß niemand unter dem Tisch sitzt und ihn zurückwirft. Bellt. Alles lacht, die Herren vorne denken, dies sei eine Unmutsäußerung wegen der vielen Fragen. Schließlich krabbelt der Pudel selbst unter den Tisch und holt sein Recht äääh, seinen Ball zurück.

Bei der nächsten Wortmeldung („Wie komme ich an meine Vergütung?“ – „Beiträge melden!“) wurde so lange immer wieder dasselbe gefragt, bis der halbe Saal entnervt „MEEELDEN !!!!“ rief und die Fragestellerin nun doch lieber abtrat, bevor noch jemand eine leere Getränkeflasche wirft. Sicher wußte sie nicht, wie man meldet, aber nun, das muß man ja nicht gerade auf der Jahreshauptversammlung erfragen…aber immerhin, es ging mal nicht um dieses amerikanische Zeuch, den Google-Vergleich, der nicht stattgefunden hatte…

Irgendwann waren alle Unwissen den gnädig und stellten keine Fragen mehr. So konnten wir nun doch endlich wählen…

…und wenn ich dachte, es sei bislang chaotisch gewesen, so wurde es jetzt so richtig wild:

Die Kandidaten stellten sich vor, doch bei dem Lärm im Raum von den kleineren Berufsgruppen IV bis VI und einigen Leuten, die anscheinend Mitglieder waren und nicht wählen durften, sehr wohl aber um uns herum laut reden, verstand ich meist gar nichts, weder Namen noch Tätigkeit. Mein Kollege hatte mir zwar 2 h vorher gesagt, welche der Kandidaten aus Gruppe III vom BJV waren, doch das wußte ich nicht mehr und es sagte auch niemand (oder ich konnte es zumindest nicht hören). Zudem hatten fast alle Kandidaten nichts mit mir gemein, Pädagogik, gar Juristerei – igitt! Ich gab schließlich nur eine meiner 5 (oder 6, das ließ sich nicht klären) Stimmen einer rothaarigen Dame, die irgendwas mit Lexika zu tun hatte (eigentlich hatte ich gar keine Stimme mehr, wegen meines Halses…), deren Namen ich von einem Kollegen abgeschrieben hatte, und türmte. Wie fast alle.

Der Erfolg des Ganzen? Ja genau, ich hab immer noch einen dicken Hals 😦 – keine Ahnung, wie ich die Messe schaffen soll…

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Kommentare

1. Peter Milger - 23. Mai 2011

Sehr schön. Eigentlich wollte ich auch hin, um zu fragen, warum die VG-Wort nicht gegen Herrn zu Guttenberg klagt. Der hat ja seine „Doktorarbeit auch als Buch in den Handel gebracht. Auflage 400, Preis 88,- Euro. Die plagierten Autoren gingen leer aus, weil zu Guttenberg sie nicht gemeldet hat unddamit auch nicht das Volumen. Eine diesbezügliche Anftage hat VG Wort schlicht ignoriert. Mir war die Bahnfahrt von Ffm dann doch zu teuer. Hat sonst jemand in dieser Sache nachgefragt? Siehe auch http://www.milger.de/plagiat.htm

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DL2MCD - 23. Mai 2011

Die VG Wort ist nicht dazu da, die Erstverwertungsrechte von Autoren durchzusetzen oder diese gegen Plagiate zu verteidigen. Sie ist dazu da, die Zweitverwertungsrechte von Autoren abzurechnen, wenn diese das wünschen. Dazu gehört auch eine „Kopierabgabe“, aber damit ist nicht das Kopieren gemeint, daß Herr Guttenberg hier betrieben hat.

Solche Doktorarbeiten ergeben normalerweise kein Geschäft und kein Honorar, und wenn das Buch nicht mit mindestens 2 Exemplaren in den dafür vorgesehenen Bibliotheken steht (die „Pflichtexemplare“), rechnet die VG Wort es sowieso nicht ab.

Aber auch dann würde die VG Wort es gegenüber Herrn Guttenberg abrechnen. Wenn man das dann an die Originalautoren geben wollte, müßten die wohl selbst melden („Mitautor 1 von 50“), ich denke, da bliebe nicht viel.

Wie gesagt, bei der VG Wort geht es nie um Originalhonorare, sondern nur um die möglichen Pressereprogebühren etc.

Und ja, das war Thema – und wurde genau so beantwortet.

Die VG Wort ist keine Rechtsvertretung oder Inkassobüro für Autorenhonorare, sondern nur für die diversen Kopierabgaben.

