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Panama Papers: Wo bitte ist denn da die News??? 8. April 2016

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Nervensägen, Pleiten, Pech und Pannen, Wie bitte?.
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Ich verstehe es nicht. Wir wissen doch alle seit Jahrzehnten, was Steueroasen und Briefkastenfirmen sind und daß manche Schweine gleicher sind als andere, weil sie mehr Geld haben und man sich für Geld nun mal alles kaufen kann, insbesondere Korruption.

Jetzt hat irgendjemand auch da mal Daten geleckt (oder Blut?) und es ist tatsächlich nachweisbar. Das mag sicher einiges ändern. Ganz gewaltig. Und was? Na in den Briefkastenfirmen wird jetzt mehr auf Datenschutz geachtet werden. Sonst ändert sich nichts. Die Reichen und Mächtigen werden auch zukünftig Wege finden, zu tun, wozu sie Lust haben.

Dafür hacken nun alle, vor allem aber die angebleich Alternativen wie z.B. Telepolis, auf die Kollegen ein, die die Lecks publizieren. Weil da Putin drin steht, Obama aber nicht, und die Amis doch viel böser sind. Abgesehen davon, daß Obama vielleicht wirklich moralischer ist als Putin, dürfte es für ihn weit schwerer sein, Geld beiseitezuschaffen als für Putin. Also was gibt es da, um sich zu wundern?

Stattdessen hat man ja bei Telepolis – ebenso wie beim Westdeutschen Rundfunk Köln – sogar geglaubt, ich hätte Millionen verdient, wo man es doch in beiden Fällen besser hätte wissen müssen.

Im nachfolgenden Statement des Zukunftsforschers Eike Menzel finde ich nur einen Satz relevant:

Der moralische Bankrott der Mächtigen und Bildschirmpersönlichkeiten von Assad bis Messi ist jetzt manifest.

Ja, er ist nun schwarz auf weiß belegbar. Das ist die einzige News.

Aber sonst ist das alles nun wirklich nix Neues. Und ja, eben jene Mächtigen und Bildschirmpersönlichkeiten nehmen sich nun einmal das Recht heraus, auf Dinge der „Kleinen“, der Normalbürger, frech zuzugreifen. ob es nun meine E-Mails oder mein Girokonto ist. Unsereins wird von Staat und Reichen überwacht und gegängelt und jene nicht.

Aber bitte: Was ist daran jetzt neu? Das war immer schon so. Nur zur Zeit der Könige und Staatskirche hat es niemand hinterfragt, ohne dafür sofort eingebuchtet und hingerichtet zu werden. Das ist der einzige Fortschritt.

News on MEGATRENDS!

Die Parallelgesellschaften der Zukunft: Im Darkroom der Mächtigen und Gehätschelten

»Panama Papers: Die Büchse der Pandora ist geöffnet. Die wirklich bedrohliche Parallelgesellschaft, das sind die Mächtigen und Einflussreichen, die auf Steuermoral pfeifen, die superreichen Königshäupter, Präsidenten und Advokaten. Putin und Poroschenko, Todfeinde, Topmanager und Torschützenkönige huldigen der kapitalistischen Raffgier – und schaffen die Moral im Handstreich ab.«

Drei Fragen an Eike Wenzel

Frage: Welcher Megatrend zeigt sich im Zusammenhang mit den „Panama Papers“?

Eike Wenzel: Ganz deutlich zeigt sich hier der Megatrend zu einer multipolaren Weltordnung, in der wir lernen müssen, mit hochkomplexen und häufig gut verdeckten Machtkonstellationen umzugehen. Diese Tendenz wird sich fortsetzen. Seit Sonntag wissen wir, dass diese multipolare Welt einen finanzwirtschaftlichen Darkroom hat. Wir müssen lernen, dass sich ein Paralleluniversum gebildet hat, in dem Geschäftsleute und Player des politischen Systems ihre ganz individuelle Realität schaffen und nach stramm egoistischen Maximen agieren. Wir empfinden das als zynisch, die empfinden das als normal und absolut rechtens.

Frage: Was bedeutet das im Umkehrschluss für unsere Gesellschaft und deren demokratische Kultur, auf die wir so stolz sind?

Eike Wenzel: Der moralische Bankrott der Mächtigen und Bildschirmpersön-lichkeiten von Assad bis Messi ist jetzt manifest. Während die Öffentlichkeit über das Schwinden der Bindungskräfte unserer Institutionen und Gesellschafts-systeme debattiert, offenbaren Politiker und die anderen Aushängeschilder dieser Gesellschaft, mit welcher asozialen Rücksichtslosigkeit sie ihre Gier zu befriedigen verstehen. Putinfreunde und -feinde, der ukrainische Staats-präsident ebenso wie der König von Saudi-Arabien, die korrupte FIFA und der argentinische Staatspräsident, Börsianer und Bordellbesitzer – alle benutzen die schmuddeligen Hinterzimmer der Briefkastenfirmen. Während wir vor religiös-ethnischen Parallelgesellschaften in Molenbeek, den Pariser Banlieus oder in Berlin am Cottbusser Tor warnen, setzen sich die internationalen Leistungsträger gewissenlos über Rechtstaatlichkeit hinweg.

Frage: Was kann man diesen Entwicklungen entgegensetzen?

Eike Wenzel: Bis vor kurzem hatten wir gedacht, die FIFA sei ein ziemlich singulärer Tatbestand – jetzt stellen wir fest: es hat eine FIFA-risierung unserer Welt stattgefunden. Es wird darauf ankommen, Institutionen zu schaffen, die diese pervertierten Formen der weltumspannenden Korruption durchschauen, bestrafen und nachhaltig verhindern. In der größten Krise besteht immer auch die Chance zur Erneuerung: Unsere multipolare Welt braucht neue Institutionen, neue Formen der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit. Teilhabe muss über digitale Prozesse neugestaltet, Transparenz kann durch ressort- und länderübergreifende Kollaboration auf neue Weise sichergestellt werden. Ab jetzt wird jeder weltgesellschaftliche „Event“, vom Wirtschaftsgipfel in Davos bis zur UNO in New York, den Stachel des Zweifels und des Misstrauens ins sich tragen. Die Weltgesellschaft muss in die Familientherapie. Das kann aber auch die Voraussetzung für einen Neuanfang in unserer multipolaren Welt sein.

Dr. Eike Wenzel, der Gründer und Leiter des Instituts für Zukunftsforschung (ITZ) in Heidelberg, zählt zu den renommiertesten Trend- und Zukunfts-forschern Deutschlands. Er ist Herausgeber des monatlich erscheinenden MEGATRENDS!-Letters (Murmann Publishers, www.megatrends-letter.de).

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