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Gerhard Stoll, der „Soundmeister des IRT“, ist mit 59 Jahren verstorben 14. April 2010

Posted by DL2MCD in Pleiten, Pech und Pannen.
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Gerhard Stoll in der Allianz Arena, Bild: IRTNun, dies soll definitiv kein Blog für Nachrufe werden, ich werde deshalb auch keine entsprechend wirklich passende Rubrik einrichten.Aber man kann es sich leider nicht aussuchen, bei wem die Uhr abläuft und Gerhard Stoll hat eine Würdigung verdient.

Dr. Karlheinz Brandenburg, der „MP3-Erfinder“, den ich auch kennengelernt habe, ist vielen ein Begriff. Dipl.-Ing. Gerhard Stoll, Mitarbeiter am IRT, ist der Allgemeinheit weniger bekannt, doch war er auch an der MP3-Entwicklung mit beteiligt, ebenso wie an DAB und anderen Audiokompressionsverfahren.

Gerhard Stoll war ein sehr netter Mensch, ein mitreißender, sehr lebendiger Wissenschaftler, dessen Vorträge ich total faszinierend fand, den ich auch persönlich näher kennenlernen konnte und zu schätzen wußte und bei dem ich immer gehofft hatte, nochmal einen Vortrag erleben – und auf Video aufzeichnen – zu können. Ich habe nie jemanden erlebt, der so wie er bei einem Vortrag einen halben Waldlauf absolvierte, weil er so begeistert und mitreißend vortrug, daß er dabei das Podium fast auf und ab rannte.

Er entwickelte zuletzt auch „HD-Sound für Fußballspiele„, eine eher amüsante Ergänzung des HDTV-Bilds, und war ein sehr humorvoller Mensch, den ich bestimmt nicht vergessen werde.

Gerhard Stoll studierte technische Kybernetik/Nachrichtentechnik bei den Professoren Zwicker und Terhardt an der TU München und war danach seit über 20 Jahren involviert in grundlegende Entwicklungen desdigitalen Rundfunks.

Als er 1984 zum Institut für Rundfunktechnik kam, war er dort verantwortlich für die Entwicklung und Standardisierung des MPEG Layer II Audiocodierungsstandards und die Tonübertragung bei DAB. Er war Mitglied in Standardisierungsgremien von EBU,ISO/MPEG, DVB, ETSI und ITU-R.

Als Fachreferent leitete er diverse Projekte, die sich mit portablem interaktiven Fernsehen, Audio und Video in Multimedia sowie Produktions-, Distributions- und Übertragungsaspekte von Mehrkanalton bei Hörfunk und Fernsehen beschäftigen. Als technischer Koordinator betreute er seit einigen Jahren auch EU-geförderte Projekte für interaktives Fernsehen, wie z.B. SAMBITS, SAVANT, GMF-for-iTV und porTiVity.

Zusätzlich zum Prof. Lothar Cremer Preis der deutschen akustischen Gesellschaft und dem Fellowship Award der Audio Engineering Society wurde ihm für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Audiocodierung von der National Academy of Television Arts and Sciences im Oktober 2000 ein Emmy überreicht.

Die Welt der Audioenthusiasten verliert einen exzellenten Wissenschaftler mit nationaler und internationaler Anerkennung.

Nachtrag 7.5.2010:

Ich habe gestern auf der High End erfahren, woran Gerhard Stoll gestorben ist – die Pressestelle des IRT wollte mir dies nicht beantworten, weil das dann doch zu privat ist.

Diesen Wunsch werde ich natürlich auch weiterhin respektieren, doch allen, die sich deshalb vielleicht auch ihre Gedanken gemacht haben, so wie ich, will ich soviel sagen: Es war keine lange Krankheit und auch kein Verkehrsunfall. Er hatte also zumindest einen schnellen Tod.

Es macht andererseits auch nachdenklich – auch ohne Fremdeinwirkung kann es innerhalb von Minuten vorbei sein. Wir wissen alle nicht, wie viel Zeit wir noch haben.

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