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2. Peter Milger - 27. Mai 2011

Nochmal: Das Buch ist im Handel erschienen, Auflage 400, Verkaufspreis 88 Euro. Umsatz als E-book unbekannt. Auszuzahlendes Honorar mindestens 3600 Euro. Der Verlag ist verpflichtet, Volumen und Namen der plagierten Autoren an VG-Wórt zu melden, unabhängig davon, ob sie dort Mitglied sind. Einige Plagiate erstrecken sich über mehr als 20 Seiten. Nichtausgezahlte Honorare als in der Größenordnung von mehr als 100 Euro. VG-Wort tritt auf, als trete auch für soziale Belange der (oft prekär lebender) Autoren ein. Wenn das mit dem Buch durchgeht, wird das zum Präzedenzfall. Dann kann jeder Bücher aus geklauten Passagen kompilieren und sie in den Handel bringen. Das VG-Wort Abrechungsverfahren ist dann komplett für den Eimer

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3. DL2MCD - 27. Mai 2011

Jetzt komme ich mir aber vor wie auf dem betreffenden Abend…

Also auch nochmal:

Die VG Wort ist für Zweitverwertung zuständig, also für die dem Herrn Guttenberg und seiner unfreiwilligen Mitautoren durch Fotokopien, Scans o.ä. entgangenen Einnahmen aus dem Werk.

Mit der Erstverwertung, also den eigentlichen Honoraren, hat die VG Wort nichts zu tun! Da kann und darf sie sich gar nicht einmischen. Da müssen die „Beklauten“ selbst einen Anwalt ihres Vertrauens aufsuchen – auch Journalistenverband, Schriftstellerverband, ver.di sind da geeignete Anlaufstellen. Aber nicht die VG Wort!

Wenn Sie ein Haus kaufen und es regnet durchs Dach, gehen Sie doch auch nicht zum Bürgermeister, um sich über den Betrug zu beschweren?

Was die Betroffenen machen können, ist sich als Mit-Autoren bei der VG Wort zu melden.

Ob das nun allerdings viel ergibt, ist die Frage. Da bekommt vielleicht jeder 20 €.

Das müssen aber die Autoren machen, die VG Wort schüttet nur auf Antrag aus, nicht von alleine und auch nicht, wenn ein Verlag ihr Namen nennt.

Wie groß das Honorar war, ist hierfür völlig irrelevant. Hierfür ist nur relevant, ob Pflichtexemplare des Buchs vorliegen und es in eine der Büchergruppen fällt, für die es bei der VG Wort Ausschüttungen gibt, z.B. Fachbuch.

Wobei mir auch unklar ist, woher diese Hausnummer von 3600 € stammt. Daß das Buch nicht mehr erhältlich ist, liegt daran, daß der Verlag es zurückgezogen hat, nicht daß die 400 Stück verkauft worden wären. Aber wie gesagt, das ist für die VG Wort sowieso irrelevant. Weder Preis noch Auflage eines Buchs spielen für eine mögliche Ausschüttung eine Rolle.

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4. Peter Milger - 29. Mai 2011

Ach je, das hat nichts mit der Kopierabgabe zu tun. Es geht um eine Diesntleistung von VG Wort für Autoren und Verlage. Bringt mir ca. 140 Euro pro Jahr. Das Verfahren: Aus meinen Büchern habe vor allem Schulbuchverlage Zitate übernommen. Der Autor meldet das seinem Verlag. Der Verlag schickt die fertig umbrochendn Seiten mit den markierten Zitaten an mich. Wenn ich keien Kontextprobleme sehe, kommt mein Ok. Der Verlag errechnet meinen Anteil am Gesamthonorar (In der Regel 10 Prozent vom Erlös des Buches) und überweist da Geld an VG-Wort. VG Wort summiert meine Anteile und überweist wiederum mir das Geld. (Jahresabrehnung). Rechtsbasis ist 106 UrhG – Verbot gewerblichen Plagiierens. Peter Milger

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5. DL2MCD - 30. Mai 2011

Hm, allerdings denke ich, daß die Karriere des FvG zu kurz war, als daß seine Doktorarbeit Eingang in irgendwelche Schulbücher gefunden hat ;-).

Ich wurde in Schulbüchern nur aus Online-Beiträgen zitiert, da gibt es nix für.

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Peter Milger - 31. Mai 2011

Doch, gibt´s was für. Kopie Zitat Buch, Kopie Beitrag, Rechnung schreiben, an Verlag schicken. Schulbücher haben hohe Auflagen. Einfach mal mit 200 Euro pro Seite probieren. Nach § 106 UrhG hat sich der Verlag strafbar gemacht. Er wird gern zahlen.Gruß Milger

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DL2MCD - 1. Juli 2011

Na um eine Rechnung zu schicken, müßte ich von so einem Fall erstmal erfahren. Mangels schulpflichtiger Kinder eher unwahrscheinlich.

Mit dem VG-Wort-Scheck kamen heute allerdings immerhin 1,69 € für Schulbuch-Abdrucke. Da kann ich mich jetzt sinnlos von besaufen äh ich meinte da ist es sinnlos, sich von zu besaufen 😉 aber nun, Online ist immer sehr unergiebig, warum solls bei der Zweitverwertung anders sein…

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