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Die Zukunft: Personalmanagement via Twitter und Facebook? 16. April 2014

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Wie bitte?.
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Ich bin nicht bei Fratzebuch, dabei bleibt es. Warum sollte ich berufliche Dinge über eine ehemalige Baggerplattform abwickeln?

Einen Twitter-Account habe ich zwar, aber nicht öffentlich. Wenn ich schon was öffentlich sagen will, dann zumindest in mehr als drei Worten und 140 Zeichen. Und was soll ich mit Fans und Verfolgern? Davon hatte ich schon in meiner Zeit bei Telepolis genug – man nennt es auch „Stalking“, aber der Chef fand das saufende Bürschlein, das nachts Verleumdungen über mich über die verlagseigenen Medien verbreitete, halt nett.

Das mag meine persönliche Überempfindlichkeit sein aufgrund meiner schlechten Erfahrungen. Aber trotzdem ist es mir zuviel „Transparenz“, Öffentlichkeit und Selbstbespiegelung, wenn Personalentscheidungen im Journalismus nun öffentlich via Twitter abgewickelt werden:

BILD holt sich via Twitter einen Journalisten – und die Zeit feuert auf dem gleichen Weg einen.

Letzteres nach 9 Tweets eines anderen Journalisten, der nicht locker ließ, bis Zeit-Online-Chef Jochen Wegner endlich zwischen Tür und Angel, auf dem Weg nach Amerika Moritz Gathmann öffentlich via Twitter schasste. Ja genau, jener Jochen Wegner, der eigentlich als Online-Kommunikationsgenie galt, der nicht so ruppig und eiskalt wie andere war, sondern sich als einer der wenigen im Journalismus ein Herz bewahrt hatte. Doch auch ein Jochen Wegner stößt an seine Grenzen mit dem Druck, den die Öffentlichkeit auf Twitter so erzeugt.

Jemand öffentlich einzustellen mag ja noch angehen, zumal der sich dann keine Sorgen darüber machen muß, dass die Anstellung bei Axel Springer publik wird: Sie ist es ja schon. Axel Springer mag es nämlich gar nicht, wenn die Anstellung von Mitarbeitern bekannt wird, bevor die Pressestelle dies offiziell verkündet hat: Als Kress Online seinerzeit den Jobantritt von mir und einem Kollegen bei Computerbild verkündete, gab das echt Ärger. Dabei war das gar nicht zur Selbstbeweihräucherung gedacht, sondern sollte nur den Jobeintritt erleichtern, indem bekannte Kontakte so schnell informiert waren und uns mit Informationen versorgen sollten.

Jemand öffentlich hinzurichten, ihn per 140-Zeichen-Tweet rauszuwerfen (auch als freier Autor), das ist dagegen so stilvoll, wie per SMS (160 Zeichen und ursprüngliche Grundlage von Twitter) mit der Freundin Schluß zu machen: Es ist einfach geschmacklos! Egal, was derjenige nun für Fehler gemacht hat. Im Fall Moritz Gathmann übrigens formell keine, er hatte das Engagement bei der umstrittenen SZ-Beillage nie verschwiegen, moralisch kann ich es nicht beurteilen, da ich seine Artikel nicht gelesen habe.

Ich muß mich von dieser Branche immer mehr distanzieren, in der Klatsch & Tratsch nun nicht mehr nur über Promis verbreitet wird, sondern auch über die eigenen Mitarbeiter, die ihren Rauswurf nun nicht mehr persönlich erfahren, sondern online über Twitter.

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