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Fingerfood im Ritz: Luxus, den keiner braucht… 14. November 2012

Posted by DL2MCD in Pleiten, Pech und Pannen.
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Ja, dieses Blog heißt „Notizen aus der Neidbranche“, weil man als Journalist ständig beneidet wird, für die ach so tollen Einladungen zu irgendwelchen Buffets und Events.

Nun, zunächst mal ist die Zeit dieser Events eh‘ vorbei: Heute hat keine Firma mehr Geld, schon gar nicht für so Nichtsnutze wie Journalisten, die nach teurer Verköstigung dennoch nichts Gutes über das Unternehmen schreiben – denn es gehen ja auf wirklich schmackhafte Events vorzugsweise die Kollegen hin, die nur futtern und saufen und nicht arbeiten wollen.

Von diesen Entgleisungen abgesehen, denen ich mich ein andermal widmen werde, gibt es aber auch ganz praktische Gründe, bei Einladungen etwas essen zu wollen: Weil man Hunger hat!

So wollte Tektronix uns einst etwas ganz Gutes tun, lud uns nach London ins Ritz ein, um dort einen Firmenaufkauf bekanntzugeben. Abflug 5.30 Uhr früh, Aufstehen also schon um 3 Uhr. Also kurze Nacht, wenn man als Journi erst um 1 ins Bett geht. Aber Boah-ey, es geht ja ins Ritz!

Was schon mal insofern lästig ist, weil man dort Krawatte tragen muß. Aber ok, damit muß man leben, denn sonst kann man nicht nur nicht an der Veranstaltung teilnehmen, sondern auch nichts essen. Und wenn man um 3 Uhr früh aufgestanden ist, außer dem Modellbrötchen im Flieger auch kein Frühstück hatte, dann hat man um 12 Uhr tierischen Hunger. Verzeihung, gefühlt (im Magen) 13 Uhr – wir haben ja auch noch die Zeitverschiebung, und unsretwegen essen die Engländer nun nicht schon um 11 Uhr.

Leider waren die Tektronix-Leute aber so fasziniert von ihrer Veranstaltung, daß sie einfach nicht zu Potte kamen und nicht endlich aufhörten zu reden. Nicht um 12, auch nicht um 1. Nebenan im Restaurant wartete man auf uns also vergeblich.

Schließlich kamen Hotelangestellte mit Fingerfood in den konferenzraum, da wir ja nicht herauskamen. Gut gemeint, denn sonst hätten wir gar nichts zu essen bekommen. Aber so war es nicht nur nichts mit dem schönen Essen im Ritz-Restaurant – es war auch viel zu wenig. Denn Finger-Food ist ja keine Mahlzeit, wie ein Spiegel-Kolumnist ausführlich darlegt. Wobei uns die kleinen fliegenden Tellerchen ja immerhin erreichten, aber wir hätten halt nur zu gerne endlich was Richtiges gegessen, nicht Häppchen…

Danach durften wir unsere Zimmer beziehen. Eine Kollegin, die am Abend schon zurückfliegen mußte, kam mit zu mir aufs Zimmer, weil sie unbedingt mal ein Zimmer im Ritz gesehen haben wollte und legte sich ins Bett. Was ich mit ihr gemacht habe? Nichts. Erstens ist sowas für Chefredakteure reserviert, zweitens hatte ich immer noch tierischen Hunger.

Am Abend gab es dann ein großes Dinner…leider erst NACH einer Theateraufführung. So um 22 Uhr. Also nach deutscher Zeit 23 Uhr.

Uns allen wäre viel lieber gewesen, wir hätten vor der Veranstaltung übernachten dürfen und mittags gegessen, nicht abends, und wären abends heimgeflogen und angereist. Aber an sowas Praktisches denkt kein Organisator von Journalisten-Events…..

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