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Weil die Großen abzocken, wird bei den Kleinen gekürzt: Ende der Presserabatte 16. April 2012

Posted by DL2MCD in Pleiten, Pech und Pannen.
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Die Journalisten-Bahncard ist nun Geschichte, am liebsten würde die Bahn die Bahncard 50 eh‘ wieder ganz abschaffen und nur die ziemlich sinnbefreite Bahncard 25 beibehalten.

Ebenso sind es die „sagenhaften“ Presserabatte bei Air Berlin, die längst nicht mehr so sagenhaft sind und einem zudem nichts helfen, wenn man nicht an einem von Air Berlin bedienten Flughafen wohnt.

Und bei der Telekom, die nun auch verkündet, wegen Christian Wulff ihre Journalistenrabatte abzuschaffen, gab es auch vorher nichts mehr für Journalisten, das irgendwie nützlich gewesen wäre – die Mobilfunktarife für Journalisten hatten zuletzt statt kostenloser Grundgebühr wie früher nun stattdessen wie bei Vodafone umgekehrt Freiminuten, über die sich nur die Arbeit- und Auftraggeber des Journalisten freuen, weil der ihnen so keine lästigen Spesen mehr abrechnen kann, und dafür eine extra hohe Grundgebühr, weit höher als bei den Tarifen für Normalnutzer, auf der der Journalist dann zum Ausgleich für die Ersparnisse bei den Auftraggebern sitzen blieb. Also kein Rabatt, sondern eher eine Journalisten-Strafgebühr.

Für DSL gab es bei der Telekom nie Rabatte und auch T-Online hatte auf einen Tarif mit Grundgebühr umgestellt, während der Normalnutzer auch „T-Online by Call“ ohne Grundgebühr nutzen konnte. Wenn man Produkttester ist, ist aber gerade ein Tarif ohne Grundgebühr gefragt – man kann doch nicht bei 20 Providern jeden Monat eine Grundgebühr abdrücken, nur um einmal im Jahr einen Vergleichstest machen zu können!

Nur: War Christian Wulff denn Journalist? Nein, natürlich nicht. Unsereins kann auch nicht bei „Freunden“ gratis Urlaub machen oder Hauskredite von „Freunden“ bekommen. Wenn jetzt wieder mal ein Ende der Journalistenrabatte gefordert wird, ist das völliger Blödsinn und wieder nur mal ein Einprügeln auf jene, die auf jeden Cent angewiesen sind. Zudem dürfen Bäcker, Metzger, Piloten, Rolls-Royce-Fahrer, ADAC-Mitglieder und jede andere denkbare Berufs- oder Interessensgruppe weiterhin unzählige Rabatte in vergleichbarer Höhe erhalten, nur bei Journalisten ist ein Rabatt korrupt?!?!

Es wird selbst von Kollegen darüber geschimpft, daß „auch die Partner von Journalisten“ die Bahncard billiger bekommen haben – tolles Kino: Die „Partner-Bahncard“ gab es immer schon für jeden billiger, dessen Partner eine Bahncard hatte, ob der nun Vorstand, Bergarbeiter oder Modedesigner war, und das bleibt auch so. Warum dürfen Partner von Journalisten dann als Einzige keine vergünstigte Partnerbahncard haben? Wie sonst soll die Bahn denn Familien in den Zug bekommen, als Alternative zum Auto, dessen Fahrpreis auch bei 2, 3 oder 4 Reisenden nicht steigt, wenn sie keine Partnervergünstigungen geben darf? Darf es auch keine Partner-/Familien-Bayerntickets mehr geben? Oder nur keine Partner-Bayerntickets, falls einer der beiden böserweise Journalist ist?!?!

Ja, Journalisten zahlen zukünftig einen „Anti-Korruptions-Aufschlag“, zahlen mehr, als der Normalbürger, nur um ihre Unabhängigkeit zu beweisen. Tolle Idee. Als ob die Berichterstattung über die Bahn davon abhängt, ob man die Journalisten-Bahncard gehabt hat oder nicht. Und da, wo es die Rabatte noch gibt, etwa bei Autos, sind sie irrelevant, weil unsereins sich ohnehin keinen neuen VW, Mercedes, BMW oder Audi leisten kann und will, ob die nun 15% presserabattiert sind (was jeder auch so mit etwas Verhandeln beim Händler schafft) oder nicht. Ich kenne nur den „Oldtimer-Rabatt“: Meine Autos waren immer gebraucht und mindestens 10 Jahre alt. Ich will mal hoffen, daß der Kauf von Gebrauchtwagen durch Journalisten auch zukünftig nicht als Korruption oder gar mutwillige Schädigung der Autoindustrie angesehen wird… ;-/

Daß die Bahn, Air Berlin und die Telekom die Journalistenrabatte gestrichen haben, kann man ihnen nicht verdenken: Warum soll man als Unternehmen denn Geld verschenken und sich dafür noch beschimpfen und der Korruption verdächtigen lassen?

Nur ist sicher: Chefredakteure, Verleger, Politiker und andere Leute mit Geld werden weiter hofiert werden, und die Kleinen dürfen dafür die Zeche bezahlen. Denn auf uns ist die Bevölkerung neidisch, nicht auf die Großen, einem Wulff oder Guttenberg wird am Ende doch verziehen, der bekommt seine Abfindungen, 200.000 € Ehrensold im Jahr und einen neuen, gutbezahlten Job, wo er als Entschädigung dafür weniger tun muß als zuvor.

