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Wer sind die Schlimmeren, Polit- oder Technik-Trolle? 8. Januar 2014

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Nervensägen.
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Das Schlimmste, was einem Journalisten passieren kann, ist, wenn sich Radikale an ihm festbeißen, nicht? Vor allem Rechtsradikale.

Stimmt…nur teilweise…

Klar, Radikale, ob nun links, rechts, muslimisch (also auch rechts) oder welche Geschmacksrichtung auch immer, sind ein Problem. Sie sind im Allgemeinen nicht die Hellsten, intolerant, gefährlich und deklarieren einen schnell zum auszumerzenden Feind, auch und gerade, wenn man selbst unpolitisch und tolerant ist. Politiker, die den Frieden wollen, das Ende der Sklaverei, was auch immer, laufen ja auch erhöhte Gefahr, ihre Laufbahn vorzeitig auf eine gewaltsame Weise beenden zu müssen.

Den größeren Ärger kann man sich jedoch mit vermeintlich harmlosen Hobbyisten einhandeln, die einem dann die Radikalinskis auf den Hals hetzen oder meinen, selbst mal Radikalinski spielen zu müssen.

Wenn man über Gadgets schreibt, hat dies den Nachteil, daß man diese auch besitzen muß, zumindest für einen Test. Hierfür kann man sie teils von den Herstellerfirmen leihweise erhalten, was aber auch schon jede Menge Mühe macht, beginnend mit der Anlieferung (Pakete werden nicht geliefert/spät geliefert/verpaßt, weil man am Klo war/müssen am anderen Ende der Standt bei unbekannten Leuten abgeholt werden, wo sie der Paketdienst abgeworfen hat/werden demoliert an den Hersteller zurück geschickt, weil der Paketdienst keinen Blöden gefunden hat, der ihm das Paket abnimmt…), dann Fotografie, Test, wieder zurückschicken…

In der Zeit der absoluten Überkorrektheit wird es aber zwar bei den Großen wie Computerbild akzeptiert, daß die Geräte leihweise beschafft werden, aber nicht bei den Kleinen wie mir: Zumindest mein Chef Florian Rötzer bei Telepolis wollte dies nicht. Ich mußte alles selbst auf eigene Rechnung kaufen, durfte das auch nicht mit dem Verlag abrechnen. Schulden habe ich daraus heute noch.

Selbstverständlich rettet dies einen aber nicht vor dem Verdacht der Leserschaft, bestechlich zu sein, wenn ein Test nicht mies genug ausgefallen ist – oder einfach nur der Unterstellung, zu unwissend zu sein, um irgendein Produkt zu testen.

Den größten Ärger hatte ich dabei nicht einmal mit dem Fettnäpfchen-Klassiker Apple-Hardware (früher machten einen da die Apple-Fans in konzertierten Blogger-Aktionen zur Sau, heute eher die Apple-Hasser, wobei völlig egal ist, wie der Test denn nun ausgefallen ist), sondern einem Meade Kompakt-Teleskop mit Computer-Steuerung.

Das ist klar ein Gadget (wegen der Computer-Steuerung) und natürlich auch klar kein Hochleistungs- sondern ein Einstiegs-Gerät. Das aber trotzdem im dreistelligen €-Bereich kostet.

Einigen Hochleistungs-Sterneguckern mit superdicker Brieftasche stank nun, daß ich es wagte, mich mit so einem „Einsteiger-Spielzeug“ auch nur zu beschäftigen und nicht mit „was Richtigem“ im vier- oder fünfstelligen €-Bereich oder aber zumindest mehr optischer Qualität anstelle der Computerspielereien, die aber nunmal der Aufhänger waren, das Teleskop als Gadget vorstellen zu können. Sie maulten erst im Heise-Forum herum, dann in ihren eigenen Foren, schließlich in meinem privaten Gästebuch auf meiner eigenen Domain, das ich hatte, um mit meinen Freunden in Kontakt bleiben zu können, falls man mir mal wieder die E-Mail wegklagen sollte. Ein Todesfall im Freundeskreis, weil ich nicht erreichbar war, reichte mir. Ansonsten halte ich von Online-Gästebüchern wenig und sie sind mittlerweile ja auch ausgestorben.

Das Gästebuch war zu jener Zeit bereits von einem rechts orientierten Wirrkopf aus der Nähe von Kassel heimgesucht worden, der da seine antisemitischen Sprüche gegen die Familie Rothschild absetzen wollte, täglich mehrmals. Es war deshalb unter Beobachtung der Staatsanwaltschaft – wie viele andere Gästebücher auch, die dieser Typ heimsuchte, wohl eine dreistellige Zahl. Seine Postings setzte er sinnigerweise aus einem türkischen Internet-Café ab, nachdem ihm die Computeranlage beschlagnahmt worden war.

