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Roß & Reiter nennen? 26. Januar 2012

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Die Medienbranche ist schon eine sehr eigenwillige: Es wird ständig über alles und jeden gequatscht, aber die wirklich wichtigen Dinge, die traut sich dann doch keiner auszusprechen.

Daß ich hier über einige, wenige Fälle mit Namen gesprochen habe, hat manchen Leser erschreckt. Man hat auch anderswo Kommentare von mir „zensiert“ – mir zuliebe. Um mich zu schützen.

Anderswo darf das jeder gerne tun – auch, um sich selbst zu schützen, natürlich.

Hier bei mir habe ich nun die Entscheidung getroffen, das Risiko einzugehen, echte Problemfälle in Zukunft lieber offen beim Namen zu nennen. Der Grund:

Es sind ja stets vergangene Dinge, die ohnehin „vergurkt“ sind. Es spielt keine Rolle mehr, und man ist (in diesen speziellen Fällen) sich sowieso nicht mehr grün.

Es besteht sonst – ohne Nennung von Roß und Reiter – jedoch die Gefahr, daß sich die Falschen angegriffen fühlen. Nicht jeder, mit dem ich mal eine Diskussion hatte, ist deshalb jemand, dem ich das ewig nachtragen müßte. Und oft gibt es von meiner Seite überhaupt nichts, das zu beanstanden wäre – es wird aber von jemand befürchtet. Z.B., wenn ich über das Redigieren in Artikeln schreibe – da könnte sich natürlich prinzipiell jeder angesprochen fühlen, der schon einmal einen Text von mir redigiert hat – oder dessen Text ich schon mal redigiert habe.

Das ist mir nun schon mehrfach passiert. So wurde ein Text, der erste Redakteurs-Erfahrungen vom Beginn der 90er-Jahre behandelte, vom veröffentlichenden Medium Ende der 00er-Jahre fälschlicherweise auf sich selbst bezogen. Natürlich würde ich niemals in einem Medium, für das ich schreibe, dieses selbst kritisieren, und dort bestand meinerseits auch gar kein Grund dazu, etwas zu kritisieren, aber man wollte sich einen Schuh anziehen, der völlig unpassend war, weil wohl gerade andere Autoren sich heftig über verfälschendes Redigieren beklagt hatten. Konnte ich natürlich nicht wissen.

Ebenso hielten einst die Telepolis-Leser (glücklicherweise – hoffe ich zumindest – nicht der Chefredakteur) einen Satz über meine Computerbild-Erfahrungen in einem Beitrag für Schilderungen aus der täglichen Arbeit der Telepolis-Redaktion. Nein, wenn es da täglich so zugegangen wäre wie bei Computerbild, hätte ich das nicht fast vier Jahre mitgemacht. Dort kippte es nur „dank“ der Hetzereien einiger Leser am Ende – das dann allerdings so gründlich, daß es die Szenen bei Computerbild noch weit übertraf.

Bevor sich also nochmal wer auf die Zehen getreten fühlt, der gar nicht angesprochen ist, werde ich zukünftig bei Kritik doch lieber Namen nennen. Auch, wenn ich damit riskiere, alte Feindschaften aufzuwärmen und es auch keinen guten Eindruck macht. Aber das Risiko, sich unnötig neue Feinde zu machen, ist größer als das, nochmal den alten Käse aufzuwärmen. Zumal es meist um Kritik an bestimmten, vielerorts üblichen Abläufen geht, nicht an Personen. Aber genau das führt ja leicht zu Mißverständnissen…

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