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Telepolis, die Piratenpartei, und die Korruptionsvorwürfe 24. Oktober 2011

Posted by DL2MCD in Nervensägen.
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Über Heise Telepolis und dessen Chef Florian Rötzer muß ich mich mittlerweile immer mehr ärgern, auch wenn mein Wirken dort nun bald ein halbes Jahrzehnt her ist.

Nein, nicht wie die meisten Leser über die massive Rechtschreib- und Grammatikschwäche des Herrn Chefredakteurs, der diese Funktion übrigens offiziell verleugnet, sich nur als ViSdP benennt, weil er sich zwar rechtlich nicht ganz aus der Verantwortung stehlen kann. Doch möchte er nicht, daß sich die Leser bei ihm über die Artikel beschweren, die so in seinem Magazin stehen, sondern lieber auf seine Mitarbeiter und deren Lebenspartner(-innen) losgehen, so wie er es Ende 2006 gegen mich eingefädelt hat: Da trollte ein reiches Bankersöhnchen, das dann schließlich von der Staatsanwaltschaft ermittelt wurde (es sage also bitte keiner, daß die Ermittlungsbehörden zu blöde seien, um mit dem Netz umzugehen, neben den allgegenwärtigen DAUs gibt es da inzwischen auch etliche fähige Leute) immer nachts nach 1/2 3, wenn es besoffen genug war, gegen mich, und Rötzer fand das bzw den total gut und nahm dem noch jede noch so üble Lüge und Verleumdung gegen mich ab, sorgt auch bis heute dafür, daß diese in den Heise-Foren online bleiben und nur anderslautende Postings (also welche, die für mich Partei ergreifen) gelöscht werden.

Der zweite Grund, daß ich nicht mehr für Telepolis schreibe, neben diesem noch Jahre nach Telepolis und auch bei späteren Arbeitgebern leider zeitweise ebenso relevanten Vorfall, hat dagegen mit der Piratenpartei zu tun.

Eigentlich bin ich jener gegenüber durchaus positiv eingestellt, da sie sich endlich um Themen wie die ständigen juristischen Übergriffe und Unrechts-Entscheidungen in Netzthemen kümmern, um die sich alle anderen Parteien inklusive der Grünen stets gedrückt haben.

Allerdings hatte ich 2006 auch großen beruflichen Ärger wegen der Piratenpartei:

Deren damaliger Generalsekretär Stefan Lamprecht (inzwischen ist seine Domain komplett gesperrt) schrieb Florian Rötzer an, Telepolis solle doch mal über die Piraten berichten.

Soweit keine schlechte Idee, nur hatte halt bislang der Kontakt gefehlt – damals war die deutsche Piraten-Partei ja noch nicht einmal gegründet!

Rötzer reichte mir dann das weiter mit den sinngemäßen Worten „Na wehe, wenn Du das auch wieder versenkst…!!“. Er hatte mir zuvor große Vorwürfe gemacht, als er ein von ihm angeleiertes Projekt mit der von mir sehr geschätzten und deshalb auch von mir zu Telepolis geholten, doch für Projekte m.E. zumindest damals wenig geeigneten Twister übergeben hatte, als diese mal wieder unauffindbar war, und mir anschließend den dadurch bedingten mangelhaften Fortschritt des Projekts zum Vorwurf gemacht, obwohl es ja seine Idee gewesen war, das Twister machen zu lassen, und nicht meine – ich hätte sie nie für zeitkritische Projektarbeit eingespannt, sie hat andere, von mir sehr geschätzte Qualitäten, aber man muß ihr ihre „Kreativpausen“ lassen und diese einkalkulieren.

Ich war also in der Sache sofort enorm unter Druck.

Ich telefonierte folglich umgehend nach einigen vergeblichen Versuchen Samstag abend, 20 Uhr, wenn andere, normale Menschen fernsehen, ausgehen, Freunde treffen, leben, Wochenende haben, feiern, knapp 3 Stunden mit Herrn Lamprecht. Auf sein Handy, auf meine privaten Kosten, in meiner Freizeit.

