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„Vollkommene Transparenz von Journalisten“… 5. Januar 2016

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Pleiten, Pech und Pannen.
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Der neue Journalist, wie ihn sich Blogger wünschen, hat keine exklusiven Quellen mehr, kennt kein „unter 2“ und „unter 3“ mehr und keine Privatspäre, bloggt über alles und jedes, auch und gerade Privates, bis einer heult. Falls er die Privatsphäre nicht ohnehin wie ich seinerzeit per einstweiliger Verfügung einfach gewaltsam entzogen bekommt, weil für manche Leute ja Internet ausschließlich Rundfunk ist und nicht zur Telekommunikation, schon gar nicht zur privaten (was für diese Leute nun einmal lediglich das Gegenteil von öffentlich-rechtlich ist) genutzt werden darf.

Seitdem trauen sich ohnehin viele Leute nicht mehr, mir vertrauliche Informationen zukommen zu lassen.

Dabei kann es noch viel schlimmer kommen:

Wie ich erst jetzt erfuhr, weil es jemand für die E-Mail-Box meines Ex-Chefs hielt und enttäuscht war, daß es „nur“ meine Mails sind, steht die Mailbox aus einem meiner journalistischen Jobs seit über einem Jahr offen im Netz zum Download bei Dropbox bereit!

Verkündet bzw. verlinkt bei einem linken Infoportal, dessen Erwähnung in einem Beitrag mir einst die „Junge Freiheit“ übelnahm, was Trollbefall und Stalking von rechts auslöste, obwohl ich gerade NICHT über Politik schreiben wollte, sondern Technik. Und vom Duktus her wurde die E-Mail-Box eindeutig von eben jenen rechten Trollen hochgeladen.

Wie diese Leute allerdings an meine Mailbox gekommen sind, das ist die eigentliche Frage.

Sie war nur verschlüsselt und via IMAP zugänglich, also es gab keine lokale Kopie auf meinen Rechnern.

Feinde im Verlag hatte ich von meinem Chef abgesehen (der sowas nicht drauf hätte) m.W. nicht.

Der Angriff muß also von außen gekommen sein und all die Jahre unbemerkt geblieben sein.

Es ist schon absurd:

Bei Franzis hatten einst alle Redakteure der Funkschau nur ein gemeinsames Compuserve-Postfach, aus dem dann die Kollegen schon öfters mal Mails löschten, bevor man sie lesen konnte.

Bei Computer BILD hat man mir einmal komplett alle E-Mails gelöscht, weil ein Kollege auf meiner ollen Möhre partout in zwei Tagen Abwesenheit wg. Umzug ein Spiel installieren wollte, er dazu mehr Platz auf der kleinen 200-MB-Festplatte benötigte und das E-Mail-Verzeichnis da den meisten Platz belegte und deshalb weg mußte. Samt allen Recherchen und Infos, die für kommende Storys gedacht waren.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sich dann alle meine privaten E-Mail-Adressen eingeklagt.

Bei Moderne Industrie hat mir der Admin einmal alle E-Mails gelöscht, weil diese lokal auf der Festplatte gespeichert waren, was man nicht tun durfte – es mußte alles öffentlich auf einem für alle Mitarbeiter zugänglichen und auch von jedem löschbaren Laufwerk abgelegt sein, auch das E-Mail-Archiv.

Und ausgerechnet bei einem für das Thema Computersicherheit durchaus renommierten Verlag, wo man erstmals wirklich auf Datensicherheit Wert legte, mopst mir mal eben jemand die Daten aus 3,5 Jahren E-Mail-Korrespondenz und postet sie öffentlich im Netz!

Ich kann dagegen wenig tun, die Mailbox gehört ja nicht mir, sondern dem Verlag. Mir selbst hatte man auf Wunsch meines Ex-Chefs den Zugriff schon lange vor Ende der Mitarbeit entzogen. Er hatte wohl Angst, ich könnte seine E-Mails an mich, die gegen Ende hin ziemlich unterirdisch wurden, gegen ihn verwenden.

So habe ich nun meine alten E-Mails wieder, aber eben auch alle Leute, die mir und vor allem meinen Kontakten nicht so wohl gesonnen sind.

Meinen ehemaligen Informanten und Autoren wird das gar nicht gefallen.

Ich werde hier nicht sagen, unter welchen Stichworten und unter welcher Adresse man die Daten findet und habe auch das Magazin jetzt extra nicht erwähnt. Es ist so schon schlimm genug. Ich weiß auch nicht, was ich da tun soll – da mir der Troll und dann auch mein Chef ja eben gerade Geheimnistuerei und krumme Touren vorwarfen, würde man mir nur eben dies erneut vorwerfen, wenn ich das löschen lasse. Falls mir das überhaupt gelänge, denn mir gehören die E-Mails bzw. die zugehörige E-Mail-Adresse ja nicht, sondern dem Verlag. Und nach über einem Jahr ist das ohnehin ziemlich sinnlos, weil längst jeder die Mails haben dürfte, der sie eigentlich ganz bestimmt nicht haben sollte…

Wer mir damals geschrieben hat, sollte es aber zumindest wissen, daß seine Infos nun öffentlich bzw. bei den „bösen Jungs“ sind. Naja, mancher lebt inzwischen nicht mehr, jenen zumindest kann es egal sein.

Ich finde jedenfalls, so „transparent“ kann kein Journalist arbeiten. Ein weiterer Grund, diesen einstigen Traumberuf zu meiden.

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