jump to navigation

Mathematische Großwildjagd – oder: wie man in der Wüste einen Löwen fängt 11. September 2018

Posted by DL2MCD in Grund und Sätzliches, Wie bitte?.
trackback

   0. Die geometrische Methode

Man stelle einen zylindrischen Käfig in die Wüste. Fallunterscheidung:

  1. Der Löwe ist im Käfig. Dieser Fall ist trivial.
  2. Der Löwe ist außerhalb des Käfigs. Dann stelle man sich in den Käfig und mache eine Inversion an den Käfigwänden. So gelangt der Löwe in den Käfig und man selbst ist draußen. Achtung: Man muß darauf achten, daß man sich nicht im Mittelpunkt des Käfigs befindet, sonst verschwindet man bei der Inversion im Unendlichen.

  1. Die Projektionsmethode

    Wir nehmen an, die Wüste sei eine Ebene. Wir projizieren sie auf eine Gerade durch den Käfig und diese Gerade auf einen Punkt im Käfig. Damit gelangt auch der Löwe in den Käfig

  2. Die Bolzano-Weierstraß-Methode

    Wir halbieren die Wüste in Nord-Süd-Richtung durch einen Zaun. Die Hälfte, in der sich der Löwe befindet, halbieren wir durch einen Zaun in Ost-West-Richtung, dann wieder Nord-Süd-Richtung, etc. Die Größe der durch Halbieren gewonnenen Teile strebt gegen Null. Der Löwe wird somit von einem Zaun beliebig kleiner Länge eingegrenzt.

  3. Die Funktionsanalytische Methode

    Die Wüste ist ein separabler Raum. Dieser enthält eine abzählbar dichte Menge, aus der eine Folge auswählt werden kann, die gegen den Löwen konvergiert. Mit einem Käfig auf dem Rücken springen wir von Folgeglied zu Folgeglied und nähern uns dem Löwen so beliebig genau.

  4. Die Topologische Methode

    Der Löwe kann näherungsweise als Torus angesehen werden. Man transportiere die Wüste in den vierdimensionalen Raum. Es ist nun möglich, die Wüste so zu deformieren, daß beim Rücktransport in das Dreidimensionale der Löwe verknotet ist. So ist er hilflos und kann eingefangen werden.

  5. Die Newton-Methode

    Wir nutzen die Gravitationskraft zwischen Löwe und Käfig und vernachlässigen die Reibung. Der Löwe muß früher oder später im Käfig landen.

  6. Die Heisenberg-Methode

    Ort und Zeit eines bewegten Löwen sind nicht gleichzeitig genau bestimmbar. Bewegte Löwen nehmen also keinen physikalisch sinnvollen Ort ein und kommen für die Jagd nicht in Frage. Das Einfangen eines ruhenden Löwen ist eine kleine Übungsaufgabe.

  7. Die Schrödinger-Methode

    Die Wahrscheinlichkeit, daß sich der Löwe zu einem beliebigen Zeitpunkt im Käfig befindet ist größer als Null. Man setze sich und warte…

Merke: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir…

Kommentare

1. Jens Stark - 11. September 2018

Ein Ausschnitt aus einem Originalartikel aus dem Journal of Irreproducable Results, auch abgedruckt im Buch „A Random Walk in Science“.

Gefällt mir

DL2MCD - 11. September 2018

Ok. Geistert seit den 80ern durch die Netze, fand gerade einen Ausdruck aus meiner Studienzeit wieder, wo das durch die Packet-radio-Mailboxen ging… 😉

Gefällt mir

2. Jens Stark - 12. September 2018

http://www.cs.umd.edu/~gasarch/HUMOR/lion.html

Da habe ich mir letztes Jahr die Mühe gemacht, die Prüfung zu machen, bin jetzt DB9MOI – und was machen die Leute? Rufzeichen automatisiert über digitale Betriebsarten austauschen…

Gefällt mir

DL2MCD - 9. Oktober 2018

Tja, kann man nicht mal mehr die Wand mit QSL-Karten tapezieren… ;-/

Gefällt mir


Sorry comments are closed for this entry

%d Bloggern gefällt das: