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Bei welchem Journalistenpreis sollte man sich für die Karriere bewerben? Als Angestellter: Bei gar keinem! 9. August 2011

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Dieser Tage stellte ein junger Kollege die Frage:

Ich würde gerne wissen, was ihr eigentlich von Journalistenpreisen haltet. Ich habe dieses Interview mit dem Chefredakteur der Rhein-Zeitung gelesen (http://goo.gl/n0oUM) und würde gerne wissen, wie wichtig für euch eigentlich der Gewinn von Journalistenpreisen ist, ob ein Journalistenpreis hilft, einen guten Job zu kriegen oder ob das in den Verlagen eigentlich egal ist. Und gibt es noch andere Verlage, die den Gewinn von Journalistenpreisen bei ihren Mitarbeitern verdoppeln? Und bei welchem Journalistenpreis sollte man sich eigentlich bewerben?

Da hat es mich erstmal umgehauen vor soviel Optimismus. Daß sich ein Verlag oder Chef freuen würde, wenn seine Mitarbeiter einen Journalistenpreis gewinnen???

Nun, es gibt natürlich Verlage oder Chefs, die ihre Mitarbeiter sogar selbst bei so etwas nominieren. Meist, weil der Verlag dann auch an diesem Preis irgendwie mitwirkt. Oder es ein dem Blatt zugeordneter Preis ist, nicht dem Mitarbeiter. Und es mag auch mal solche Chefs geben wie den Herrn Lindner aus dem Beitrag, die sich mit ihren Mitarbeitern freuen.

Das ist aber die Ausnahme. Wir sind schließlich in einer von Neid und Mißgunst – von innen und außen – regierten Branche!

Die wenigsten Kollegen bewerben sich überhaupt bei Journalistenpreisen, weil allein das schon als unanständig gilt. Es gilt die Regel:

Journalistenpreise sind wie Hundehaufen. Jeder hat mal einen an den Hacken, und dann stinkt es plötzlich.

Es gilt ja im Journalismus immer das edle Image, daß man alles der einzig wahren Sache zuliebe tun muß, also möglichst gratis. Ein paar Preise sind noch allgemein anerkannt, aber wenn es z.B. der Preis der Sparkassen für die Berichterstattung über den bargeldlosen Zahlungsverkehr ist oder etwas Ähnliches, oder der Preis vom DJV, wie in dem erwähnten Artikel, dann ist das Image ja schon wackliger…

Und seit der Sache mit der Modelleisenbahn sind Journalistenpreise ja nun ohnehin völlig unten durch…wer tut sich denn freiwillig noch sowas an???

Ein Journalistenpreis fördert nur den Neid. Cheffe ist sauer, weil er nix gewonnen hat, sondern Du (mir hat ein Chef schon mal mit fristloser Kündigung gedroht, wenn ich an einer Monate vorher angekündigten und selbstverständlich unbezahlten Podiumsdiskussion vor etwa 30 Studenten teilnehmen würde, für einen Journalistenpreis hätte er mich sofort rausgesetzt), und selbst gut bezahlte, beamtete Richter pöbeln Dich an – ich habe es erlebt, wie ein mit dem Grimme-Preis ausgezeichneter Kollege eben deshalb im Gerichtssaal vom Richter angegangen wurde und sehr kostspielig verdonnert, mehr als ihm der Preis je eingebracht hat.

Da es also ohnehin eine persönliche Entscheidung ist, sollte man sich nur bei bei Preisen bewerben, die einem symphatisch sind und bei denen man nicht für ein Image (das ja eher gegen einen arbeitet), sondern für das eigene Wohlbefinden gerne gewinnen würde.

Und sich als Angestellter dann nochmal überlegen, ob Verlag und Chef solche Eigenmächtigkeiten recht sind und Dich der Chef nicht schon des Themas wegen postwendend vor die Tür setzt. Also vielleicht nicht gerade eine von Fromms oder London vergebene Auszeichnung für unverkrampft beschriebene Sexualität. 🙂 Das wäre ein todsicheres Rezept für den Rauswurf.

Freischaffende Kollegen können die Sache etwas entspannter angehen, hier könnte ein Preisgewinn eventuell wirklich die Auftragslage etwas verbessern.

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