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Über die gute Computerausstattung in Verlagen und den Neid der Chefs 1. September 2011

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Sie sitzen an einem Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen und einem bequemen Stuhl? Dann sind Sie entweder zuhause, bei einem öffentlich-rechtlichen Sender oder in einer anständigen Branche…aber sicher nicht in einem Verlag!

Bei meinem ersten Job als festangestellter Redakteur erwarteten mich 1993 ein PC mit 5-MB-Platte und ein Nadeldrucker. Als ich den PC einschaltete, dröhnte die Platte wie eine Kreissäge los und der Kollege nebenan plärrte „Mach verdammt nochmal SOFORT diese Scheißkiste aus!!!“.

Der zugehörige Nadeldrucker brauchte bei noch größerer Lautstärke pro Seite eine halbe Stunde. Man mußte aber dennoch im Raum bleiben, weil er beim Seitenwechsel ohne persönliches Händchenhalten sonst Papierstau produzierte.

Ich brachte dann zunächst von zuhause meinen eigenen PC und Drucker mit. Später kaufte ich einem Hersteller (Acer war es glaube ich) ein von meinem Vorgänger angefordertes und (warum wohl nur?) nicht zurückgesandtes Testgerät ab. Die Kollegen bekamen ein Jahr später Colani-PCs von Vobis.

Achja: Daß die nichts taugten, wußte man in dem Verlag selbstverständlich, schließlich gab man auch Computerzeitschriften heraus. Aber alles andere hätte zuviel gekostet. Keiner der vier Rechner war innerlich mit einem der anderen drei identisch und konnte mit ihnen in einem Netz arbeiten. Außerdem sorgten die runden Colani-Blenden zusätzlich dafür, daß man das Lämpchen am Diskettenlaufwerk nicht sehen konnte und sich mit vorzeitigem Herausziehen der Scheiben (sog. Floppus interruptus) zuverlässig die gespeicherten Daten ruinierte.

So schlimm wurde es später nur noch selten – 2003 hatten wir im dann angesagten Verlag z.B. noch NT4 und durften keine Datensicherung machen, aber immerhin lief die Hardware.

Nett wurde es aber nochmal, als ich 2004 zu einem der bekanntesten Computerverlage nach München ging, der eigentlich in Hangover sitzt. Dort hatte man uns einige alte Macs spendiert, die aus dem Fundus der Redaktion einer 2001 eingestellten Zeitschrift über Mobiltelefone stammten. Langsam, doppelt langsam gar für jemanden wie mich, der unter Windows alle Tastenkürzel auswendig kannte und am Mac plötzlich jeden Handgriff umständlich mit der Maus erledigen mußte. Wenn man unter Zeitdruck steht, untragbar. Doch nur der Chef hatte einen PC.

Nur der Chef hatte auch einen Bürostuhl mit Rückenlehne. Auf Hockern ohne Lehne hatte ich mir jedoch schon zur Schulzeit meinen Rücken ruiniert.

Und nur der Chef durfte auch in einem rauchfreien Zimmer sitzen. Der Rest wurde vom kettenrauchenden Grafiker eingenebelt.

Zudem war das Büro im Münchner Osten weit von der S-Bahn.

(Heute ist es noch viel weiter im Osten und von der S-Bahn).

Unter diesen Umständen entschied ich „So kann ich unmöglich arbeiten“ und tat dies, wie mein Chef auch, von nun an von zu Hause.

So mußte ich mir natürlich zuhause geeignetes Mobiliar anschaffen, um typisch 14 Stunden am Tag meinen Job auszuüben. Das nahm ich hin, da mir so die lange Fahrerei und Lauferei sowie die zugehörigen Kosten erspart blieben. Ob man nun 10 Stunden rackert und 4 Stunden fährt, oder 14 Stunden rackert, bleibt sich ja erstmal gleich.

Allerdings gab es ein Problem: Meinen Windows-98-PC wollten die IT-Kollegen des Verlags nicht ins Netz lassen. „Das ist ja kein richtiges Netz-Betriebssystem“ und „das ist ein Sicherheitsrisiko“ waren die Argumente. Es sollte schon XP sein. Das lief aber auf der alten Möhre definitiv nicht mehr,

Folglich mußte ich mir einen neuen PC kaufen, privat.

Nunja, dafür sparte ich ja die Fahrtkosten, s.o.

Schließlich lief alles.

Wie mein Chef das fand? Freute er sich, daß ich die mangelnden Hardware-Investitionen des Arbeitgebers mit eigenen Mitteln ausglich?

„Natürlich“ nicht.

Er jaulte auf:

Boah, Du hast so einen tollen Rechner und ich so’n altes Glump!!

Nur daß er das „alte Glump“ gratis vom Arbeitgeber bekam und nicht selbst kaufen mußte.

Wer hätte ihn davon abgehalten, sich einen neueren PC zu kaufen? Privat? Von seinem Gehalt???

Wieso war er darauf neidisch, sich sein Arbeitsgerät erstmal kaufen zu müssen?

Übrigens hatte er irgendwann doch einen XP-Rechner. Die Kollegen mußten weiter auf Macs arbeiten. Nur der Grafiker freute sich darüber, zumal seiner natürlich weit leistungsfähiger war.

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Kommentare

1. Ulf J. Froitzheim - 1. September 2011

Dass man auf dem Mac alles mit der Maus machen muss, ist Schnee von vorgestern.

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DL2MCD - 1. September 2011

Wenn man sich auskennt, sicher.

Wenn man einen PC im Schlaf bedienen kann, auf dem Mac aber schon beim Fensterschließen in die falsche Ecke klickt, ist das einer schnellen Einarbeitung und dem Arbeiten mit Vollgas nicht förderlich. Plus dem Vermissen all der gewohnten Software. Und eben der gewohnten Shortcuts. Ok, CRTL-C CTRL-V geht wohl ebenso, aber das soll man ja nun gerade NICHT benutzen… 😉

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