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Essilor Eyecode: Die Sache mit der Gleitcremesichtbrille I 12. Dezember 2012

Posted by DL2MCD in Pleiten, Pech und Pannen.
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Man wird älter, und diverse Nervensägen haben dazu beigetragen, daß man sich manchmal auch so fühlt.

Wenn man dann auch noch in ein Büro auf der Nordseite verlegt wird mit getönten Scheiben, doch auch noch Sachen auf Papier lesen soll, nicht nur am Bildschirm, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • In ein sonniges Büro eines Kollegen setzen. Problem: Nur weil es dem da drin selbst viel zu warm ist, läßt er einen noch lange nicht zum Lesen rein.
  • In den Park setzen. Problem: Sieht dann weder nach Arbeit aus noch wird es als Arbeitszeit anerkannt. Geht nur in der Mittagspause und bei warmem Wetter.
  • Fenster öffnen, um die getönten Scheiben zu umgehen, damit es hell wird. Problem: Führt leicht zu einer Erkältung.
  • Licht anmachen. Hilft einem Brillenträger nur wenig, wenn es das übliche deutsche Rosa-Warmton-Büroleuchtstofflampenlicht ist: Wegen der Spektrallinien sieht man nicht scharf und außerdem spiegeln moderne Magazine mit Hochglanzpapier wie blöd bei Licht von der Decke
  • Neue Brille beschaffen. Problem: Kostet Geld

Die bisherige Gleitsichtbrille mit 1 Dioptrie Variation von Rodenstock war eigentlich sehr gut gewesen, im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich gar keine Probleme mit der Umstellung, doch sie schaffte es ohne ausreichend Licht eben nicht mehr – bei viel Licht ging es noch, weil dann die Blende zu geht, wie jeder Fotograf weiß. Ich mußte wohl auf 2 Dioptrien Nahsichtzuschlag aufstocken, wovor mich mein Optiker schon gewarnt hatte.

Essilor, die Firma, die die Gleitsichtbrille eigentlich erfunden hat, warb für ein neues Computer-Brillen-Augeneinmeßverfahren namens iKot, pardon: Eyecode. Mit besonders großer Sehzone. Dafür mußte ich dann auch meinen schicken, teuren Optiker gegen einen anderen, eingesesseneren am Ort wechseln. Doch so einfach blieb die Sache leider nicht:

Zunächst mal der Schock: Der nicht so schicke Optiker war viel teurer, 1200 € sollten die neuen Gläser kosten. Die alten waren wenigstens noch im oberen dreistelligen Bereich gewesen – auch schlimm genug, die Kasse zahlt das alles nicht mehr. Aber solche Spezialwünsche bieten einfache Ketten wie Apollo nicht.

Dann wurde man am Computer eingemessen. Wie weit die Augen auseinander sind etc.

Nach 2 Wochen war die Brille da.

Was gut funktionierte:

  • Nahsicht (Lesen)
  • Mittelweit entfernte Sicht (Computer). Ich sah nun die Pixel im Bürobildschirm – so genau wollte ich ihn eigentlich gar nicht sehen.

Was leider gar nicht funktionierte:

  • Fernsicht, ob nun Leute (ab 2 m Entfernung wurde alles unscharf), Fernsehen, Autofahren, Zielanzeiger der Bahn oder Spazierengehen.

Je nach Tageszeit war ales unscharf, morgens weil man noch müde war, abends, weil man schon müde war, nur über Mittag ging es so halbwegs, da war es ja auch schön hell, s.o.

Zudem war der Fernsichtbereich nur schmal – schon zum Fernsehen reichte er kaum, Kino kann man nun ohne ständiges Kopfdrehen vergessen, außer es ist in der letzten Reihe mit einer kleinen Leinwand.

Und alles wurde nun verzerrt beim Kopfdrehen – das läßt sich aber bei 2 Dioptrien Gleitsichtdifferenz wohl nicht vermeiden.

Der Optiker erklärte, Essilor würde inzwischen sicherheitshalber immer 0,25 Dioptrien abziehen, damit man nicht so scharf sähe nicht versehentlich zu hohe Dioptrienzahlen wähle.

Das war mir schon bei der Einstellung im Sitz des Optikers aufgefallen: Während dieser früher die Gläser der Reihe nach durchschaltete, bis man wieder weniger sah, und dann zurückdrehte, um die optimale Dioptrienzahl zu ermitteln, hatte er diesmal einfach aufgehört, sobald ich eine gewisse Menge an Ziffern erkennen konnte. Dabei war mir klar, daß ich noch längst nicht sah, was ich von zuvor gewohnt war.

Ich trage nun über 40 Jahre Brille und konnte damit immer perfekt in die Ferne sehen – das sollte nun vorbei sein?!? Das war technisch nicht mehr drin??? Ich erkannte Leute in mehr als 4 m Entfernung nicht mehr, ich konnte nicht mehr sehen, wann mein Zug fuhr und mußte selbst zum Fernsehen auf 3 m Entfernung (sooo groß ist mein Wohnzimmer ja nun auch nicht) die alte Brille wieder aufsetzen?!?

Wieso konnte ich denn keine Brille mit der für mich richtigen Dioptrienzahl erhalten?!?

Ich hatte noch nie eine Brille reklamieren müssen, doch nun war es soweit. Ärgerlich, ich konnte ja nicht ständig eine Stunde eher heimfahren, nur um vor Geschäftsschluß beim Optiker zu sein!

(Fortsetzung folgt)

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Kommentare

1. Ulf J. Froitzheim - 12. Dezember 2012

Immerhin hast Du noch Humor: iKot ist doch eine wunderbare Wortschöpfung. Wobei Apple an dieser Sch… nicht schuld ist.

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2. Jens der Andere - 29. Dezember 2012

Optiker taugt nichts, soll nacharbeiten. Bei den Preisen ist das Pflicht. Ich wurde vor drei Jahren mit i.Scription (dem „original“) ausgemessen, trotzdem hat der penible Optikermeister sowohl mit Phoropter als auch mit Meßbrille nachgemessen.

Was passierte? Erstes Glas war korrekt geliefert aber falsch eingesetzt worden, was mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns sofort behoben wurde. (Nun… Sofort auch nicht, das Glas mußte neu gefertigt werden…)

Ansonsten mal bei der Kammer anrufen. Leider scheint es mehr schlechte als gute Optiker zu geben – was leider nicht mit dem Preis korreliert…

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DL2MCD - 30. Dezember 2012

Hat auch nachgearbeitet. Mehr als einmal. Muß mal Teil II schreiben, allein, die Zeit…über die Feiertage ist sowieso Pause…

Wollte damals eigentlich einen Bericht über das System schreiben, hab angesichts des Desasters (und daß Essilor absolut nix dazu gesagt hat, sondern das so für völlig normal hält) allerdings Abstand davon genommen, weil man Verrisse nicht veröffentlichen kann, die Zeitschrift/Website verliert dann ja einen potentiellen Werbekunden…

Nachtrag: Hier ist nun Teil II:

https://schreibenfuergeld.wordpress.com/2013/09/23/essilor-eyecode-die-sache-mit-der-gleitcremesichtbrille-ii/

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