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Warum Firmen mit gutem Bewirten von Journalisten sich nur Nassauer heranzüchten 21. Mai 2012

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Der Neid auf Journalisten ist größer als der auf Millionäre. Die Allgemeinheit bildet sich ein, Journalist sei ein sonstwie doller Job.

Eventuell gab es ja eine Zeit, in der das mal so war, doch ich habe sie nicht mehr erlebt. Nur noch einige Auswüchse.

In meiner ersten Phase als Vollzeit-Redakteur sollte ich z.B. einen Vorbericht über die Messe Electronica machen. Nur grad in dem Jahr gab kaum ein Unternehmen Informationen vorher heraus. Einzig Motorola (damals noch mit dem Schwerpunkt Halbleiter, heute Freescale) hatte eine Pressekonferenz angesetzt, im Münchner Restaurant des Feinschmecker-Lieferanten Käfer.

Sowas war durchaus üblich, da Essen bis zu einer bestimmten Höhe nicht als versuchte Bestechung gewertet werden kann und Journalisten zudem oft sonst nicht gut zu essen bekommen, weil die Kantinen nur noch bei wenigen Verlagshäusern existieren (Springer ist für seine Kantine berühmt, die sich auch in der Literatur an vielen Stellen verewigt hat, aber wenn man 24 Stunden am Stück arbeiten muß, braucht man auch einen Platz, wo Tag und Nacht was zu essen zu bekommen ist!). Bei meinem Verlag hatte man sie dagegen gerade mit den Worten „ihr sollt arbeiten und nicht essen“ geschlossen.

Doch ein älterer Kollege schrie „da will ich hin, da gibt es gut zu essen und die Pressesprecherin ist auch hübsch!“.

Da ich mit diesem Kollegen das Zimmer teilte und es mit ihm nicht gleich zum Einstand verderben wollte, ließ ich ihn notgedrungen zu Motorola/Käfer gehen.

Gegen 15.30 Uhr – eine Zeit, wo er normal schon wieder heimgegangen war – kam er zurück. Hing sehr schräg in den Seilen – offensichtlich war nicht nur das Essen gut gewesen, sondern auch der Wein.

Auf meine Frage, was es denn gegeben hätte, knallte er mir die Speisekarte auf den Tisch.

„Nein, ich meine an Neuigkeiten – ich brauche die Pressemappe!“

„Iiiih – also sowas faß ich doch nicht an! Das ist ja Arbeit!!!“

(Übrigens einer seiner Lieblingssprüche 😦 )

Der Electronica-Vorbericht wurde sehr anstrengend für mich…

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