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Die Großen und die Kleinen, heute: Der Schnellzeichner 10. Februar 2014

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches.
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Dieser Tage erschien im Branchenmagazin „Clap“ ein Bericht über die Geschichte des Puma-Logos. Interessant, daß das „richtige Leben“ mal wieder zu unelegant und dick für die Werbewelt war, daß der richtige Puma als Logo ungeeignet war und deshalb ein Pama (Panther-Puma) kreiert wurde. Daß dies dann der Wurf des Jahrhunderts war, der erst spät richtig honoriert wurde, wenn auch aus Eigenverschulden des Zeichners. Und daß Adidas und Puma aus derselben Familie stammen.

Und es erklärt auch das heutige heftige Markenbewußtsein des Zeichners.

Über den hatte ich 2002 geschrieben – da hatte er einem anderen die Domain und damit die komplette Webpräsenz sowie alle E-Mail-Kontakte abgenommen. Immerhin ohne Klage oder andere teure Rechtsmittel, dennoch war dies für Bubec alias Burkhardt Becker eine Katastrophe, über deren Tragweite er sich erst im Nachhinein klar wurde. Und bei ihm beruhte das Kürzel ja auf dem echten Namen, bei Lutz Backes, der damals online nicht sehr präsent war und den Burkhardt Becker daher nicht kannte, war es nur ein Pseudonym.

Danach war ich einige Jahre bei Telepolis, was auf ärgerliche Art zuende ging.

Kurz nach Beendung meiner Zeit bei Telepolis, im Sommer 2007, bekam ich dann einen Brief auf Papier der Chefredaktion „Euro Journal pro management“. Jetzt, fünf Jahre später, hatte Lutz Backes, nein, nicht mal er, sondern „sein Verleger“, den Telepolis-Artikel über den alten Domainstreit entdeckt. Daran hatte er einiges auszusetzen, nannte ihn erlogen, ehrehrenrührig (was auch immer das ist), „kindisch und von einem gestörten Rechtsbewußtsein gekennzeichnet“ und drohte mit Strafanzeige, wenn ich ihn nicht entfernen würde. Das Ganze im Namen und mit Unterstützung des Verlags von Euro Journal pro management – ich würde nie auf die Idee kommen, meinen Arbeitgeber in Dinge hineinzuziehen, die andere meiner Aktivitäten betreffen, aber andere wie Gravenreuth haben dies umgekehrt ständig versucht.

Nun war Telepolis natürlich nie meine Seite, sondern die des Heise-Verlags, also konnte ich natürlich den Artikel auch gar nicht entfernen, zumal, wenn ich dort auch gar nicht mehr arbeite. Sonst hätte ich es zumindest gekonnt, aber auch nicht gedurft. Mein ehemaliger Chef hätte es sicher nur zu gerne gesehen, wenn Lutz Backes rechtliche Mittel gegen mich angewendet hätte und folglich kaum etwas unternommen. Über den Bayrischen Journalisten-Verband, in dem wir beide Mitglied sind, wurde dann eine tragbare Lösung gefunden.

Ich schätze die Arbeit von Herrn Backes sehr wohl, auch wenn er dies anders sieht, und will ihm nichts Böses. Ich gehe auch davon aus, daß er Burkhardt Becker nicht wirklich all das antun wollte, was die Sache dann ausgelöst hat. Tatsache ist jedoch, daß zu jenem Zeitpunkt die Website von Burkhardt Becker viel mehr Besucher hatte als die von Lutz Backes, daß er im Internet sehr aktiv war und durch den Domainverlust sehr viel verlor – zwar wohl nicht finanziell, denn er hatte die Website nur als Hobby, aber von den Kontakten und der Lebensfreude her. Selbst seine Beziehung ging daran zugrunde – womit er nicht der Einzige ist. Heute zeigt er im Netz nur noch ein paar Bildchen.

So war es auch bei mir früher – ich schrieb nie so gerne öffentlich, in Foren, in Blogs etc. – das meiste lief über E-Mail, auch viele Freundschaften. Und genau die ist dann weg, wenn eine Domain weg ist. Die Website findet sich auch über Google wieder, wenn die Adresse wechselt. E-Mail-Adressen sind aber im E-Mail-Programm bzw. alten E-Mails fest gespeichert. Die gehen dann noch nach Jahren an die nun falsche Adresse. Was zu absolutem Vertrauensverlust führt, wenn eine persönliche E-Mails so ungewollt bei einer wildfremden Person aufschlägt.

Das war, was mich an der Aktion geärgert hat, weil ich weiß, wie schlimm das ist. Was Herr Backes aber ebensowenig verstand, weil er E-Mail vermutlich damals kaum nutzte, wie all die anderen, die meinen, daß Domains, auch wenn sie redundant die zweite, dritte, hundertste Domain sind, allen anderen weggenommen und einem Markeninhaber gegeben werden müssen, selbst wenn nicht die geringste Verwechslungsgefahr besteht.

Ich schreibe hier heute nun nur noch öffentlich und gar nicht mehr privat, völlig entgegen meinem Naturell. Es kann auch nur öffentlich geantwortet werden. Aber würde ich hier eine Kontakt-E-Mail angeben, könnte ich sicher sein, daß sich die irgendwer wieder im Gravenreuth-Stil einklagen will, um nachzusehen, was die Leute mir wohl so Wichtiges schreiben…und journalistisches Arbeiten ist so auch nicht möglich, wenn man den Informantenschutz nicht gewährleisten kann, weil man nicht weiß, wer morgen die eigene E-Mail-Adresse hat.

Wenn ich deshalb für andere eintrete, denen es ebenso erging und das „kindisch und von einem gestörten Rechtsbewußtsein gekennzeichnet“ ist – nun, dann kann mir diese geldgierige Welt gestohlen bleiben, in der es wirklich nur um Kommerz geht und private Freundschaften und Kontakte nichts zählen. Wo Marken mehr zählen als Menschen. Denn hier ging es ja ebenso wie in den anderen „großen“ Domainstreits nicht etwa darum, daß jemand keine Website unter „seinem“ Domainnamen haben konnte, sondern darum, daß er „seine“ Second-Level-Domain unbedingt unter möglichst vielen Top-Level-Domains haben wollte und dabei seine eigene, kommerzielle Nutzung des Internets moralisch und juristisch über die private Nutzung eines andere stellte.

Mich erinnert das immer wieder an den Spruch meines Vaters „Das Telefon ist für geschäftliche Zwecke da!“. Den verstehe ich aus heutiger Sicht durchaus, für ihn konnte eine zu lange Belegung der Leitung einen verlorenen Auftrag bedeuten. Doch wenn jeder seine eigene Leitung – hier: Domain – hat, warum gilt dann immer noch „Kommerz hat unbedingten Vorrang vor Privat“? Wenn das so weiter geht, werden irgendwann auch private Telefonate nicht nur in der Firma bzw. in einem Haushalt mit nur einer Telefonleitung verboten, sondern generell…ist ja was Minderwertiges, „Kindisches“… 😦 …dann kommen die Briefe und irgendwann darf man nicht mal mehr über private Dinge miteinander reden, sondern nur noch über die neueste Fernsehsendung, Schokoladen- oder Turnschuhmarke, den letzten ach so wichtigen Promi im Dschungelcamp oder den xten Spezial-Burger von McDoof. Denn bei all diesen Sachen gehts ja um Marken und Geld, und das hat Vorrang

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