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Doktortitel: Besser kaufen als abschreiben 13. Februar 2013

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Wozu braucht man einen Doktortitel? Weil man Arzt ist? Nein, meine Hausärztin hat zum Beispiel keinen: Sie geriet im Medizinstudium mit ihrem Doktorvater über Kreuz, der wohl mit Frauen und Wissenschaft ein paar Vorurteile hatte. Für den Beruf braucht sie den Doktortitel aber gar nicht – und sie ist eine gute Ärztin, die weiß, wo sie sich auskennt und wo nicht, was bei einem Allgemeinarzt wirklich hilfreich ist.

In meiner eigentlichen Branche, der Elektronik, braucht man auch keinen Doktor. Im Journalismus braucht man ihn öfter, um Chefredakteur zu werden – Ahnung von der Technik, über die man schreibt, ist da aber nicht gefragt; es kann gerne ein völlig fachfremder Doktor sein; es soll ja nur Eindruck machen.

Wo man ihn aber anscheinend braucht, ist als Politiker – oder als Betreiber halbseidener Firmen:

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Dr. von und zu C&P Guttenberg hat eine ebenso peinliche Vorstellung geliefert wie Wulff. Allerdings: Wie hätte man es besser machen können? Wer in solch einer Position Mist gebaut hat, wird auch zerrupft, wenn er zurücktritt. Daß jemand dann noch auf ein Wunder hofft und alles abstreitet, ist peinlich, aber menschlich nachvollziehbar. Wer kann schon erwarten, daß jemand, der jahrelang getäuscht hat, offen sagt „Ja, ich habe beschissen“? Und es ist auch egal, unten durch ist unten durch.

Auch Frau Schavan hat abgeschrieben. Allerdings im Gegensatz zu Guttenberg wohl eigenhändig – und vor 33 Jahren. Als Mord wäre das verjährt. Damals hat sie nicht geahnt, daß es eines Tages Internet und Google gibt und man ihre Doktorarbeit so leicht zerpflücken kann. Und wenn sie nicht gerade Wissenschaftsministerin geworden wäre, hätte sich auch kein Schwein dafür interessiert.

So hat sie jetzt nur noch Abitur, ist nicht mehr Ministerin und steht vor den Trümmern ihrer Karriere. Eine Pension bekommt sie sicher noch, sie wird nicht verhungern, aber sie hat trotzdem alles Ansehen verloren. Es gibt Jugendsünden, die nicht verziehen werden.

Demgegenüber gibt es z.B. Geschäftsführer dubioser Firmen. Solcher, die mit Abzocke Geld verdienen. Die „Gewinnspiele“ für Sender wie 9live ausrichten. Und die stolz Pressemeldungen verschicken, in denen sie mit „Dr.“ unterzeichnen.

Die dann Journalisten verfolgen, die über Leute berichten, die Leuten, die über ihre Abzock-Gewinnspiele berichten, ein Forum bieten. Ja, wirklich, diese Doktoren verfolgen Leute, die nur über vier Ecken überhaupt mit ihnen zu tun haben. Schikanieren diese, bis diese sich notgedrungen mit dem Thema genauer beschäftigen, um die dauernden Nachstellungen abwehren zu können.

Und dabei entdecken, daß der Dr. seine Pressemeldungen plötzlich ohne Dr. unterzeichnet.

Warum wohl?

Na weil der Doktortitel gar nicht seiner war. Der war nur geklaut gekauft. 😦

Angeblich wußte der Ex-Dr. nicht, daß „dieser Titelhändler keine richtigen Doktortitel vermitteln kann“…

Na gut, er hat den Titel zumindest abgelegt, bevor er wegen strafbaren Führens desselben belangt werden konnte.

Droht ihm deshalb nun nachträglich Ungemach?

Nein, keinesfalls. Die Justiz ist auf seiner Seite.

Ärger bekommt vielmehr der Journalist, der schon vorher Ärger bekam.

Und viele andere, die mit vor Gericht waren, über den Fall berichten wollten – auch, um Kollegen zu warnen und diese vor solchem Ärger zu bewahren.

Die Besucher des Ortstermins waren nämlich noch nicht vom Termin zurück am Arbeitplatz, da lag auch schon beim Geschäftsführer ihres Auftraggebers ein böses Fax eines Anwalts…

Der Richter am LG München hatte nämlich entschieden, daß das unredliche Erweben eines Doktortitels, ob irrtümlich oder absichtlich, in den Bereich der privaten Lebensführung gehört und Berichte darüber in den Medien folglich zu ahnden sind.

Wohlgemerkt: Eines Doktortitels, den der Betreffende selbst in Pressemitteilungen in die Medien trug udn keineswegs nur privat nutzte!!!

Auch dies war einer der Fälle, die meinen Ausstieg aus dem Journalismus forcierten. Kein Chef mag, daß seine Mitarbeiter ihm Anwaltspost einbrocken, auch wenn die dafür gar nichts können. Und die Privatsphäre des gekauften Herrn Dr. ist zu schützen.

Doch wer ist hier der größere Gauner? Frau Schavan, die sehr wohl studiert und eine Doktorarbeit geschrieben hat, dabei nur unzulässig großzügig war? Oder der, der sich gleich alle Arbeit spart und stattdessen das Portemonnaie zückt?

Die Meinung der Justiz ist eindeutig: Doktortitel schreibt man nicht ab, die kauft man! Dann ist es auch kein Beinbruch, wenn sie wieder weg sind…ist ja geschützte Privatsphäre. Und die „Uni“, bei der solche Titel gekauft sind, erkennt ihn schon nicht on sich aus ab und verfaßt auch keine Pressemitteilungen darüber….

(Das Bild oben? Wer es erkennt, weiß, wo das Urteil gesprochen wurde…)

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