Doch leider völlig ohne für mich bzw. Telepolis verwertbares Ergebnis: Stefan Lamprecht jammerte mir nur – wie auch so manch depressiver Telepolis-Autor in spé, doch da gehörte das zu meinem Job, einen Autorenstamm zu betreuen und mir auch die diversen Kümmernisse anzuhören, bei einem selbst ernannten Informanten war dies etwas Neues – in einem fort vor, daß er mir leider nun doch nichts erzählen könne, aber auch rein gar nichts, da er dies nicht mehr dürfe: Er sei in Ungnade gefallen und dürfe nicht mehr im Namen der (noch nicht gegründeten) Piraten mit den Medien reden!

Er bot mir lediglich an, ich könne am nächsten Wochenende nach Berlin fahren und einer Sitzung der Partei (deren Gründungssitzung) teilnehmen, um davon dann zu berichten.

Dies konnte ich nun allerdings definitiv nicht:

  1. Ich hätte die Reise und Übernachtung privat zahlen müssen. Florian Rötzer bestand darauf, daß Angestellte mit dem Heise-Verlag keine Spesen abrechnen, weil Telepolis ohnehin defizitär ist und er Angst hatte, das vorgehalten zu bekommen. Doch ich war zu diesem Zeitpunkt schon durch die laufende Anschaffung von Testgeräten für Telepolis Geektools (nicht jede Firma stellt Testgeräte zur Verfügung und ich hatte sogar als Einzelkämpfer Vergleichstests mit z.B. drei Kameras anfangen sollen – etwas, wofür anderswo ein ganzes Testlabor bereit steht und 20.000 € für einen Test erhält, ohne dafür die Testgeräte beschaffen oder gar zahlen zu müssen!!!) finanziell komplett blank!
  2. Ich hätte niemals ein Wochenende einfach zur Recherche vom Computer verschwinden dürfen. Da hatte ich zu schreiben! Daß ich einmal ein Wochenende ohne Genehmigung offline gewesen war, weil ich eine Mathematikerin und Astronomin in Dresden traf, um sie als Autorin für Telepolis zu gewinnen, hat Florian Rötzer mir nie verziehen – regemäßiger Wochenenddienst war Pflicht!
  3. Ich hatte zudem Ärger gehabt, weil ich mit dem Bayrischen Journalistenverband und vielen anerkannten und verdienten Kollegen nach Berlin gefahren war, zu einer Einladung des Bundespresseamts, den Reichstag zu besichtigen, und das neue Parteiprogramm, die neue Strategie der Grünen eine Woche vor dessen offizieller Bekanntgabe erfahren und darüber schreiben zu dürfen.
    Diesen Termin nahm ich wahr, weil Florian Rötzer sich ständig über meine naturwissenschaftlichen und nicht politischen Interessen aufregte, um ihn milder zu stimmen.
    Leider wußte ich nicht, daß Florian Rötzer speziell die Grünen haßt. Statt sich zu freuen, daß ich mich nun auch um die Politik kümmere, beschimpfte er mich als korrupt, wobei er sowieso stets der Ansicht war, es sei korrupt, wenn man sich mit dem Objekt der Berichterstattung gemein macht, indem man auf Veranstaltungen und Pressekonferenzen geht: Gerade weil ich teils bis Mitternacht vor Ort unterwegs sei, sei ich nicht integer, es stünde ja alles Wichtige auch im Internet, wo man es dann ja abschreiben könne! Und Telepolis stehe unter Beobachtung, da können man sich nicht auf solchen Veranstaltungen blicken lassen, das würde die Marke Telepolis beschädigen.
    Nachdem ich den Termin schon vereinbart hatte und nicht mehr absagen konnte, mußte ich dann Urlaub einreichen, um nach Berlin zu fahren, und erhielt komplettes Schreibverbot von Florian Rötzer über die Veranstaltung und vor allem die Grünen! Hatte also vier Tage Urlaub (zwei Wochentage, zwei Wochenendtage) für einen beruflichen Termin geopfert, den ich dann nicht mal verwerten durfte…
    (Ein in Berlin wohnhafter Kollege schrieb dann eine Woche später von der offiziellen Strategie-Bekanntgabe der Grünen in Telepolis…da war das dann ok und nicht korrupt)

