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Was bleibt von einem journalistischen Job? Ruhm, Dank? Nein, nur und ausschließlich Haß 7. Oktober 2013

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Es kann wunderbar sein, wenn Menschen zusammenarbeiten und sich gegenseitig wertschätzen.

Das Problem: Im Journalismus ist diese Situation wenn, dann nur kurze Zeit zu finden. Wenn es gut läuft, mehrere Jahre, wenn es blöd läuft, auch nur mehrere Monate.

Danach regieren Mobbing, Sabotage, Schikane und Haß. Und das ist dann auch, was man – egal, wie schön es mal war – in Erinnerung behält.

Während in meinen nichtjournalistischen Vollzeit-Jobs etwa 50% so zuende gingen, daß ich auch heute noch mit meinen Chefs reden kann, ist dies im Journalismus nie der Fall gewesen. Da endete es immer mit Dramen. Nicht immer mit dem Chef, manchmal war es auch ein Sanierer oder neuer Verlagsleiter oder Herausgeber. Aber immer extrem ärgerlich.

Im ersten journalistischen Job, aus heutiger Sicht immer noch der beste, ging es knapp zwei Jahre gut. Dann ging der vernünftige, aber eher introvertierte Chef, um eine andere Zeitschrift im selben Haus zu retten. Es kam ein externer Aggressivling, ein Freund des Geschäftsführers, der von den selbst durchaus auch teils faulen Kollegen – die wußten also, wovon sie redeten – als absolut unfähig und faul belästert wurde.

So war es denn auch, er surfte den ganzen Tag auf Spiegel Online, 1995 mit dem Modem ein teures Vergnügen, filzte ganz offiziell die Post und gab vermeintlich oder tatsächlich wichtige Dinge nicht an mich weiter, sackte sie vielmehr für sich selbst ein oder gab sie Kollegen, die er mehr schätzte. Ich mußte die Autoren auf Lieferung meiner Artikel per DFÜ (Mailbox und Modem) umstellen, denn auf Diskette erhielt ich sie nicht, außer ich war vor ihm in der Poststelle und fischte mir meine Post selbst heraus.

Er haßte mich, obwohl – oder vielleicht gerade weil? – ich als einziger nicht ständig über ihn ablästerte.

Ich kapitulierte schließlich vor den arbeitsbehindernden Post-Zensur-Maßnahmen.

Wenige Wochen später wurde auch der postzensierende und spiegel-dauersurfende Chef gefeuert.

Er haßt mich trotzdem bis heute, ließ mir noch Jahre später über einen Anwalt schreiben, wegen Dingen, die andere über ihn auf einer Messe gesagt hatten, wo ich nicht mal anwesend war…

Allen, die bei jenem Magazin gearbeitet und es geliebt haben, ging es irgendwann so, wenn auch in anderen Jahren und mit anderen Chefs. Wir treffen uns heute noch jährlich. Das ist das Positive, was blieb, doch das gilt außerhalb jener Runde nichts.

Im folgenden journalistischen Job bin ich fast draufgegangen, wurde in 23-Stunden-Schichten geschickt nach versuchter (und von mir abgelehnter, da dies die sofortige Entlassung bedeutet hätte) Krankschreibung durch den Betriebsarzt. Das warf ich hin, weil ich überleben wollte, es blieben nur massive finanzielle Verluste. Andere hatten weniger Glück, starben wortwörtlich nachts auf dem Schreibtisch. Und auch hier kam der ehemalige Chef Jahre später mit dem Anwalt – nämlich als ich ihm hier mitteilte, daß ich ihm verziehen hätte. Es gibt Leute, die wollen nicht verziehen bekommen.

Im nächsten journalistischen Job wurde von heute auf morgen das Blatt zugemacht, weil der Verlag zum Verkauf schön gemacht werden sollte. Ich suchte mir im selben Haus etwas Anderes, doch jener Chef konnte mich entweder nicht leiden oder hatte einen finanziellen Engpaß und kündigte mich vermeintlich in der Probezeit (die es natürlich nach mehreren Jahren bei jenem Verlag gar nicht gab) ausdrücklich trotz akzeptabler Arbeit, auch, um den Rest der Mannschaft zu schocken.

Zu tun habe ich mit ihm in anderer Funktion bis heute, weshalb er sich freundlich gibt. Ich bin trotzdem froh, wenn ich ihn nicht sehen muß. Zumal auch er am Tod eines Mitarbeiters auf dem Schreibtisch Schuld trägt, auch wenn dieser erst in der folgenden Firma geschah (Grippe -> Kündigung -> weiter verschleppte Grippe -> Probezeit -> Arbeit trotz Krankschreibung). Martin Müller, ein sehr netter Kollege, den ich noch in der Funkschau-Zeit kennenlernte, und um den es mir sehr leid tut. Immerhin starb er innerhalb weniger Minuten an einer Herzattacke wegen der nicht auskurierten Grippe.

Danach verstand ich mich mit dem nächsten Chef bestens, nur die alte, kurz darauf gefeuerte Geschäftsleitung und später ein neuer Herausgeber, den ich als einzigster mal wieder erfreut begrüßt hatte (ja, ich bin so blöd…), konnten mich nicht leiden – beide, weil mein Chef mich so schätzte. Allerdings mochten sie auch alle Kollegen nicht, wir flogen alle raus, weil die Kollegen zu mir gehalten hatten und sogar auf 20% ihres Gehaltes verzichten wollten, damit ich bleiben kann. Wir sind heute noch befreundet und treffen uns auch mindestens einmal im Jahr. Einige fanden aber nie wieder eine Festanstellung.

Telepolis schließlich war dann der letzte Versuch als hauptberuflicher Journalist. Daß mein Chef da jedem Troll und Spinner mehr glaubte als mir und mir auf diese Weise noch lange über das bereits ausreichend unerfreuliche Ende hinaus Ärger bereitete, sodaß sich noch Jahre danach Staatsanwaltschaft und Polizei mit den daraus resultierenden Vorgängen beschäftigen mußten, hat mir dann endgültig gereicht.

Egal, wie schön der Job mal war, es bleibt als letzte Erinnerung nur Ärger. Ein Verlagsleiter meinte einmal, das sei immer so wie am Ende einer Beziehung. Doch harmonische Beziehungen haben bei mir nie in so einem Rosenkrieg geendet, sonst wäre ich längst Mönch geworden. Journalismus als Hauptberuf würde ich mir nie mehr antun.

Ich kann wirklich jedem nur von einer journalistischen Karriere abraten. Es ist kein normaler Job, es endet meist schneller als erwartet, zumal heute ja nirgends mehr Geld ist, noch dazu auch meist mit einem Riesen-Ärger, und auch wenn man als Journalist viele interessante Leute kennenlernt und die Kollegen untereinander in einzigartiger Weise firmenübergreifend zusammenhalten, ist das Klima extrem rauh und nichts von großer Dauer. Alles bricht irgendwann zusammen, und spätestens sobald das Geld knapp wird – und das wird es immer – zeigen die vermeintlich so netten Chefs/Herausgeber/Geschäftsführer ihr wahres Gesicht. Manchmal auch schon eher.

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