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Wenn Journalisten Ärger mit der Polizei bekommen, oder: Die Sache mit dem Grundstück Teil I 28. August 2015

Posted by DL2MCD in Pleiten, Pech und Pannen.
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Ich habe ja einige Jahre für Telepolis gearbeitet, ein (zumindest scheinbar) alternatives Online-Magazin des Heise-Verlags.

Leider brachte mir das nach Beendigung des Jobs noch richtig Ärger mit der Polizei ein. Nein, nicht wegen meiner Artikel – die waren keinesfalls ständig „anti“, auch wenn man das von Telepolis erwartet hätte, und da hatte ich sogar teils gute Informationen von Polizeimitarbeitern erhalten. Vielmehr wollte mich die Polizei in Form meines Vermieters los werden.

Ich war 2000 ins Ostallgäu gezogen, weil Wohnungen in München inzwischen unbezahlbar sind – für den Preis einer Zwei-Zimmer-Wohnung in München bekommt man anderswo ganze Häuser. Wir hatten am Rande einer netten Kleinstadt, die auch verkehrsgünstig gelegen war – schließlich war ja mein Job in München und nicht dort draußen – etwas zu akzeptablen Preisen mieten können. Mit Staffelmietvertrag, der sich jedes Jahr um eine zweistellige Summe erhöhte, doch auf 10 Jahre festgelegt war und somit sowohl uns als auch dem Vermieter Sicherheit bot. Danach war der Kauf möglich – der Vermieter bzw. seine Frau wollte solange die Abschreibung auf die Immobilie abrechnen, doch nicht selbst einziehen: Das war zwar von ihm ursprünglich mal geplant gewesen, weshalb der Bau soweit überhastet, doch solide ausgeführt worden war, doch der Frau hatte die Gegend einfach nicht gefallen.

Uns sehr wohl – also wollten wir auch gerne bleiben. Ein Funkfreund hatte uns auf diese Gegend gebracht, der auch hierhin gezogen war. Doch dem Vermieter wurde nach etwa 5 Jahren das Geld knapp – er hatte auch noch ein Haus für seine Tochter bauen lassen, das teurer wurde als geplant. Und so bot er uns bereits eher den Kauf an.

Prinzipiell war das so falsch nicht: Wenn man ohnehin bleiben will, ist es ja nicht sinnvoll, erst 10 Jahre Miete zu zahlen und dann noch 30 Jahre Immobilienzinsen. Da zahlt man ja noch, wenn man längst nicht mehr im Job ist und kein Geld mehr hat.

Leider stellte sich nun allerdings heraus, warum die Miete zuvor so günstig gewesen war: Das war ein Lockvogelangebot gewesen. Jetzt, beim Verkauf, sollte das große Geschäft laufen: Der vom Vermieter gewünschte Preis lag 80.000 € über dem von Miete und Objekt her zu erwartenden Preis.

Damit war es uns zu teuer – und der Bank auch. Die sah nicht den notwendigen Gegenwert und wollte dies nicht finanzieren – schließlich ist für sie ja die Wohnung das, was ihr bleibt, wenn man die Hypothek nicht bezahlen kann oder stirbt. Ich bot ihm eine niedrigere Summe, die es mir und der Bank wert gewesen wäre. Doch darüber war er sehr erbost, das sei ja unmöglich. Doch die höhere Summe zahlte die Bank ja nunmal nicht.

„Kein Problem“, meinte der Vermieter, „Sie können auch zu meiner Bank gehen, die mir das finanziert hat, die weiß, was das wert ist, die hat es ja selbst bewertet und gibt Ihnen diese Summe! Und das ist ein Schulfreund von mir, der ist da kooperativ“.

Nun gut. Ich fuhr also zur Bank des Vermieters.

Der Banker war freundlich und interessiert. Doch als ich die bewußte Summe nannte, guckte er sehr erstaunt, sagte „Moment mal!“ und verschwand im Nebenraum.