Ich hätte also für die Gründung der Piraten-Partei ebenfalls Samstag und Sonntag beim Heise-Verlag Urlaub einreichen müssen (was eigentlich gar nicht geht), hätte damals nicht gewußt, wo ich die etwa 200 € für Fahrt und Übernachtung hernehmen soll, und hätte dann nicht mal direkt über die Veranstaltung berichten dürfen, weil sowas ja lt. Rötzer korrupt ist, sondern die gewonnenen Informationen irgendwie heimlich, ohne Verweis auf die Anwesenheit vor Ort, in einen Artikel einfließen lassen müssen.

Und das alles wäre zudem völlig sinnlos gewesen, weil der extrem schnell arbeitende Kollege Dr. Stefan Krempl, der sich vor Jahren entschlossen hat, nicht mehr für Telepolis, sondern den besser zahlenden und netteren Heise Newsticker zu schreiben, wofür Florian Rötzer ihn haßt und uns immer wieder aufforderte, dagegen mit schnellerer Berichterstattung anzukämpfen, weil diese Themen in Telepolis gehörten, leider auch von Lamprecht eingeladen worden war.

Für Stefan Krempl kein Problem, denn nicht nur hätte der Heise News-Ticker ihm die Spesen gezahlt: Er wohnt ja bereits in Berlin, konnte nach dem Termin heimfahren und den Artikel eine Stunde später im Heise-Newsticker abliefern. Da hatte ich gar keine Chance mehr, denn UMTS konnte ich mir damals noch nicht leisten, mein Text wäre erst nach der Rückfahrt nach Bayern erschienen und damit ohnehin zu spät.

Stefan Lamprecht wiederum hatte nichts Besseres zu tun, als mir auch noch stolz mitzuteilen:

Jetzt darf ich Dir Informationen geben, denn Stefan Krempl hat nun im Heise-Newsticker darüber berichtet!

Dies wiederum war gleichbedeutend mit einem

Tja, das wäre Ihr Preis gewesen!

Denn mein Auftrag bei Telepolis war ja ausdrücklich, schneller zu berichten als Stefan Krempl!!!! Erst als Zweiter im Heise-Verlag war dagegen indiskutabel und damit auch die ganzen Vorgespräche nun für die Katz.

Klar, daß mir Florian Rötzer hierfür fast den Kopf abriß. Mir blieb dann nichts anderes übrig, als in einem Artikel stattdessen etwas über die Piraten zu lästern, denn die eigentliche News hatte nun ja bereits Stefan Krempl gebracht, das Thema war „mausetot“.

Daß Stefan Lamprecht mich mit dieser Aktion de facto aus meinem Job gekickt hatte, wenn auch natürlich unbebsichtigt, war ihm übrigens schnuppe, er bildete sich gar ein, ich hätte mit meinem nicht böse gemeinten und auch kaum relevanten Lästerartikel die Piratenbewegung komplett ruiniert. Er rastete ein Jahr später völlig aus, in einer E-Mail, die neben einigen Mitgliedern der Piratenpartei auch die geschätzten Kollegen Ekkehard Jänicke, Gabriele Hoofacker und natürlich Stefan Krempl selbt erhielten. Die harmloseren Passagen lauteten:

nochmals herzlichen dank dafür das Sie aus persönlichem Frust mit Ihrem telepolis artikel die piratenbewegung geköpft haben.

voll der hoffnung als nächstes von Ihnen Ihre schwarzbebalkte Traueranzeige zu lesen, ich komme dann tanzen.

stefan lamprecht

Daneben äußerte Lamprecht sich noch über meine 2005 verstorbene Mutter und wünschte, ich ginge offline. Offensichtlich hat er dies nun selbst getan, wenn auch hoffentlich nicht so, wie er es mir gewünscht hat.

Die Piraten wiederum schrieben mir umgehend, er sei bei ihnen rausgeflogen (bereits vorher, nicht deswegen) – verständlich. Ich hätte auch nicht anders gehandelt.

Dennoch änderte all dies nichts mehr an der Situation, daß ich nun in einer prekären Lage war, mein Vermieter wollte überteuert verkaufen und uns rauswerfen und mangels nun fester Anstellung war ich nicht imstande, einen anderen Mietvertrag zu erhalten oder eine andere Lösung zu finden.

Den Piraten bin ich deshalb dennoch wohlgesonnen, aber speziell die Handhabung des Thema Politik allgemein und Grüne sowie Piraten durch Florian Rötzer ist für mich nach wie vor inakzeptabel, ebenso wie seine klammheimliche Freude über die aus seinen Aktionen resultierten Beschimpfungen, Beleidigungen und Verleumdungen gegen mich und die daraus resultierenden Folgen. Politische Funktionen habe ich übrigens in beiden Parteien nicht, wie auch in keiner anderen Partei.

Umso erstaunter bin ich, daß Telepolis bzw. Florian Rötzer nun ganz offiziell von einer Tagung der Piratenpartei berichten. Und sich gar Florian Rötzer darauf beruft, daß Telepolis doch das Magazin der Netzkultur sei und deshalb über die Piraten berichten müsse. Dieser Slogan, Magazin der Netzkultur, den hatte ich hoch geschätzt, deshalb hatte ich bei Telepolis mitgemacht, doch genau den wollte Florian Rötzer damals loswerden, weil der noch von dem von ihm geschaßten Armin Medosch stammte.

Wenn Rötzer nun schreibt:

Open Mind heißt auch, Politik machen zu wollen im postideologischen Zeitalter, die alten Festlegungen hinter sich zu lassen, quer zu denken und nicht borniert zu sein.

dann ist das für mich purer Hohn, da ich ihn als jemand kennengelernt habe, der total borniert und haßzerfressen ist und definitiv zwar ein hochintelligenter Andersdenker („Querdenker“ würde ich es auch nicht nennen wollen), aber ganz bestimmt nicht „tolerant und open minded“, sondern ein Stalker- und Faschistenfreund, der seine Mitarbeiter und deren Familie ebenjenen mit größtem Vergnügen zum Fraß vorwirft, wenn ihm das gerade oppurtun erscheint. Der nicht hinter seinen Mitarbeitern steht, sondern sich noch darüber freut, wenn Leser auf diese losgehen wegen der Politikartikel, seiner Politikartikel wohlgemerkt…weil sie Telepolis für links halten, obwohl es das gar nicht ist!

Auch wenn Florian Rötzer das mit dem „tolerant und open minded“ über die Piraten schreibt, über die das m.E. auch in den meisten Fällen zutrifft, und nicht über sich selbst, will er sich doch so auch ein bißchen den Piratenmantel umhängen und denkt wohl, so nun doch endlich den ihm abtrünnigen Stefan Krempl bei der Berichterstattung über die Piraten ausstechen zu können.

So wollte eigentlich Telepolis auch immer sein: ein offener Platz, auf dem die Gedanken der digitalen Zeit zu sich kommen.

Ja, Telepolis wollte so sein und wird heute noch für dieses Wunschziel geschätzt. Aber die Realität sieht leider anders aus und jeder, der in die Richtung agierte, mußte irgendwann gehen.

Sorry, diesmal habe ich viel zu viele Namen genannt und viel zu lange Sätze geschrieben, aber ich bin einfach stinkesauer auf diese Doppelmoral, andere als korrupt zu beschimpfen, die nach üblichen journalistischen Regeln handeln, und selbst dann so sein Mäntelchen nach dem Wind zu hängen, wie es gerade opportun erscheint.

Ich wünsche der Piratenpartei alles Gute, bin froh über ihren Erfolg, finde auch, daß Telepolis in seiner früheren Ausrichtung unter Armin Medosch dazu paßte. Nach allem, was ich erlebt habe, hat die Sache jetzt allerdings (seitens Telepolis) einen ziemlich miesen Beigeschmack.

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