Das Ende der Presserabatte soll nur eins signalisieren:

Journalisten, haltet zukünftig gefälligst die Fresse über die Selbstbedienung der Mächtigen – sonst drehn wir euch den Saft ab!

Zugegeben ist der Ärger über die bösen Presserabatte auch teils selbstgemacht: Seitdem – Transparenz, Transparenz – sich etliche Websites nur mit diesem Thema beschäftigen, denkt der Normalbürger sich halt Wunder was. Ganz nett ist dies in der Wikipedia dargestellt, im Kapitel „Entwicklung der Presserabatte„.

Und es wird natürlich ausgerechnet von den Journalisten selbst bei diesem Thema heftigst geschlampt: Wer diesen Artikel aus Mittweida liest, könnte glauben, Journalisten hätten bei der Bahn nur die Hälfte wie andere Menschen zahlen müssen. Natürlich nicht. Sie konnten nur die Bahncard 50 günstiger erwerben, für 100 statt 200 €, mit der man dann zum halben Preis fahren kann.

Stellt sich natürlich die Frage: Darf ein Journalist überhaupt noch Rabatte in Anspruch nehmen? Darf er noch mit einem Sparpreis der Bahn fahren, oder den abgelaufenen Joghurt im Supermarkt billiger mitnehmen? Oder muß er jetzt gnadenlos moralischer Leuchtturm sein – oder sagen wirs doch gleich direkt: Depp der Nation. Geiz ist ja schließlich geil in Deutschland – und Journalisten sind nicht geil. Dürfen es zumindest nicht sein.

Die Diskussion um die bösen Presserabatte ist jedenfalls sowas von peinlich und artet seitens der Kollegen in Selbstgeißelung aus. Selbst in Aprilscherzen glaubt man schon, Presserabatte seien nahe an der Steuerhinterziehung anzusiedeln. Doch der Neid, die Mißgunst und der Haß auf Journalisten wird dadurch nicht wirklich weniger, wenn es nun keine Rabatte mehr gibt, in denen ihre Berufsbezeichnung vorkommt. Würde die Bezahlung von Journalisten stimmen und würden Spesen normal bezahlt, wären sie ohnehin nie zum Thema geworden.

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Kommentare

1. Willi Wutz - 16. April 2012

Öhm: Presserabatte? Da passt doch der Blog-Titel „Notizen aus der Neidbranche“ ganz vortrefflich… Wieso sollte denn ein Pressevertreter irgendwelche Sonderrabatte bekommen? Doch nur, damit er wohlwollend über ein Produkt schreibt!
Mir wärs lieber, wenn Journalisten sich wieder mehr auf den Grundsatz der Unbeeinflußbarkeit besinnen würden, anstatt irgendwelchen nicht gerechtfertigten Rabatten nachzujammern.

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DL2MCD - 16. April 2012

Ach, Herr Wutz…immer noch sauer, weil ich es nicht so toll wie Sie finde, wenn der reiche Schuhbeck dem armen Schuhbeck seine Domain mit der Begründung wegnehmen will, daß er damit Geld verdienen will und nicht bloß Schüler unterstützen?

Ja, da paßt der Titel des Blogs sehr gut, genau deshalb heißt es so, weil Leute wie Sie neidisch sind auf angebliche Sonderrabatte, die es aber überhaupt nicht gibt. Es gibt für jede Berufsgruppe irgendwelche Rabatte, und auch für jeden Verein, selbst für die Hinterdupfinger Kickers 93 oder den Taubenzüchterverein Schwarze Pumpe. Nur weil Journalisten beeinflußt werden könnten, sollen sie dann aber keine Rabatte kriegen?

Wären Journalisten wirklich so bestechlich, würden die Firmen ihnen einzeln was rüberschieben und nicht als allgemeinen Presserabatt. Den bekommt bzw. bekam jeder. Auch ein Autoredakteur, der mit der Bahncard eh‘ nix anfangen kann und deshalb auch kaum plötzlich gegen die Autofahrerei schreiben wird. Es mag Fälle geben, wo so etwas tatsächlich passiert, aber über die wird niemand schreiben, das sind dann die höheren Etagen, die ohnehin „gut im Futter“ stehen. Den normalen freien Journalisten wird niemand bestechen wollen, schließlich kann keine Firma wissen, ob der das dann nicht publik macht :-)-

Und die, wegen denen nun die Rabatte weniger werden, die Politiker, die werden weiter hofiert und bestochen werden. Wulff war kein Journalist.

Nachweinen braucht man den wenigsten Presserabatten, meist gibt es die Sachen beim Saturn-Hanswurst zum selben Preis wie vom Hersteller mit Rabatt.

Kein Journalist mit Anstand läßt sich von Rabatten beeinflussen und mit dem Fall des Rabattgesetzes gibt es auch gar kein Argument mehr dafür, sowas an Voraussetzungen zu koppeln.

Ich sehe in der Begründung mit Wulff nur irgendwie eine billige Retourkutsche.

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