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Telepolis: Quote durch Bullshit 21. Januar 2017

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Wie bitte?.
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Joachim Graf, selbst Verleger, wollte dieser Tage öffentlich von mir wissen, warum die Redaktion von Telepolis eigentlich so bekloppt drauf ist, um es mal salopp zu formulieren.

Nun, warum Florian Rötzer jeder wirren Verschwörungstheorie (insbesondere über seine Mitarbeiter) eher glaubt, und zwar umso lieber, je verrückter diese ist, denn einer rationalen Analyse, das weiß ich auch nicht. Ich weiß nicht, ob er ’68 die falschen Pillen geschluckt hat oder wo das begründet liegen könnte. Es spielt ansich auch keine Rolle, man muß es nur wissen.

Warum der Quark dann aber auch noch so oft den Weg ins Magazin findet, hat einen trivialeren Grund: Quote!

Ein normaler wissenschaftlicher Artikel, die Sorte, die mir eigentlich am liebsten war, bringt bei Telepolis etwa 20.000 Aufrufe.

Ein Gadget-Test (Hardware oder Software) etwa 60.000. Erotik-Themen, also kuriose Sex-Studien, ebenso. Die schob ich dann mal ein, wenn es wieder einmal hieß „wir brauchen noch einige Hits vor dem Monatsende für die Statistik“. Was mir dann Ärger einbrachte, von dem Vorwurf „Quote mit Zote“ bis zur Unterstellung persönlicher Defizite oder Interessen. Frei nach dem Motto „wozu denn sachlich bleiben, wenn man auch persönlich werden kann?“, wo es mir wirklich nur darum gegangen war, der Anweiung der Chefredaktion Folge zu leisten und noch etwas zu bringen, das gerne gelesen wird, denn die plumpe Tour fuhren solche Artikel natürlich nicht, das hätte die Leserschaft nicht akzeptiert, und Tradition hatten solche Artikel bei Telepolis ebenso. Aber wenn es darum ging, innert 24 Stunden nochmal einen „Renner“ zu fabrizieren, kam ein Gadget-Test natürlich nicht in Frage, der etwa 14 Tage Arbeit darstellt, ständig über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schreiben konnte ich auch schlecht, zumal man mir da dann tatsächlich persönliche Interessen unterstellt hätte, und Verschwörungs-Zeug wollte ich eben nicht mehr bringen.

Ein Politik-Rant brachte dagegen nur um die 2000 – dafür viel Traffic über die Trolldiskussionen und Flame-Wars in den Foren. Tatsächlich ist das Traffic-Verhältnis Artikel zu angeschlossenem Forum etwa 40 : 60, das Forum ist für die Werbeeinahmen also wichtiger als die eigentlichen Beiträge, weshalb Trollen, Bashen & Co. in den Heise-Foren auch durchaus gern gesehen sind, solange es nicht strafrechtlich relevant wird, und die Mitarbeiter und Autoren da sehr viel aushalten müssen. Manche kranke Persönlichkeit wie ein krimineller Abmahnanwalt nutzte dies bis zum Exzeß resp. Hausverbot aus und bei mir hatte es Verfolgung durch einen Bekloppten bis Jahre nach meinem Ausscheiden und weiter zu anderen Magazinen zur Folge.

Ein Text über Unverschämtheiten öffentlich-rechtlicher Sender – wie die Internet-Rundfunkgebühr auch und gerade auf E-Mail, Chat etc., brachte über 150.000, aber das ging eben nicht allzu oft.

Die höchste Zugriffszahl, die höchste über das ganze Jahr, brachte allerdings ein von mir mit eher heißer Nadel als freier Autor gestrickter Text.

Ich hatte eine Website entdeckt, auf der behauptet wurde, G.W.Bush habe bereits den Einschlag des ersten Flugzeugs ins WTC auf einem Fernseher in seiner Dienstlimousine beobachten können und das alles sei geplant gewesen. Als „Beweis“ gab es einige Bilder und logische Ungereimtheiten am 11.9.2001, wie die Ignoranz des Militärs (infolge eines Manövers).

Die Website wurde inenrhalb weniger Stunden angeblich wegen Überlastung und dem Drohen einer fetten Providerrechnung offline genommen. Ich sicherte vorher noch die Bilder, übersetzte das Ganze und lieferte es ab.

Danach war mir kotzübel, da ich zuviele der von dieser Seite verlinkten Seiten mit wirklich übelstem Verschwörungsmist angesehen hatte.

Das Werk erschien in katastrophalem Zustand, alle Bilder und Bildunterschriften waren völlig durcheinander geraten.

Ich schwor mir, so einen Scheiß nie wieder anzulangen.

Reklamiert habe ich die durcheinandergeratenen Bildunterschriften nicht, ich war ein neuer Autor und wollte es mir nicht gleich mit der Redakteurin verderben.

Was ich eben nicht wußte, erst Jahre später aus den Statistiken sehen konnte: Ausgerechnet dieser von der Redaktion auch noch zusätzlich verhunzte (was aber niemandem der ach so kritischen verschwörungsfixierten Leser je auffiel) Text hatte fast eine Million Zugriffe erreicht! Übertroffen wurde das nur von einem etwas merkwürdigen Elaborat namens „Kinder sind Pornos“, das jahrelang der meistgelesenste Text war.

Daß ich lieber sachlich-naturwissenschaftlich und nicht verschwörungstechnisch arbeite und so einen Klops nie wieder abgeliefert habe, hat mir dann wohl den späteren Haß des Chefredakteurs eingebracht, als ich in einem Artikel einmal etwas über die bei Telepolis ach so beliebten Verschwörungstexte witzelte.

Und natürlich dicke Schulden, weil die Geräte für die Gadget-Tests nicht als Leihstellungen von den Herstellern kommen durften wie überall sonst üblich, sondern von mir privat im Handel erworben werden mußten – alles andere wäre für Florian Rötzer korrupt gewesen und ich hätte darüber nicht schreiben dürfen – ebensowenig wie über einen Besuch des Reichstags, bei dem Reise (Bahn-Gruppenticket zu 50 €/Person) und Übernachtung von der Pressestelle der Bundesregierung bezahlt wurden. Weil die ja auch korrupt sind, logo. 😦

Nur gut, daß Telepolis sich von niemand bezahlen läßt. Bzw. bislang immer schön geheim blieb, von wem doch 😉

Aber die Frage, warum Verschwörungstheorien so gerne den Weg zu Telepolis finden, ist damit geklärt. Daß inzwischen die Rechten noch viel mehr diese Schiene fahren (ich sag nur Compact, Kopp-Verlag & Co.), läßt Telepolis gar nicht gut dastehen, schiebt es ins selbe Fahrwasser. Und nun, Jürgen Elsässer hat bei Telepolis „geübt“, bevor er sich mit seinen heutigen „Werken“ selbstständig machte…

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