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Der Neid wird wohl nie aufhören… 17. November 2014

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Nervensägen.
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Manche Menschen können schreiben. Manche auch lesen. Leider sind es nur selten dieselben.

Das Thema dieses Blogs ist ja eigentlich offensichtlich: Ich will darüber aufklären, daß Journalismus eben kein Traumjob ist, man wenig verdient, mitunter mit mehr Schulden aus dem Job geht, als man hineingegangen ist, aber dafür allerortens beneidet wird.

Doch es ist sinnlos, es wird nicht verstanden!

So bekam ich dieser Tage eine E-Mail unter anderem folgenden Inhalts:

Und ansonsten beglücke ich Sie zu Ihre fantastischen Leben, in dem Sie sich scheinbar nie Sorgen um Geld machen mussten, so wie junge Menschen mit Masterabschluss die frei Jobs machen und trotzdem noch staatliche Zuschüsse bekommen, weil der Arbeitsmarkt momentan einfach sehr schlecht aussieht. Wenn Sie der Meinung sind, […], nur weil ich den einzigen Job angenommen habe, den ich während eines teuren aber hochwertigen Studiums […] angeboten bekommen habe, dann kann ich nur hoffen, dass niemand in Ihrer Familie je in so einer Not ist, und Sie Ihrer Familie alles ermöglich können, was Sie sich wünschen. Sonst müsste wohl auch mal jemand in einem Beruf arbeiten, der Ihrer Meinung nach verwerflich ist, nur um nicht auf der Straße zu schlafen.

[…] Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Journalisten Karriere.

Tja, was soll man dazu noch sagen? Das halbe Blog sagt doch genug! Schreibe ich noch mehr, springen meine Leser hier doch endgültig hinter den Zug oder aus dem Kellerfenster oder sagen, ich sei ein alter Jammerlappen! Dabei kann fast jeder Journalisten-Kollege meist noch schlimmere Geschichten erzählen als ich hier, nur die meisten versuchen nach außen den schönen Schein aufrecht zu erhalten und tun es erst nach dem 3. Bier unter 4 Augen.

Ich bekam keine staatlichen Zuschüsse und meine Partnerin eröffnete schließlich eine Erotikwebsite mit Empfehlungen zu anderen Seiten, um unsere Schulden abzutragen. Eigentlich wollte sie sich selbst vor die Kamera setzen, das wollte ich nicht. Dennoch verbot ein späterer Chef (von mir, nicht von ihr) die Website, drohte mir mit Rauswurf in der Probezeit, wenn ich sie nicht zu deren Stillegung zwänge, was er dann aber trotzdem tat.

Zumindest hat jene Erotik-Website aber nie jemand belästigt, wie der Job jenes E-Mail-Schreibers, der mich wieder einmal für reich und berühmt hält…und so etwas vermutlich nicht gemacht hätte…

Ob der nun wirklich weniger Geld hat als ich, das weiß ich nicht. Kann sein, kann auch nicht sein. Ich habe es ja nun oft genug erlebt, auch das reiche Bankersöhnchen, das meinen Job wollte, hatte selbst viel mehr als ich. Aber er hat sicher die besseren Chancen für die Zukunft. Trotzdem beneidet er mich. Ich muß das wohl nicht verstehen…

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