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Richard Gutjahr ist KEIN Apple-Fanboy! 2. November 2014

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Mal was Positives.
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Es gibt im Technik-Bereich wirklich keine Marke, die die öffentliche Meninung so spaltet wie Apple. 2004 wurde man in Online-Kommentaren und Apple-Fanblogs postwendend gelyncht, wenn man schrieb, daß ein Apple-Produkt nicht prima funktioniert – eine ganze „Crowd“ von Apple-Fan-Bloggern rief dann dazu auf, den oder die Kollegin rund zu machen und sich bei seinem/ihrem Chef über solche Ungehorsamkeiten zu beschweren. Über Apple hatte man ebenso wie über Borland nichts Negatives zu schreiben – das war in jenen Tagen allgemeiner Konsens.

Heute hat sich das Blatt gedreht und Leser und Blogger, auch Apple-User, stehen Apple kritischer gegenüber.

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Als ich 2008 probehalber eine Apple-Pressemeldung fast 1:1 in ein Blog setzte, um zu schauen, ob die Apple-Fanboys wohl DIESMAL endlich mal zufrieden sind, gab es einen ähnlich großen Shitstorm wie 2004, nur genau andersrum…und ansich ja zu Recht, denn von der dahinterliegenden Motivation für diesen „PR-Tex“t konnten die Leser nichts wissen und die ironische Überschrift („Mit der Kraft der acht Herzen“ – mit einer 2 statt einer 8 ist das bekanntlich der Werbespruch eines geriatrischen Likörs) wurde nicht als solche wahrgenommen. Nur uferte auch dies total aus und es wurde sogar in der Wikipedia gegen mich gehetzt und man wollte gleich ein „Apple-Gate bei Blogwerk“ daraus machen. Wobei es sich dabei keineswegs um Apple-kritische Stammleser wie den guten AlphaOrb handelte und im Blog selbst in den Kommentaren auch nur leise „gehüstelt“ wurde. Das waren eher Nachwehen aus meiner Telepolis-Zeit, wo offizielle Pressemeldungen ÜBERHAUPT NICHT als Quelle oder Referenz benutzt werden durften…ziemlich gaga, wenn man Informationen über den neuen Audi dann nur bei Mercedes oder Auto Motor Sport holen dürfte und nicht bei Audi…

Richard Gutjahr hat dagegen den Ruf eines absoluten Apple-Fanboys weg und wurde dafür bereits massiv z.B. in diesem nur scheinbaren Lob in Cicero attackiert. Er gilt als „ewig hungriger“, ewig dummer, keiner unbezahlten Überstunde abgeneigter techniksüchtiger Apple-Depp, seine höchste journalistische Errungenschaft ist bei manchen nicht etwa die Reportage aus Kairo im Umsturz, sondern daß er seinerzeit ale erster ein Ipad in den Händen hielt und sich damit fotografieren ließ.

Dann ging er auch noch zum westdeutschen Rundfunk, der in Sachen Internet und gegenüber Journalisten, die bei anderen Arbeitgebern oder selbstständig arbeiten, extrem aggressiv auftritt.

Doch in einem direkten Kontakt stellte ich fest, daß Richard Gutjahr keineswegs ein Fanboy ohne eigenes Gesicht und ohne eigene Meinung ist, sondern ein sehr sensibler und von mir geschätzter Kollege. Auch, wenn er nach Köln zu diesem Mäusesender gegangen ist, was ansich ja nur gut sein kann, wenn auch vielleicht nicht für ihn, sondern für das Internet.

Ob er es nun einfach satt hatte, weiter als kritikloser Fanboy zu gelten und deshalb die Apple-Bombe platzen ließ, ob er einfach wußte, daß er das inzwischen machen kann, während er früher dafür geteert und gefedert worden wäre, weiß ich nicht und es ist mir auch egal. Da er zu einem deutlichen Prozentsatz von Berichten über Apple-Aktivitäten und -Produkte lebt, ist ihm dies sicher nicht leicht gefallen. Das Ergebnis hier ist aber mehr als lesenswert:

Der Apfel fällt nicht weit vom Bann

Wobei ich die deutsche Apple-Pressestelle in jenen Jahren zwischen Ipod und Iphone wohlgemerkt als sehr fair und hilfreich empfunden habe – im Gegensatz zu den Apple-Bloggern haben die mich nicht in die Pfanne gehauen, sondern mir im Gegenteil mit Tipps gegen den Shitstorm geholfen. Ja, die Idee für den „BMW“-Artikel kam von dort, und zwar nicht, damit ich dann endgültig plattgemacht werde, sondern um ebendies zu beenden. Was auch tatsächlich funktionierte – nach DIESEM Rundumschlag kam doch mancher Apple-Blogger ins Grübeln…

Allerdings kamen in späteren Jahren auch erhebliche Dämlichkeiten zu Tage wie jener Apple-Geschäftsführer, der glaubte, daß Apple’s erster Computer der Macintosh gewesen sei. Und Apple USA ist natürlich noch etwas ganz anderes als Apple Deutschland. Und Apple über die Jahre mit dem Erfolg des Iphones sicher arroganter geworden.

Achja, der inzwischen übliche Disclaimer:

Auch ich habe von Apple keinerlei über den zulässigen Grenzen liegende Gefälligkeiten, Geräte oder Reisen erhalten. Das Maximum war eine Einladung zu einer Freiluft-Vorführung von „Batman & Robin“, also mit dem Wert einer Kinokarte und eines Grillabends. Ich war auch auf keiner Apple-Konferenz in Cupertino und werde auch kaum mehr auf eine eingeladen. So wie nun auch Richard Gutjahr.

Ihm danke ich, daß er es gewagt hat, uns hinter die Kulissen schauen zu lassen. Ja, es gab Zeiten, wo Firmen Journalisten manipuliert haben, wozu es aber immer zwei braucht. Heute kommt das im Technikbereich aber kaum mehr vor, a) hat niemand mehr Geld für sowas und b) weiß man nie, ob jemand – auch Jahre später – so petzt. In anderen Bereichen wie Auto, Immobilien oder Pharma – mag es anders aussehen. Bei IT & CE ist jedoch Apple längst die Ausnahme.

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