jump to navigation

DAB plus: Totschreiben und kaputtmachen ist auch diesmal wieder die Devise… 13. Juli 2011

Posted by DL2MCD in Nervensägen.
trackback

Der sonst sehr geschätzte Kollege Ulf rennt in diesem Punkt anscheinend der Meute nach, die seit Jahren sagt: Rundfunk runter von den Funkfrequenzen und rein ins Netz. Er findet nämlich…

diesen Artikel super.

Ich bin es langsam echt leid.

Ich schreibe seit Jahren über DAB, doch werden mir DAB-Artikel inzwischen oft nicht mehr abgenommen und mitunter auch nicht bezahlt, nur weil man doch gefälligst auf DAB rumzuhacken hat. Wie es ja seit 16 Jahren gemacht wird. Statt technische Fakten zu bringen. Oder wird gar noch in der taz beschuldigt, Geld von der „DAB-Lobby“ zu bekommen, wie es dem werten Kollege Mario Gongolsky erging. Ohne es zu wissen, übrigens, niemand machte ihn auf diese Verleumdung aufmerksam.

Dabei gibt es keine „DAB-Lobby“, die Zeiten sind lange vorbei, und es gilt nur die Regel „schreib DAB gefälligst kaputt oder Du bekommst KEIN Geld, denn einen positiven DAB-Artikel drucken wir nicht!“

Webradio ist so wenig ein Ersatz für DAB wie das Telefon ein Ersatz für Rundfunk ist: Wenn jeder Hörer seine eigene, private Datenübertragung auslöst, kann auch ein öffentlich-rechtlicher Sender das bei Millionen Hörern nicht zahlen und den Atomausstieg können wir dann auch vergessen…

Man kann natürlich sagen „Radio ist sowas völlig anderes als Fernsehen, daß wir das niemals digitalisieren werden“.

Aber man kann nicht Webradio als Broadcast bezeichnen, wo das Programm ins Stottern kommt, wenn es zu viele Leute gleichzeitig einschalten. Webradio ist KEIN Massenmedium.

Dieser Artikel ist eine Beleidigung der technischen Intelligenz, ja. Herr Graff ist halt auch kein Techniker. Aber nicht DAB. Wenn man ein digitales Broadcasting-System will, und nicht ein System, jeden Hörer einzeln zu bedienen (was halt KEIN Broadcasting ist!!!), dann ist DAB immer noch das technisch Sinnvollste. Warum sonst würde es weiterhin verwendet? Es gab ja Alternativen, die sich aber für Radio als ungeeignet erwiesen haben.

Advertisements

Kommentare

1. Ulf J. Froitzheim - 13. Juli 2011

Lieber Wolf,
da hast Du mich falsch verstanden.
Wenn es keinen terrestrischen Hörfunk mehr gäbe und alles nur noch im Netz stattfände, müsste ich ja das gleiche tun wie bei einer Umstellung von FM auf DAB: meine UKW-Radios verschrotten. Gerade das will ich nicht. Ich will UKW behalten. Und: Natürlich wäre es Wahnsinn, Antenne Bayern, Bayern 1 oder 3 ins Netz zu verlagern. Webradio ist eine Ergänzung zu den Massenkanälen. Und so hatte ich auch den Doktor Graff verstanden.

Gefällt mir

DL2MCD - 13. Juli 2011

Lieber Ulf,

nun, ich beziehe meine Kritik hauptsächlich auf den SZ-Artikel. Du hast ja nur Zustimmung bekundet.

Den terrestrischen Rundfunk abschaffen will Herr Graff zwar hoffentlich auch nicht. Dennoch kommt auch er damit, daß Webradio „das bessere Digitalradio“ wäre. Und das ist es nunmal nicht. Es ist ein zusätzlicher, sicher nützlicher, Kanal, aber als Nische, nicht als Haupt-Versorgung. So handhabt es übrigens Antenne Bayern auch.

Ebenso wichtig ist es aber, die Digitalisierung der terrestrischen Übertragung anzubieten. Fernsehen ist digital geworden, Telefon ist digital geworden, in beiden Fällen bot sich dem Kunden ein Mehrwert. Er stieg auf Sat digital frewillig um, obwohl Sat Analog parallel verfügbar war (ja, terrestrisch war es anders). Erst nun, über 12 Jahre nach der Digitalisierung, soll 2012 Analog-Sat-TV abgeschaltet werden.

Ähnlich ist es beim Digitalradio. UKW würde nur abgeschaltet, wenn es wirklich keiner mehr braucht. So, wie halt inzwischen Mittelwellensender abgeschaltet werden, weil sie keiner mehr braucht. Wenn sich tatsächlich alles verlagert hat. Bei Mittelwelle jetzt nach etwa 60 Jahren.

Das ewige Gespenst der UKW-Zwangsabschaltung stammt aus einem EU-Beschluß, der schon vor Jahren aufgehoben wurde. Vor ein paar Wochen gab es mal wieder eine Petition gegen die Analog-UKW-Zwangsabschaltung, die völliger Unsinn war, eben weil das gar nicht mehr aktuell ist, das habe ich den etwa 20 Leuten, die mich da angemailt haben, auch sofort gesagt.

Dgitalradio kann zunächst ebenfalls Nischenprogramme bringen, nicht ganz so kleine Nischen wie beim Webradio, aber halt neue Programme, dennd a sind mehr Kanäle verfügbar als auf UKW. Nur müssen es genügend Programme sein, damit ein Digitalradio für den Käufer interessant wird – daran krankte es bislang in vielen Bundesländern: Für ein „WDR2 plus“ mit gleichen Texten, aber Klassik statt Pop als Musikbegleitung kauft niemand ein DAB-Radio.

Wenn nun zur IFA 2011 mehr als ein Dutzend neue Programme bundesweit kommen und nochmal soviele pro Bundesland, dann wird die Sache durchaus interessant, zumal DAB+-Radios inzwischen unter 50 € zu haben sind.

Das wird aber nur was, wenn nicht wieder von vornherein alle schreiben „das ist doch ein alter Scheiß, die Erde hat sich weitergedreht“ etc. Dann bleiben wir auf den bisherigen paar Dudelfunkkanälen sitzen. Das geht dann zwar auch mit einem Klorollenradio für 10 € aus dem Scherzartikelladen, aber außerhalb des WCs sind manche dieser Programme dann auch nicht zu ertragen.

Der Artikel des Kollegen Graff sagt aber klar „DAB ist alter Käse, wir haben doch jetzt was Besseres – Internetradio“ – und das ist Äpfel mit Birnen verglichen.

Die Hersteller bieten ja längst alles in einem Gerät an. Mein Radiowecker kann UKW (nutze ich nicht, weil blöde Programme) DAB (nutze ich, um mit Rockantenne geweckt zu werden), DAB+, Webradio (nutze ich zum Wecken ganz bestimmt nicht – die Entschuldigung ‚ich habe verschlafen, weil mein Internet down war‘ nimmt kein Chef an!), Podcasts (gut, wenn man mal krank ist) und sogar noch Geräusche (sich von Schnarchen wecken zu lassen wäre allerdings sehr masochistisch…).

Und wer die Flachwitze der üblichen UKW-Programme erträgt, kann sich ja weiter von UKW wecken lassen – oder einem Piepton.

Gefällt mir


Sorry comments are closed for this entry

%d Bloggern gefällt das: