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Abhörgefahren: Allgemein vs. Konkret 20. Januar 2014

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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NSA, NSA, NSA: Der Fluch über die bösen Amis, die sogar unsere Kanzlerin schon abgehört haben, als sie noch gar nicht Kanzlerin war, will nicht verstummen.

Dabei fragt man sich: Was war denn anderes zu erwarten? Angela Merkel kam aus der DDR, dem damaligen Klassenfeind (ups, nein, so nannte natürlich nur der Osten den Westen) und war dadurch sicher erst mal verdächtig. Und dann hat man halt, wie sich das in einer Demo-, nein Bürokratie gehört, später, als sie zu den „Freunden“ gehörte, vergessen, mit dem Abhören aufzuhören.

Erwartet man ernsthaft, daß der US-Präsident hiervon persönlich gewußt hat? Daß ihm die NSA morgendlich das Liebesgeflüster des Kanzlertelefons ausgedruckt vorgelegt hat?

Natürlich ist das Vorgehen der NSA nicht in Ordnung und geht über das hinaus, was Geheimdienste üblicherweise tun. Aber das Abhören von Angela Merkel war nun sicher nicht der Sündenfall der NSA. Und die NSA betrachtet sich auch nicht als Feind, der unserer Kanzlerin damit schaden wollte. Außerdem hat man es eigentlich immer geahnt, daß so etwas passieren könnte – solange es E-Mail und Provider gibt, können schließlich auch diese mitlesen, auch wenn sie es in Deutschland zumindest natürlich nicht dürfen. Aber Schnittstellen für die Polizei und Geheimdienste anbieten müssen – also für unsere eigenen Leute, nicht ein fremdes Land. Die NSA darf ihre eigenen Landsleute dagegen nicht abhören.

Bedenklicher ist die „Online-Durchsuchung“, bei der man nicht nur die über das Internet versandten Daten abhört, sondern mittels Trojaner gleich den ganzen Rechner durchsucht. Eine Hausdurchsuchung ohne Benachrichtigung des Betroffenen gab es in Deutschland nur in der DDR, weshalb diese Technik dann auch mit dem Schäuble-Logo versehen „Stasi 2.0“ genannt wurde. Auch die NSA nutzt dieser Art „Online-Durchsuchung“.

Ich persönlich finde aber noch viel schlimmer, wenn E-Mails nicht nur mitgelesen, sondern komplett einkassiert werden:

1995 machte dies die bayrische Polizei – 150 Mailboxen wurden komplett bis zu zwei Jahre konfisziert, die darauf befindlichen E-Mails waren weg, das Vertrauen derer, die über diese Systeme komuniziert hatten, auch, ebenso wie die E-Mail-Adressen.

Ich bekam zwar nie Ärger wegen der konfiszierten E-Mails, es war der Polizei nicht wichtig genug, meine Pseudonyme zu knacken, weil die Inhalte nach Lesen der gespeicherten E-Mails (das tatsächlich stattfand) als unkritisch eingestuft wurden, doch sie blieben beschlagnahmt, ebenso wie die E-Mail-Adressen natürlich weg waren, weil die Mailboxen nie wieder in Betrieb genommen wurden. Das beeinträchtigte auch meine Arbeit, privat ohnehin.

Ein teurer Umstieg auf Compuserve, um diesem Problem zu entgehen, endete mit dem Polizeiangriff auf Compuserve und einer Eigenmächtigkeit eines dortigen Mitarbeiters, dann war auch diese Adresse abgeschaltet. Andere Provider gaben über Nacht meine Accounts anderen Kunden.

Deutsche Provider, bei denen ich dann wieder Beschlagnahmen der Server befürchtete, ließen mich stattdessen mittels Bankrott im Stich.

Schließlich klagte sich die ARD all meine E-Mail-Adressen ein. Diesmal war nicht nur berufliche und private E-Mail betroffen, sondern auch der Zugriff auf mein Girokonto. Denn da ich diesmal gedacht hatte, nun endlich eine teure, aber vor „feindlicher Übernahme“ sichere Lösung gefunden zu haben, lief auch der Zugriff auf Online-Shops (Ebay, Amazon…) über die betreffenden Adressen, deren Zugriff nun auf die ARD übergegangen wäre.

Und all diesen Aufwand mit E-Mail hatte ich überhaupt nur getrieben, weil ein Chef meine Papierpost gefilzt und nach Gutdünken umverteilt hatte, auch wenn diese persönlich adressiert war. Dies allerdings ist in vielen Firmen üblich. Auch in jenen, die lautstark von „Stasi 2.0“ sprechen.

Natürlich mag ich auch heute nicht, wenn Polizei, BND, CIA oder NSA meine E-Mails mitlesen. Solange sie diese aber nicht beschlagnahmen, umverteilen oder veröffentlichen, ist es trotz allem mittlerweile meine kleinste Sorge…solange Internet in Deutschland pauschal mit Rundfunk gleichgesetzt wird statt mit Telekommunikation und alles über das Internet Übertragene als vogelfrei angesehen wird, kommt es auf in- und ausländische Geheim- und Ungeheimdienste, die auch mal mitlesen wollen, nun auch nicht mehr an.

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