Als er wieder kam, sagte er:

„Bei uns steht das aber nur mit xxxx in den Papieren“. (Es war die Summe, die wir auch für richtig erachtet hatten). „Mehr kann ich Ihnen nicht geben, außer Sie bringen den Rest selbst mit, denn mehr würde mir nicht genehmigt – und außerdem würde ich Sie dann gleich zu Beginn einer neuen Geschäftsverbindung übers Ohr hauen, das geht nicht!“.

Nun, man kann sich ja mal irren. Auch als Vermieter. Und man kann auch mal versuchen, jemand zu übervorteilen – aber nur einmal. Wenn man aber dabei erwischt worden ist, sollte man wenigstens eine gute Begründung / Ausrede / Entschuldigung parat haben.

Nicht so unser Vermieter. Der stritt das glatt ab, unterstellte mir, ich hätte mir das ausgedacht.

Erinnerte mich an die alte Geschichte von Konstantin Wecker, der in die Hose gemacht hatte und seiner Mutter erklärte „Das war ich nicht, das muß ein anderer gewesen sein!!!“. Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht mehr abstreiten, wenn sie ans Tageslicht gekommen sind. Doch nicht so unser Vermieter. Es war zwecklos, er kam nicht zur Vernunft und wir mußten uns von der Idee verabschieden, nach Ablauf des Mietvertrages dort bleiben zu können.

Ein Makler, der vom Vermieter mit dem Verkauf beauftragt worden war, lehnte dies auch ab – und kam dann sogar zu uns und sagte „da können Sie auch billiger selbst was bauen hier draußen“. Ein Grundstück hatte er schon. Nicht billig, aber sehr gut gelegen, in Fußweite des Bahnhofs und nahe an der Schule – gut, wenn wir später Kinder haben sollten. Dazu ein Baukasten-Haus von „Town & Country“.

Das Grundstück gefiel uns, das „Town & Country“-System weniger: Häuser, die nur dadurch billig sind, daß wichtige Dinge wie Keller einfach fehlen. Mit allem Notwendigen zusammen ist es dann nicht mehr wirklich billiger.

Natürlich war dem Makler eigentlich am Town & Country-Verkauf gelegen. aber er verdiente ja auch am Grundstücks-Verkauf. Also kauften wir erstmal nur das Grundstück und nahmen uns ein halbes Jahr Zeit, den Hausbau zu planen – baut man sofort, hat dies nämlich noch den zusätzlichen Nachteil, daß man Grunderwerbssteuer auf Grundstück und Haus zahlen muß, nicht nur auf das Grundstück.

Wir verglichen einiges und befragten auch unseren Funkfreund. Der hatte mit „Schöner Bauen“ gebaut – der Inhaber heißt Schöner, war ein lokaler Bauunternehmer, der das Grundstück und seine Eigenheiten (unter anderem: hoher Grundwasserstand, wenn auch keine Überschwemmungsgefahr) gut kannte – und war sehr zufrieden. Also wollten wir auch mit „Schöner Bauen“ bauen.

Herr Schöner jedoch nicht mit uns. Monatelang ging es nicht weiter, es wurde 2007. Mein Job lief aus. Und als auch der letzte Monat meiner Tätigkeit für Telepolis abgelaufen war, meldete sich ein anderer Bauunternehmer bei uns, Herr Dörfler. Er hatte den Auftrag von Herrn Schöner übernommen, der sich entschlossen hatte, nur noch Rohbauten zu machen.

Auch Herr Dörfler ist ein guter Bauträger, ich kann ihn nur empfehlen. Nur: Jetzt hatte ich keinen Job mehr und mußte erstmal abwarten, bis ich einen neuen Job hatte und die sechs Monate Probezeit überstanden hatte. Und solange weiter Miete und Grundstück zahlen. Wenigstens konnten wir solange ja noch zur Miete wohnen. Dachten wir.

DSC04252

Das Grundstück – ein Nachbar hatte hier Erdhub abgeladen, das mußte noch entfernt werden. Aber die Straße war bereits gebaut.

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