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Transparente Kommunalwahlen, oder: Wer wählt denn bloß eine Hebamme zum Bürgermeister? 24. März 2014

Posted by DL2MCD in Wie bitte?.
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Dieser Tage waren ja Kommunalwahlen. Die gelten als unwichtiger als bundesweite Wahlen. die Wahlbeteiligung bei uns lag unter 50%, in meinem Wahlbezirk war sie sogar völlig u.a.S.: von 700 Wahlberechtigten ließen sich nur knapp über 100 im Wahllokal blicken, wie man im Internet inzwischen erkennen kann.

Es war mir ja schon komisch vorgekommen, daß es da eine Stunde vor Wahlende so leer war – da ist es normal gegen Wahlende durchaus voll, nur morgens kommt noch keiner.

Während einige Wahlzettel vom Format her auch zum Zudecken Obdachloser geeignet gewesen wären und sich nach dem Kreuzeln gar nicht wieder zusammenfalten ließen, jedenfalls nicht richtig, waren andere sehr simpel: Bei der Bürgermeisterwahl kommte man nur den einzigen Kandidaten ankreuzen – oder einen anderen Namen angeben.

Ich trug spaßeshalber den Landrat ein, der sich auch für den Kreistag beworben hatte und damit für Ärger gesorgt hatte, weil er ja ohnehin nicht beide Ämter ausfüllen könnte. Der wäre doch der Richtige für noch ein drittes Amt, oder?

Die blöde Idee hatte offensichtlich noch jemand: der Landrat bekam zwei Stimmen für das Bürgermeisteramt. Bürgermeister blieb natürlich mit 88% unverändert der einzige Kandidat, der sich ja auch bewährt hatte. Der Landrat ist dagegen nun nicht nur kein Bürgermeister, sondern auch [Update] nicht mehr Landrat: Er bekam nicht mehr die Mehrheit, eine Stichwahl Ende des Monats besiegelte sein Schicksal.

Aber auch noch jede Menge anderer Namen wurden als Bürgermeister vorgeschlagen, neben dem unvermeidlichen „Horst Schlemmer“ und einigen ortsansässigen Ärzten und Unternehmern auch eine Hebamme. Bei deren nicht unkomplizierten Namen ich mich frage, wer außer ihr selbst wohl für sie gestimmt haben könnte, ohne sich dabei unweigerlich zu verschreiben?

Vermutlich hat niemand damit gerechnet – ich jedenfalls definitiv nicht – daß die Wahlergebnisse so transparent bis hinunter zu jedem Namensvorschlag publiziert werden. Jetzt könnte man sogar nachsehen, in welchem Wahlbezirk die Stimme für die Hebamme abgegeben wurde. Wird dann auch noch die Uhrzeit gespeichert, dürfte der „Täter“ eingekreist sein…

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