Die reichen Sternegucker riefen nun im Heise-Forum offiziell dazu auf, mir eben jenes private Gästebuch erneut mit (nun Fake-) Nazi-Propaganda vollzuschreiben, um die Besprechung jenes 500-€-Meade-Teleskops zu rächen.

Ein Teleskop für vier- oder fünfstellige Summen hätte ich mir natürlich gar nicht leisten können – und die Leser von Telepolis auch nicht. Eine Besprechung eines solchen Geräts häte die Kern-Leserschaft von Telepolis also nur verärgert.

Das Problem: Man darf als Heise-Mitarbeiter Postings im Heise-Forum prinzipiell nicht löschen, wenn diese einen selbst oder Autoren attackieren. Es stehen da heute noch etliche Verleumdungen gegen mich drin, die mir auch bei späteren Arbeitgebern Probleme bereiteten und der Grund sind, warum ich heute kaum noch im Journalismus unterwegs bin – von „freiem Journalismus“ kann man nicht leben und einer festen Anstellung waren jene Verleumdungen immer wieder im Wege. Dazu braucht es keine „Party-Sauf-Bilder“ auf Facebook

In diesem Fall holte ich mir bei Florian Rötzer nun eine Sondererlaubnis, damit diese Astronomie-Trolle nicht unnötig in die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gerieten. Sie wußten ja nicht wirklich, was sie da für einen Unsinn anstellen wollten, in welche Falle sie da unnötigerweise tappen würden, wenn sie mal eben „Nazi spielen“.

Die erteilte er mir zwar, doch war seine Bedingung, daß ich mein privates Gästebuch nun stilllegen mußte. „Journalisten bei einem so großen Verlag haben keine eigenen Domains/Webauftritte/E-Mail-Adressen zu haben, Du siehst ja, wozu das führt, das kann und soll ab jetzt alles über die Verlagsadresse und das Heise-Forum laufen, auch Privates“ war sein Resumé.

Meine Domain, die mich schon so unendlich viel Geld und Ärger gekostet hatte, über die ich mit meiner Familie und meinen Freunden in Kontakt bleiben wollte, sollte ich nun aufgeben und alles nur noch über meine Heise-E-Mail abwickeln 😦

Selbst die Weihnachtsgrüße an die Verwandten sollte ich nun über den E-Mail-Anschluß meines Arbeitgebers abwickeln!

Als ich später bei Florian Rötzer in Ungnade fiel, verlangte er zum Erstaunen der Verlagsleitung, eben jene Heise-E-Mail-Adresse bereits etliche Monate vor Vertragsende empfangsseitig abzustellen (sendeseitig ist sie heute noch offen). Er genoß es, mich so nun ebenso unerwartet von meinen Freunden zu trennen, wie Jahre zuvor ein Rundfunkintendant. Dabei hatte er selbst zuvor Jahre über eben jene private Domain und E-Mail mit mir kommuniziert, die ich seinetwegen abschaffen mußte. Und ich wußte nicht, wie ich nun korrekt mit der Verlagsleitung in Kontakt bleiben sollte, wenn ich über die Verlags-E-Mail nicht mehr ansprechbar sein durfte und eine private ebenfalls nicht haben durfte…

Selbst 2012, Jahre nach jener Zeit, knallte ein Weihnachtsgruß Verwandter an meinen Vater noch – natürlich erfolglos – auf jene Heise-Adresse, die ich damals gezwungen worden war, auch für private Mails verwenden zu müssen und die jene Verwandte sich deshalb abgespeichert hatten.

Das Teleskop habe ich heute noch.

Und dieses Blog hat eben aus jenem Grund keine E-Mail-Kontaktmöglichkeit. Private Erreichbarkeit mag manchem eine Plage sein, ich wollte nur für meine Freunde da sein dürfen, doch das gilt als Journalist als „korrupt“ und steht zudem in „kommerziellem Wettbewerb“ zu den Angeboten der großen journalistischen Unternehmen.

Die Zeiten persönlicher Freundschaften und Briefe sind vorbei, heute muß alles öffentlich stattfinden. Auch für einen Test, der einem nicht gefällt, reicht kein erboster Leserbrief mehr, nein, es muß mindestens ein Shitstorm oder eine Pseudo-Nazi-Attacke sein…

So sehr mich Astronomie fasziniert, die Stänkerei um das Meade ETX 70-Teleskop liegt mir bis heute schwer im Magen und hat dazu geführt, daß ich dieses Hobby nicht weiter vertiefen werde. Ist ja schön, wenn alle anderen mal locker 9000 € für große Teleskope ausgeben können und das Hobby auch für Einsteiger so teuer sein muß, man über jeden die Nase rümpfen muß, der es erst mal billiger versucht. Aber meine Welt ist das dann doch nicht…

Ob es besser gewesen wäre, nichts zu tun und die Astro-Freunde in die Falle tappen zu lassen? Nein, das sicher nicht. Das hätte noch mehr Ärger gegeben. Auch wenn sie es wohl verdient hätten…

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