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Linker Neid? 22. April 2013

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Jan Fleischhauer ist in der Spiegel-Redaktion das Vorzeige-Enfant-terrible: In einer als eher links angesehenen Redaktion, in dieser Einstufung alleine schon durch die Attacken durch Franz-Josef Strauß (Höhepunkt: „Spiegel-Affäre“ 1962) für alle Zeiten fixiert, als „umgefallener Linker“ nun konservativ geworden, ist er sozusagen die politische Quotenfrau des Spiegels und damit gleichzeitig auch die Soll-Zielscheibe des Leserhasses – da kommen andere auch umstrittene Spiegel-Kolumnisten wie Sascha Lobo nie gegen an.

In seiner Kolumne, die er auch noch nach Karl-Eduard Schnitzler DDR-Propagandasendung „Der schwarze Kanal“ genannt hat, kann er daher auch gar nicht anders, als zu provozieren. Manchmal flach, manchmal durchaus mit Tiefgang, so wie in seinem Buch „Unter Linken„.

Aktuell beschäftigt er sich damit, wieso die Mehrzahl der Journalisten links sei. Bei den Bildjournalisten wäre diese Frage noch recht einfach zu beantworten: Schließlich ist Schwarz in der Fotografie gar keine Farbe, sondern die Folge totaler Unterbelichtung. 🙂

Doch stimmt diese Behauptung überhaupt? Sind Journalisten mehrheitlich links? Das bezweifle ich – es sind ja nicht mal die links, von denen das ständig anklagend behauptet wird! Politische Symphatie, wie in der von Fleischhauer zitierten Studie, und wirkliche Einstellung sind nicht dasselbe.

Fleischhauer kriegt in seiner Kolumne auch die Kurve nicht. Er kann nicht erklären, warum Journalisten mehrheitlich links sein sollen. Weil sie auf dem Schulhof von Neonazis und JUlern bedroht wurden? Das werden doch alle.

Doch gegen Ende wird es interessant: Da geht es nämlich um den Neid. Der ja teils sehr heftig ist in der Branche, deshalb heißt dieses Blog ja so. Und der ist tatsächlich in der linken Fraktion – oder denen, die behaupten, links zu sein, obwohl sie des Öfteren größere kapitalistische Ausnutzer sind als das durchschnittliche CSU-Parteimitglied – stärker. Da beneiden Chefs ihre Mitarbeiter, die Leser beneiden die Redakteure ohnehin. Und die wiederum werden spätestens als „Freie Journalisten“ nicht zu den „Freien Wählern“, CDU und FDP tendieren, sondern nach links, weil sie sich in ihrer prekären Situation als Arbeiterproletariat fühlen. Ein freier Journalist mit Eigenheim? Ich kenne zwar einen, aber er ist eine Ausnahme.

Lustig nur, daß die Chefs in Journalistengewerkschaften dann wieder meistens gar nicht links sind. Wie jemand handelt, und womit er symphatisiert, ist nicht immer identisch…

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